Kommunalwahl im Herbst

Sottrum: SPD und Grüne halten bei Kandidaten-Suche weiter zusammen

Das Sottrumer Rathaus.
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Für den Chefposten im Sottrumer Rathaus suchen SPD und Grüne neue Bewerber.

Für den Chefposten im Sottrumer Rathaus suchen SPD und Grüne neue Bewerber. Ihr eigentlicher Kandidat, Wolf Linne, hat sich von der CDU vergraulen lassen.

Sottrum – „Niederschmettternd wegen dem, was man nicht mehr machen kann“ sei die Stimmung gewesen. Aber auch zuversichtlich. So beschreibt der Sprecher des Sottrumer SPD-Ortsvereins, Klaus Dreyer, die Gefühlswelten vom Montagabend. Krisensitzung mit den Grünen war angesagt, denn seit Donnerstagabend haben die beiden Parteien überraschend keinen Kandidaten mehr für das Samtgemeinde-Bürgermeisteramt.

Wolf Linne, einst gemeinsamer Kandidat von CDU, SPD, Grüne und FDP, hat sich von den Christdemokraten vergraulen lassen und seine Kandidatur zurückgezogen. Am Mittwochmorgen ist man dann bereit, das Ergebnis der Krisensitzung auch zu verkünden. Es ist das Absehbare: Man möchte nun gemeinsam einen neuen Bewerber suchen, sich weiter in dieser Personalfrage einmischen. Grünen-Co-Vorstand Joris Immenhauser gegenüber der Kreiszeitung: „Jetzt an der Seitenlinie zu stehen, bringt nichts.“

Doch vorher wird noch einmal Kritik geübt. In einer Mitteilung der beiden Parteien erneuern sie den Vorwurf des Wortbruchs an die FDP, der CDU-Vorstand habe sich hingegen „widersprüchlich und illoyal“ verhalten. Klaus Dreyer weiß, dass das nicht für alle Christdemokraten gilt. „Da gibt es zwei Lager.“ Denn immerhin hat sich die Mitgliederschaft ja eigentlich für den gemeinsamen Kandidaten Linne ausgesprochen. Die eine CDU gebe es da nicht. Dass der Ex-Kandidat aufgrund von fehlender Verlässlichkeit und Ehrlichkeit innerhalb Teilen der CDU zurückgezogen hat, ist für SPD und Grüne allerdings auch eine Woche später noch eine Katastrophe.

Landesverbände wurden angesprochen

Im Interesse der Bürger der Samtgemeinde „sehen wir für uns weiterhin die Verpflichtung, dafür zu sorgen, eine geeignete Kandidatin beziehungsweise einen Kandidaten zu finden“, heißt es in der Mitteilung weiter. Er oder sie solle über Führungserfahrung in einer öffentlichen Verwaltung oder der Industrie, juristische Kenntnisse, sozial-gesellschaftlich-politisches Interesse und Engagement verfügen.

Rückblick

– 25. Juni 2020: Bürgermeister Peter Freytag kündigt an, bei der Kommunalwahl im Herbst 2021 nicht zu kandidieren. Er gibt persönliche Gründe für seine Entscheidung an.
– Sommer 2020: Die Parteien sondieren die neue Situation. Im August kündigt Robert Abel (FDP) als Fraktionssprecher an, bald „harte Fakten“ schaffen zu wollen. Es gibt Gedankenspiele, dass alle Parteien einen gemeinsamen Kandidaten suchen. 
– Herbst 2020: Eine Findungskommission der Parteien im Samtgemeinderat nimmt ihre Arbeit auf. Es wird Monate dauern, bis ein passender Kandidat gefunden wird.
– 6. Januar 2021: Sottrums Gemeindedirektor und Samtgemeinde-Amtsleiter Holger Bahrenburg verkündet seine Kandidatur. Er tritt als parteiloser Direktkandidat an.
– 28. Januar: CDU, SPD, Grüne und FDP präsentieren den Leiter des Rechnungsprüfungsamtes des Landkreises, Wolf Linne, als gemeinsamen Kandidaten.
– Februar/März 2021: SPD und Grüne nominieren jeweils offiziell Wolf Linne als ihren Kandidaten.
– 16. März: Die FDP teilt Wolf Linne mit, ihn doch nicht mehr zu unterstützen.
– 1. April: Robert Abel verkündet seine Kandidatur.
– 5. April: SPD und Grüne werfen Abel und der FDP Wortbruch vor. Die CDU sieht sich nicht mehr an den Vorschlag der Findungskommission gebunden, will zehn Tage später bei einer Mitgliederversammlung über einen Kandidaten entscheiden.
– 9. April: SPD und Grüne fordern die CDU-Mitglieder in einem offenen Brief dazu auf, für Wolf Linne zu stimmen. Linne selbst hat keine Kenntnis vom Brief.
– 15. April: Die CDU wählt ihren Kandidaten und entscheidet sich für Wolf Linne. Der aber hat zu diesem Zeitpunkt bereits entschieden, doch nicht mehr zu kandidieren.

Es gibt eine neue Findungskommission bestehend aus den Parteivorständen, man habe die Landesverbände angefunkt, ob die jemanden in petto haben. Und auch die Ortsverbandsmitglieder wurden informiert und gebeten „ihre beruflichen und privaten Netzwerke zu nutzen“, so Immenhauser. In zwei Wochen kommt die Findungskommission das nächste Mal zusammen. Ob dann bereits erste Namen auf einer Liste potenzieller Kandidaten stehen, vermögen weder Dreyer noch Immenhauser vorauszusehen. Beide sagen wenig überraschend, dass das aber schön wäre.

CDU berät sich

Gemeinsam sei man stärker, so Dreyer. Keine der beiden Parteien habe ernsthaft über einen Alleingang nachgedacht. Und die CDU? Die könne mit einem Vorschlag von SPD und Grünen „machen, was sie wolle“, meint Immenhauser. Man habe seit dem Rückzug Linnes nichts mehr von den Christdemokraten gehört. Man gliedere sie nicht in die Suche mit ein.

Man hört tatsächlich wenig von der CDU derzeit, doch die eine oder andere Krisensitzung wird es dort ebenfalls noch geben. „Wir, der CDU-Gemeindeverband Sottrum, sind aktuell dabei, die neue Situation zu bewerten. Wir werden in den nächsten Tagen in verschiedenen Sitzungen uns die Karten neu legen und besprechen, welchen Weg wir nun gehen“, teilt Verbandsvorsitzender Marvin Heinrich am Dienstagabend in einer kurzen Presseerklärung mit.

SPD-Mann Dreyer hofft, dass der Linne-Rückzug sich nicht negativ auf eine weitere Zusammenarbeit mit der CDU in der Samtgemeinde-Politik auswirkt. Wie die Fronten nun gezogen sind, könne er nicht einschätzen. Im Rathaus gebe es aber genug zu tun, dazu brauche man die CDU. Damit geht es am Donnerstag gleich los: Im nicht öffentlichen Samtgemeindeausschuss kommen dann alle Beteiligten das nächste Mal zusammen.

Kommentar: Ohne Alternativen

Durch eine Krise geht man am besten gemeinsam. Das werden sich wohl die SPD und die Grünen gedacht haben, die sich als Leidtragende des ganzen Geweses rund um den Rücktritt Wolf Linnes als Bürgermeister-Kandidat bezeichnen können. Unverschuldet stehen sie nun auf einmal wieder ohne Bewerber auf das höchste Amt der Samtgemeinde da. Und wer diese Lücke füllen soll, muss den Makel revidieren, nur die zweite Wahl zu sein. Die beiden anderen Kandidaten sind für SPD und Grüne keine Alternative: Robert Abel (FDP) hat sie mit seiner Kandidatur erst in dieses Schlamassel gebracht, den Direktkandidaten Holger Bahrenburg hat selbst die CDU den früheren „Partnern“ schon für nicht vermittelbar empfunden – so viel zu dessen Standing.

Von allen Parteien und Streitereien unbeleckt, ist Bahrenburg jedoch der große Gewinner des Hin und Hers bei der CDU, die jetzt zusehen muss, wie sie sich wieder einen seriösen Anstrich verpasst. Bahrenburg ist auch die neue Messlatte für jeden neuen Bewerber von SPD und Grüne. Sie müssen sich anstrengen, jemand Konkurrenzfähigen zu finden. Und Abel gilt es dann ja auch noch zu schlagen. 

Die SPD ist gut beraten, bei der Kandidatensuche eine Allianz mit den Grünen einzugehen. Diese haben auf allen Ebenen guten Grund, selbstbewusst zu sein, und blasen auch in der Kommunalpolitik zur Attacke. In der Samtgemeinde Sottrum sind sie bei weitem die aktivsten Wahlkämpfer, machen Angebote, um an Stimmen zu kommen. Die Sozialdemokraten müssen aber aufpassen, dass sie im Schatten dieser Grünen nicht verblassen und eigene Angebote und ein eigenes Profil entwickeln. Sonst wird aus dem stolzen SPD-Ortsverein schnell ein klassischer Juniorpartner. Matthias Röhrs

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