Kommunalwahl im Herbst

Robert Abel will Sottrumer Samtgemeinde-Bürgermeister werden

Robert Abel (POP/FDP) kandidiert als Samtgemeinde-Bürgermeister in Sottrum.
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Robert Abel (POP/FDP) kandidiert als Samtgemeinde-Bürgermeister in Sottrum.

Robert Abel ist der dritte Bürgermeister-Kandidat in der Samtgemeinde Sottrum. Dabei hat der Ahauser einen seiner Konkurrenten selbst mit ausgesucht.

Ahausen – Mit Robert Abel aus Ahausen steigt ein dritter Kandidat ins Rennen um das Samtgemeinde-Bürgermeisteramt in Sottrum ein. Unterstützt von seiner Partei, der FDP, wird er sich aller Voraussicht nach als Direktkandidat aufstellen lassen. Das ist bemerkenswert, weil Abel und die FDP am Auswahlprozess von Wolf Linne beteiligt waren. Der Leiter des Rechnungsprüfungsamts sollte ursprünglich von allen Parteien im Samtgemeinderat nominiert werden.

Doch nach der gemeinsamen Entscheidung geriet man bei den Liberalen ins Grübeln. Die Arbeit der damaligen Findungskommission, die Abel einst selbst mit angestoßen hatte, sei fehlerhaft gewesen, räumt er jetzt im Gespräch mit der Kreiszeitung ein. Sie habe einen falschen Fokus gelegt, sich zu sehr an den Bedürfnissen der Lokalpolitik und der Verwaltung orientiert, man habe sich abgekoppelt von den Bedürfnissen der Samtgemeinde. Das kreidet er sich auch selbst an, spricht von „sich andeutender Betriebsblindheit“. Linne sei damals trotzdem der mir „Abstand beste Bewerber“ gewesen. Somit wolle Abel seine Kandidatur auch nicht gegen ihn verstanden wissen, sondern „gegen die verwaltungszentrierte Sicht auf das Samtgemeinde-Bürgermeisteramt“.

FDP will nicht nur Verwaltungsleute auf der Kandidatenliste

Dass Anfang Januar auch noch Holger Bahrenburg, Amtsleiter im Rathaus und Sottrums Gemeindedirektor, seine Kandidatur für dieses Amt bekannt gegeben hat, tat sein Übriges. Die FDP habe verhindern wollen, dass nur Verwaltungsleute auf der Kandidatenliste stehen. „Das wollten wir gar nicht haben“, sagt Abel. Linne habe zwar auch mal in der freien Wirtschaft gearbeitet, sei dort jedoch nie der Stratege für eine Neuausrichtung gewesen, wie sie die Samtgemeinde brauche. Mit diesen neuen Erkenntnissen erstellten die Liberalen Abel zufolge ein Profil, was ein Bürgermeister mitbringen muss. Das habe man auch den anderen Parteien zugesandt, um die eigenen Bedenken mitzuteilen. Am Ende sei es seine Frau Christine gewesen, so Abel, die ihn in diesem Profil wiedererkannt hat.

Der Gedanke einer eigenen Kandidatur war geboren. Abel ist übrigens der Schwiegersohn des verstorbenen, langjährigen Ahauser Gemeindebürgermeisters Bernhard Hasselhoff. Abel spricht von Elfenbeintürmen. In der Findungskommission sei man von der Realität abgekehrt. Hinterher sei ihm aufgefallen, dass die beteiligten Akteure verschiedene Motivationen hatten. Da habe es eine Gruppe gegeben, die unbedingt die Jahresabschlüsse fertig haben und die Verwaltung auf Vordermann bringen wollte. Die andere Gruppe, zu dieser zählt er sich selbst, habe einen ganzheitlichen Blick gehabt.

„Wenn jemand sein Leben in einer Verwaltung verbracht hat, ist das für eine strategische Analyse eher schlecht“, lässt sich Abel zu einem Seitenhieb Richtung Holger Bahrenburg hinreißen. Man habe dann immer einen Verwaltungsblick. Was es aus seiner Sicht aber braucht, ist Sachpolitik. „Ich sehe im Moment auch keinen politischen Samtgemeinde-Bürgermeister: Keinen, der Strategien hat, der zuhört, mit den Gruppierungen redet, Engagement in den Verbänden zeigt.“ Das Entwicklungskonzept „Sottrum 2030“ hätte es auf Samtgemeinde-Ebene geben müssen, es müsse auf dieser Ebene eine gemeinsame Wirtschaftsförderung her. Themen wie Wohnbauentwicklung – auch auf den Dörfern – und Schulen möchte Abel ebenfalls angehen.

CDU-Basis soll jetzt neu entscheiden

Abel hat sich bereits am Mittwoch dem CDU-Vorstand vorgestellt. Eigentlich hatten sich die Christdemokraten bereits für Wolf Linne ausgesprochen. „Dadurch, dass die FDP sich aus der Idee des gemeinsamen Kandidaten zurückgezogen hat, sind ursprüngliche Absprachen so nicht mehr gegeben. Wir als Vorstand der CDU haben uns entschieden, die Situation neu zu bewerten. Wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass wir unsere Mitglieder frei entscheiden lassen, wen wir unterstützen wollen“, so der Ortsvereinsvorsitzende der Christdemokraten, Marvin Heinrich, auf Nachfrage. Dementsprechend würden sich alle drei Kandidaten den Mitgliedern präsentieren dürfen. „Welchen Weg wir gehen, lassen wir somit die Basis entscheiden“, so Heinrich weiter. Abel gibt an, alle Sottrumer Parteien informiert zu haben. Auch Wolf Linne sei darüber in Kenntnis gesetzt worden, dass die FDP ihn doch nicht unterstützt.

Abel ist 57 Jahre alt und hat eine Tochter. Er ist im niederbayerischen Straubing geboren worden und kam der Liebe wegen nach Ahausen. Seit zehn Jahren sitzt er dort im Gemeinderat, gründete den Verein Politik ohne Partei (POP). Ebenso lange hat er ein Mandat im Samtgemeinderat. 2019 rückte er bei der FDP im Kreistag für den ins Europaparlament gewechselten Jan-Christoph Oetjen nach. Für alle Mandate will er sich im Herbst wieder bewerben. Abel ist Projektleiter in einem Verlag, als Hobbys nennt er Malen und Zeichnen sowie Freilandschweine.

Kommentar: Die FDP steht nicht alleine da

Eigentlich war abgemacht, dass die FDP mit CDU, SPD und Grünen einen gemeinsamen Kandidaten nominiert – nämlich den Chef des Rechnungsprüfungsamts Wolf Linne. Die Liberalen waren am Auswahlprozess beteiligt, verweigern nun aber die Unterstützung und geben diese lieber jemanden aus den eigenen Reihen: Robert Abel. Dabei hatte Linne einst die Unterstützung aller Parteien im Rat zur Voraussetzung seiner Kandidatur gemacht. Es bleibt abzuwarten, ob er weitermacht oder die Segel streicht. Leichter ist es für den Unterstedter jetzt nicht.

Die FDP scheint daran zu Zweifeln, dass Linne tatsächlich die Wahl gewinnt. Damit steht sie nicht alleine da, immerhin ist er bislang eigentlich nur damit aufgefallen, nicht auffallen zu wollen. Da die FDP aber auch alles andere als ein Fanclub des anderen Bewerbers, Holger Bahrenburg, ist, musste sie nun selbst vorpreschen. Überraschend kommt Abels Kandidatur nicht. Schon länger rumort es in dieser Richtung. Und bereits bei der Vorstellung Linnes hielt es von der FDP niemand für notwendig, etwas zu sagen. Vom Führungspersonal war noch nicht einmal jemand erschienen.

Natürlich war die Abmachung der Sottrumer Parteien nicht bindend, und es ist gutes Recht der Liberalen, einen eigenen Mann zu nominieren – ein Beigeschmack aber bleibt. Nun liegt es an CDU, SPD und Grüne, wie sie diese neue Lage bewerten. Nur die FDP außerhalb des „Lagers Linne“ kann ihr immer noch offiziell nominierter Kandidat verschmerzen. Denkt aber nur eine Partei ebenfalls um, wäre die Wahl für den Unterstedter im Prinzip schon gelaufen. Und Robert Abel muss den Wählern dann zeigen, dass seine Kandidatur mehr ist als aus der Not heraus geboren. Matthias Röhrs

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