Fragen und Antworten

Samtgemeinde Sottrum sortiert sich für Solarparks

Ein Solarfeld
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Investoren wollen große Solarparks in die Samtgemeinde bringen. Wo es wirtschaftlich Sinn ergibt, hat sie nun analysieren lassen.

Die Sonne scheint in der Samtgemeinde Sottrum mehr oder weniger gleichmäßig. Doch für neue Solarparks sind nicht alle Standorte gleich interessant. Nun gibt es eine Analyse, die die wirtschaftlich besten Flächen herausgearbeitet hat.

Sottrum – Mehrere Anfragen gibt es aktuell an die Samtgemeinde Sottrum, in denen Investoren Freiland-Solaranlagen errichten möchten. Die Verwaltung hat daher eine Potenzialflächenanalyse in Auftrag gegeben, die sie nun im Ausschuss für Klimaschutz, Umwelt, Planung, Wirtschaft und Verkehr des Samtgemeinderates vorstellte. Der Ausschuss hat dabei empfohlen, mehrere hundert Hektar als mögliche Flächen aufzunehmen. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wozu braucht die Samtgemeinde eine Potenzialflächenanalyse für Freiland-Solarflächen?

Letzten Endes ist die Samtgemeinde nicht die alleinige Entscheidungsträgerin, ob eine Anlage gebaut wird oder nicht. Zuständig sind die Gemeinden, die sind aber von einem Flächennutzungsplan abhängig, bei dem wiederum die Samtgemeinde im Boot ist. Sie selbst hat dabei eigene Interessen: Laut Bürgermeister Holger Bahrenburg wolle man „Wildwuchs“ vermeiden und Argumente pro und contra von Standorten sammeln. Die Analyse zeigt auf, wo sich Anlagen besonders gut eignen. Man wolle die „Ansiedlung der Anlagen räumlich in sinnvolle Bahnen lenken“, so Falco Richter vom Büro „Cappel + Kranzhoff“, das die Analyse erstellt hat.

Wie verbindlich ist die Analyse?

Gar nicht, es ist tatsächlich als Analyse gedacht. „Es ist eine Grundlage, um Anträge für Anlagen besser beurteilen zu können – passte es oder passt es nicht?“, so Bahrenburg. Es gehe um Transparenz, welche Flächen sich eigenen und warum.

Was für Anlagen sind konkret angedacht?

Zunächst einmal: Es geht in der Analyse weniger darum, wo häufig die Sonne scheint, sondern an welchen Standorten eine Anlage wirtschaftlich sinnvoll ist. Die Analyse hat sich einige Flächen besonders angeschaut, für die es bereits konkrete Pläne für Solarparks gibt. Sie sind zwischen 3,5 und 22,5 Hektar groß, und die meisten von ihnen eigenen sich nach der Einschätzung von „Cappel + Kranzhoff“ tatsächlich gut bis sehr gut. Sie liegen etwa entlang der Autobahn 1 in der Gemeinde Reeßum. An Autobahnen und Eisenbahn-Trassen sind in einem Korridor von 200 Metern besonders EEG-förderfähige Flächen. Es ist also nicht verwunderlich, dass die anderen Projekte entlang Schienen liegen – östlich von Ahausen und Eversen sowie nördlich von Bötersen und Höperhöfen. Eine Fläche bei Bötersen wird aber als eher schlecht geeignet angesehen. Erstmal nicht berücksichtigt: zwei Anlagen in Hassendorf, für die laut Bürgermeister Bahrenburg Anfragen vorliegen.

Wie viel Fläche kann in Zukunft mit Solaranlagen bebaut werden?

Die Analyse hat rund 207 Hektar ausgemacht, auf denen sich eine Anlage sehr gut eignet. Etwa, weil die Flächen (teils) sehr gut förderfähig sind, aber auch nicht in Konkurrenz mit anderen Nutzungen stehen. Klassische Standorte sind entlang der Autobahn 1 und an den Bahnstrecken Rotenburg-Zeven und Rotenburg-Verden.

Wird das jetzt alles bebaut?

Nein. In Relation gesetzt, bilden diese 207 Hektar rund 1,19 Prozent der Samtgemeindefläche ab. Kleiner Einschub: Niedersachsen möchte bis 2040 Solaranlagen mit einer Leistung von 65 Gigawatt errichtet haben (derzeit sind es 4,6 Gigawatt). Möchte die Samtgemeinde ihren Anteil erfüllen, müssten auf ihrem Gebiet, so hat das Büro „Cappel + Kranzhoff“ ausgerechnet, 75 Hektar Solaranlagen entstehen. Das muss nicht zwangsläufig auf Freiflächen geschehen. Doch auf Dächern großer Hallen ist das zwar möglich, aber in einer nennenswerten Größenordnung unrealistisch. Momentan gibt es auf Samtgemeindegebiet übrigens nur eine Freiland-Solaranlage. Sie steht in Hassendorf an der Bahntrasse Hamburg-Bremen und ist rund 9,67 Hektar groß. Die in der Analyse konkret betrachteten Vorhaben kommen zusammen auf rund 60 Hektar, die sich sehr gut für Solarparks eignen. Die Samtgemeinde wähnt sich also auf einen guten Weg für das 75-Hektar-Ziel.

Welche Kritik gibt es in dieser Sache?

Ursprünglich war angedacht, mit diesen 60 Hektar mehr oder weniger konkret geplanten Solaranlagen in die Änderung des Flächennutzungsplans zu gehen. Nach einem Antrag der Grünen-Fraktion sind es nun die rund 207 als Priorität 1 und 1b eingestuften Hektar. Bürgermeister Bahrenburg warnt aber: „Wie Windräder ist auch Photovoltaik eine Beeinträchtigung der Gesamtlandschaft. Das muss man wissen.“ Ratsherr Robert Abel (FDP) traut den Gemeinden in diesem Zusammenhang aber zu, dass sie nichts gegen den Willen der Bevölkerung überstülpen werde. Ein „Wildwuchs“, wie befürchtet, sei nicht zu erwarten. Hans-Jürgen Brandt (SPD) hatte den Hinweis, dass die Analyse nichts über die Armortirsierung der Anlagen aussagt. Angesprochen wurde auch die Unfairness, dass manche Gemeinden mehr Flächen haben, die sich gut für einen Solarpark eignen als andere, die teilweise auch gar keine haben.

Wie geht es weiter?

Das Verfahren beginnt jetzt und es wird eine ganze Weile dauern. Zunächst will sich die Samtgemeinde-Verwaltung mit den betroffenen Mitgliedsgemeinden zur Planungsabsicht besprechen. Diese müssen ohnehin noch jeweils Bebauungspläne aufstellen, ehe die Solarparks entstehen. Im Rathaus geht man davon aus, dass die Änderung des Flächennutzungsplanes in einem Jahr beschlussfähig ist. Bis die Solarparks kommen, kann es also noch dauern.

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