Neujahrsempfang der Grünen / Thema: Umweltbelastung durch Kunststoffe

„2050 genauso viel Plastik im Meer wie Fisch“

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Der Meeresbiologe Lars von Gutow erläutert die Plastikonzentration in der Nordsee.

Sottrum – „Fahret fort, um euren Berg zu verseuchen und im eigenen Müll zu ersaufen“, zitierte Sabine Holsten als neue Kreissprecherin der Grünen aus einer Rede des Häuptlings Seattle zum Einstieg beim Neujahrsempfang der Partei im Sottrumer Gasthaus Röhrs. In den Beiträgen ging es rund um die Belastung der Umwelt mit Plastikmüll, mit dem Fokus auf die Weltmeere. Der fachlich fundierte Vortrag des Meeresbiologen Dr. Lars Gutow vom Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven lockte sogar Parteifreunde aus Bremen nach Sottrum in den restlos gefüllten Saal.

Bei seiner Begrüßung forderte der Ortsverbandsvorsitzende Lühr Klee mit einem Zitat aus dem Buch des Parteisvorsitzenden Robert Habeck die Grünen auf, „mehr Bereitschaft zum Optimismus“ zu zeigen.

Diese Forderung konnte Fachmann Gutow in seinem Ausblick allerdings nicht teilen. „Wenn wir so weiter machen, haben wir 2050 genauso viel Plastik im Meer wie Fisch“, zog er das Fazit zu einer Studie. Denn bei einer jährlichen Müllproduktion von zwei Milliarden Tonnen werde ein Drittel nicht umweltgerecht entsorgt, was zu einem Zuwachs der Kunststoffmenge von heute 150 Millionen Tonnen auf bis zu 950 Millionen Tonnen in 2050 führe.

Nicht nur die globalen Zusammenhänge zeigte Gutow durch den Plastikmüll in den Ozeanen auf, sondern auch die direkten Auswirkungen auf die heimische Nordsee stellte er eindrucksvoll vor. „Überall begegnen wir auf unseren Forschungsreisen Plastikmüll“, so der Meeresbiologe. Durchschnittlich 30 Objekte pro Quadratkilometer an der Oberfläche und 1 200 Objekte pro Quadratkilometer im Meeresboden konnten in der Deutschen Bucht gemessen werden.

Volles Haus bei den Grünen zum Neujahsrempfang des Kreisverbands. 

Außerdem erläuterte er die Entstehung des gefährlichen Mikroplastiks durch UV-Strahlung und Wellenschlag. Dadurch gelangten giftigen Additive wie Flammschutzmittel, UV-Stabilisatoren und Weichmacher direkt in die Nahrungskette und lande auf dem Tisch, weil Hering, Kaisergranat und Miesmuscheln diese Stoffe aufnähmen. Unter anderem bezifferte er die negativen wirtschaftlichen Auswirkungen auf jährlich 560 Millionen Euro im Tourismus und 74 Millionen Euro in der Fischerei per anno.

„Dieses Material ist überall um uns herum und wir Menschen nehmen es sogar über die Luft auf“, resümierte und forderte ein Umdenken bei der Verwendung der Kunststoffe. Diese Forderungen unterstützten auch viele der sehr zahlreichen Wortmeldungen bei der anschließenden Diskussion.

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