Aus für das Ein-Euro-Ticket

Sottrumer Bürgerbus muss nach Tarif 2,20 Euro pro Fahrt kassieren

Wilfried Wolters (l.) und Friedhelm Brüns vor dem alten Feuerwehrhaus.
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Wilfried Wolters (l.) und Friedhelm Brüns hoffen, ihren Fahrgästen demnächst zumindest ein Kurzstreckenticket anbieten zu können.

Der Bürgerbus Sottrum wird sein von der Samtgemeinde Sottrum gefördertes Ein-Euro-Ticket wieder einstampfen. Denn dieses entspricht nicht den Tarifrichtlinien, heißt es von Seiten der Bahn. Denn Konzessionär des Bürgerbusses ist Weser-Ems-Bus - eine Bahntochter.

Sottrum – Ein Euro: Etwa ein Jahr lang reichte das aus, um mit dem Bürgerbus quer durch die Samtgemeinde Sottrum zu fahren. Möglich hatte das eine Förderung durch die Samtgemeinde gemacht: Vom nach VBN-Tarif festgelegten Fahrpreis von 2,20 Euro übernahm die Kommune 1,20 Euro und beglich damit den Differenzbetrag. Allerdings, einen erneuten Antrag über eine Fortsetzung wird Friedhelm Brüns, der Vorsitzende des Bürgerbusvereins, nicht stellen. „Weser-Ems-Bus hat uns das untersagt“, so Brüns. Weser-Ems-Bus, eine hundertprozentige Bahntochter, ist Konzessionär des Bürgerbusvereins.

„Wir wollen das Beförderungsgesetz einhalten“, sagt dagegen eine Bahnsprecherin. „2,20 Euro ist nun mal der Tarif des VBN (Verkehrsverbund Niedersachsen), und der darf nicht unterschritten werden.“ Willkür, betont sie, sei es daher nicht, es gehe ihnen darum, auf Richtlinien hinzuweisen. „Das Personalbeförderungsgesetz muss nun einmal eingehalten werden, denn die Bürgerbusse sind als unsere Subunternehmer unterwegs.“ Dennoch wolle man weiterhin mit dem Bürgerbusverein gut zusammenarbeiten, macht die Bahnsprecherin deutlich.

Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung

Vorwürfe, so Brüns wiederum, seitens der Weser-Ems-Bus sei Wettbewerbsverzerrung und Vertragsbruch gewesen. Der Hintergrund seien wenige Linienabschnitte, die parallel zu den Buslinien des Weser-Ems-Busses liegen. Das betrifft die Linie 851 von Rotenburg nach Ottersberg im Bereich zwischen Waffensen und Stuckenborstel, aber auch die Schulbuslinie nach Ahausen. „Aber wir betrügen nicht, wir haben den Vertrag mit der Samtgemeinde“, macht Brüns klar. Dennoch: Nach den Gesprächen mit Weser-Ems-Bus hat er den Folgeantrag bei der Kommune jetzt gecancelt – auch wenn der Verein von dort bereits das Signal bekommen hatte, die Förderung fortzusetzen. Auf dem Bildschirm im Bürgerbus ist der Hinweis zu sehen, dass ab Januar wieder der alte Ticketpreis gilt.

Die Idee, die hinter dem Ein-Euro-Ticket steckt, hat mit der Klientel zu tun, die der Verein mit dem Bürgerbus vor allem ansprechen will: „Die Schüler können noch ihre Schülerkarte nutzen, für die, die vom Bahnhof ins Dorf wollen, gilt noch das Zugticket. Aber es geht uns ja auch um die, die beispielsweise aus den umliegenden Dörfern nach Sottrum zum Einkaufen oder zum Arzt wollen. Und da kann der Unterschied zwischen zwei Euro und 4,40 Euro für den Weg hin und zurück schon relevant sein“, erläutert Wilfried Wolters, Kassenwart des Vereins und Fahrdienstleiter.

Aber am Ende hängen wir als Bürgerbusverein nun mal an der Nadel von Weser-Ems-Bus.

Friedhelm Brüns

Auch dem Kreis der aktuell 16 Fahrer – elf Männer und fünf Frauen – stößt die Haltung von Weser-Ems-Bus sauer auf: „Unsere Fahrer sagen: Wir fahren nicht als bezahlte Kräfte für Weser-Ems-Bus, sondern als Ehrenamtliche kostenlos für den Bürgerbus“, sagt Brüns. Unter den Fahrern habe es daher hitzige Diskussionen gegeben, so Brüns. Gekündigt habe noch niemand, „aber sie sind demotiviert“. Denn die Motivation der Fahrer sei die Zufriedenheit ihrer Kunden – nach dem Motto „Bürger fahren für Bürger“. „Aber am Ende hängen wir als Bürgerbusverein nun mal an der Nadel von Weser-Ems-Bus“, sagt Brüns.

Alternative wäre aus Sicht von Brüns und Wolters ein Kurzstreckenticket. „Der Fahrpreis von 2,20 Euro gilt ja für jede Strecke – ob ich von Stuckenborstel zum Lienworth fahre, oder einmal quer durch die ganze Samtgemeinde, beispielsweise von Winkeldorf nach Ahausen“, so Brüns. „Von daher ist unsere Idee, ein vergünstigtes Ticket für lediglich ein, zwei Stationen anzubieten.“ Wie das technisch umsetzbar ist, wolle man jetzt prüfen, „aber grundsätzlich ist das mit unserem neuen Automaten machbar“, ist Wolters überzeugt. „Darüber hinaus macht der Bürgerbusverein in Achim das schon länger.“ Jetzt geht es dem Verein darum, das Kurzstreckenticket konzeptionell auszuarbeiten, dann will er damit an den VBN herantreten.

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