Familie fühlt sich missachtet

Zu Rewe hin und wieder zurück: Sottrumer leiden unter nächtlichem Lkw-Verkehr

Der Gully ist nach mehren Lkw-Ausweichmanövern im Begegnungsverkehr völlig schief, ist der Familie Brancato aufgefallen. Sie leidet unter dem Verkehr an der Alten Dorfstraße, seit Rewe das Kühllager aufgemacht hat.
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Der Gully ist nach mehren Lkw-Ausweichmanövern im Begegnungsverkehr völlig schief, ist der Familie Brancato aufgefallen. Sie leidet unter dem Verkehr an der Alten Dorfstraße, seit Rewe das Kühllager aufgemacht hat.

Sottrum – In der Familie Brancato kann sich niemand erinnern, wann er oder sie das letzte Mal die Nacht durchgeschlafen hat. Wie auch? Kurz nach Mitternacht geht es los, bis in den frühen Vormittag hinein heizen die Lkw zum und vom Rewe-Kühllager an der Autobahn an ihren Häusern vorbei, ehe es zum Mittag hin wieder etwas ruhiger wird. Seit Betriebsstart fordern sie seit Monaten bessere Lösungen für den Verkehr. Damit sind sie nicht alleine in Sottrum. Doch von der Verwaltung und der Politik fühlen sie sich unerhört, vernachlässigt, wenn nicht sogar missachtet.

Es ist ein bunter, gut gepflegter Garten den Käte, Angelo und Sandro Brancato sowie dessen Frau haben. Auch Käte Brancatos Schwester Marianne Rechten ist an diesem Vormittag vorbeigekommen. Sie wohnt gegenüber, im denkmalgeschützten Elternhaus der beiden Geschwister. „Wir sind total am Ende“, wird sie im Verlauf des Gespräches bekennen. Von Weitem hört man ein Rauschen näherkommen, dann braust der Lkw vorbei. „Als Kind habe ich noch auf der Straße gespielt, jetzt muss man genau aufpassen, wenn man über die Straße geht“, sagt Sandro Brancato.

Schon in der vierten Generation, erzählt Käte Brancato, lebt ihre Familie hier am unteren Ende der Alten Dorfstraße. Das ist nicht in Sottrum selbst, sondern in der Nähe der Bundesstraße 75. Walachei nennen die Brancatos diese Exklave auf der anderen Seite des Gewerbegebietes. Zum Dorf Sottrum, in dem sie laut Ortsschild an der großen Kreuzung der Bundesstraße offiziell leben, fühlen sie sich nicht zugehörig.

Alte Dorfstraße einzige offizielle Zufahrt zum Gewerbegebiet

Die Alte Dorfstraße ist die einzige offizielle Zufahrt zum Gewerbegebiet an der Autobahn. Sandro Brancato erinnert sich: Ursprünglich sollten sich nur kleine Betriebe dort ansiedeln, so wurde es von der Gemeinde kolportiert. Es kam anders: Nachdem das Gewerbegebiet lange brach lag, kam das große Rewe-Lager, das wegen des hohen Verkehrsaufkommens auch an anderen Stellen in Sottrum ganz und gar kein gern gesehener Nachbar ist. Der Lkw-Verkehr für Rewe ist in der Hauptsache nachts, die Brancatos befürchten nun, dass sie mit Inspirion, das aktuell ein großes Lager an der Autobahn baut, nun auch tagsüber keine Ruhe finden werden. Aktuell fahre in „Spitzenzeiten“ alle drei Minuten ein Lkw vorbei, so die Familie. Feldstraße, Neuenlander Weg, dort leiden die Anwohner unter dem Verkehr und machen entsprechend Druck. Hier am unteren Ende der Alten Dorfstraße schaut niemand hin. Die Familie fühlt sich als Bürger zweiter Klasse.

„Als Rewe kam, sagte die Gemeinde zu uns: ,Das wird schon‘“, sagt Sandro Brancato. Doch nichts wurde, aus seiner Perspektive ein großer Irrtum. Stattdessen wackeln in seiner Wohnung Geschirr und Spiegel, wenn ein Lkw vorbeifährt, die Fahrer pinkeln auf ihr Grundstück, es gibt jetzt Abgase sowie Feinstaub, und Marianne Rechten bekommt nun regelmäßig Kopfschmerzen. Als die Autobahn ausgebaut wurde, bekamen die Anwohner wenigstens neue, dickere Fenster und eine Lüftung als Ausgleich. Autobahn 1 und Bundesstraße 75 höre man eh kaum.

Kreisverkehr im Verlauf der Straße eine gern gesehene Lösung

Für die fünf Haushalte an dieser Ecke gibt es eigentlich nur eine Lösung. Die Idee, die Kreuzung aufzulösen und stattdessen einige hundert Meter weiter Richtung Sottrum einen Kreisverkehr zu errichten, und das Gewerbegebiet mit einer neuen Straße zu erschließen, stößt bei den Brancatos auf Gegenlieben. Und bei Sottrums Bürgermeister Hans-Jürgen Krahn (CDU) auch: „Für Sottrum ist das die beste Lösung.“ Seiner Meinung nach könne nur eine große Lösung an dieser Stelle helfen. „Aber das ist ein Projekt, das nicht von heute auf morgen geht. Das dauert einige Jahre.“ Man sei in Gesprächen.

Wegen der Bundesstraße ist auch die Straßenbaubehörde Niedersachsens involviert. Die soll laut Krahn im Rathaus immerhin schon signalisiert haben, dass die Behörde die Ampeln an der Kreuzung weghaben möchte. „Es gab Andeutungen.“ Denn auch für die Straßenbaubehörde wird Kreuzung langsam zu einem Problem. Sie befürchtet nämlich Rückstaus auf die Autobahn über die Nahe Anschlussstelle Stuckenborstel.

Er habe vollstes Verständnis für die Probleme der Brancatos, ihm sei bewusst, dass sie sich vernachlässigt fühlen, so Krahn weiter. Man mache sich Gedanken. Die drei Problembereiche Neuenlander Weg, Alte Dorfstraße unten wie oben und Feldstraße müsse man Schritt für Schritt angehen. Der erste sei, überhaupt erst einmal einen Plan aufzustellen. Das wird die Brancatos nicht trösten. Käte Brancato geht von zehn Jahren aus. Viel werde sie dann nicht mehr davon haben. Die Häuser verkaufen wollen sie nicht. Unter diesen Umständen hätten sie eh kaum noch einen Wert – außer ihren emotionalen.

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