Nirvana verbindet Generationen

„Wildes Blech“ für bundesweiten Ehrenamtspreis nominiert

Zwischen zwölf und Ende 60 sind die Musiker, die gemeinsam Nirvana musikalisch auferstehen lassen.
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Zwischen zwölf und Ende 60 sind die Musiker, die gemeinsam Nirvana musikalisch auferstehen lassen.

Es gab Vorzeichen, daher ist die Nominierung für den bundesweiten Ehrenamtspreis beim Ensemble „Wildes Blech“ keine allzu große Überraschung gewesen. Dennoch freut sich Leiter Benjamin Faber sehr darüber. Die Nominierung sei schon eine Auszeichnung an sich.

Sottrum – Manchmal ist es wie bei Goethes „Zauberlehrling“: Ein Projekt nimmt unversehens größere Dimensionen an, als sich die Macher das je gedacht hätten. Das haben unlängst auch der Dirigent Ben Faber und seine Mitstreiter vom „Wilden Blech“ festgestellt. Nach dem Gewinn des Niedersächsischen Ehrenamtspreises wurde das Ensemble, das in der Region Musiker wie Zuhörer mit Rock und Heavy Metal auf Blasinstrumenten begeistert, als eines von 26 niedersächsischen und deutschlandweit gut 400 Projekten auf Bundesebene nominiert.

Die Heerscharen dienstbarer musikalischer Geister mit dem imaginären Zauberstab im Zaum zu halten, das gelingt Faber auch nach der coronabedingten Zwangspause noch ganz gut, wie die jüngsten Proben gezeigt haben. Mit der Freude über die unverhoffte Nominierung sieht es schon etwas anders aus: „Überhaupt vorgeschlagen zu werden, ist allein schon eine große Auszeichnung“, freut sich der Waffenser Musiklehrer. Ganz überraschend sei der Bescheid allerdings nicht gekommen, galt es doch schon im Frühsommer, einen detaillierten Fragebogen zu den Hintergründen des generationenübergreifenden Projekts zu beantworten.

Bei einigen Fragen wie der nach der Kategorie, also ob „Chancen schaffen“, „Leben bewahren“, „Generationen verbinden“, „Grenzen überwinden“ oder „Demokratie stärken“ habe man schon seine liebe Not gehabt, erinnert sich Ellen Cordes, die beim „Wilden Blech“ für die Organisation verantwortlich zeichnet. Ebenso bei der Anzahl der ehrenamtlich abgeleisteten Stunden: „Wenn man die Zeit der Auftritte und normalerweise der monatlichen Proben zusammenrechnet und mit mehr als 40 Musikern malnimmt – da kommt ganz schön was zusammen.“

Die Unmöglichkeit einer Einordnung in eine Schublade ist für das Ensemble nicht neu: Schon beim Vorspielen für den Niedersächsischen Orchesterwettbewerb hatte der umgesetzte Traum von geblasenem Headbanging-Sound mit Anspruch von Musikern aller Könnensstufen vom Anfänger bis zum Profi die Juroren irritiert. Mit diesem ungewöhnlichen Konzept ist das „Wilde Blech“ beim bundesweiten Wettbewerb für bürgerschaftliches Engagement in guter Gesellschaft. Unter den freiwillig Engagierten und Ehrenamtlichen, die unter der Schirmherrschaft von Bundesfamilienministerin Christine Lambrecht (SPD) von einer Fachjury oder beim Publikumspreis im Rahmen eines Online-Votings ermittelt werden, sind so unterschiedliche wie „Alte Rechner für junge Leute“, die Instandhaltung eines Museumskreuzers oder die Initiative „Pinke Zitronen“ mit Drachenbootrennen für eine Brustkrebs-Selbsthilfegruppe am Start.

Die Musiker aus dem Raum Rotenburg und Sottrum haben sich dazu entschieden, in der Kategorie „Generationen verbinden“ anzutreten. Damit liegen sie im Trend, finden sich doch wie in den vorigen Jahren besonders viele Nominierte in den Themenfeldern Soziales, Bildung und Integration. Die wichtigste Zielgruppe des Engagements mit 60 Prozent der Nennungen: Kinder und Jugendliche – auch da ist das „Wilde Blech“ mit etlichen Schülern der Bläserklassen aus Sottrum und Rotenburg Vorreiter.

Ob die Freude des „Zauberlehrlings“ Faber überbordet, entscheidet sich erst Anfang September, wenn die Jury über die Preisträger in den jeweils mit 5 000 Euro dotierten fünf Kategorien entscheidet. Auf Bundesland-Ebene konnten die Blech-, Kutten- und Sympathieträger sich dank ihrer Fans durchsetzen, die mit ihren Klicks den Publikumspreis klarmachten. Diese Chance besteht auch diesmal online auf der Website des Deutschen Engagementpreises. Hier winkt ein Preisgeld von sogar 10 000 Euro – Geld, das die Musiker nach 18 Monaten Ausfall von Auftritten, die normalerweise die Kosten für Workshops decken, gut gebrauchen könnten.

So oder so: Die höchste Tugend der Zauberer an den Notenpulten wird nicht erst seit Corona die Geduld sein – die Gewinner aller Preise werden erst Anfang Dezember verkündet. Die Zeit bis dahin nutzen die „Wilden Blechler“ mit dem, was sie am liebsten tun: Musik machen, als Nächstes bei ihren Auftritten am Samstag, 28. August, um 18.30 Uhr als Opener bei „Voice over Piano“ in Sottrum, am Sonntag, 29. August, im Rahmen des Konzertwochenendes auf dem Piratenplatz bei Vissel um 20 Uhr als Vorband von „Strings on Wings“. Und danach geht es, so Corona will, ins Studio, um endlich die Aufnahmen neuer Songs und Arrangements nachzuholen.

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