„Nicht entspannt, aber besonnen“

K&S-Vorstand Ulrich Krantz zur Corona-Situation in Pflegeheimen

Dr. Ulrich Krantz

Sottrum – Ausnahmezustand herrscht Corona-bedingt aktuell überall. Das gilt insbesondere auch für die Senioren- und Pflegeheime, in denen besonders viele Mitglieder der sogenannten Risikogruppe leben. Vorsicht lässt auch die K&S-Gruppe walten, die von Sottrum aus mehr als 30 Seniorenheime führt. Dennoch wurde bei einem Bewohner einer Einrichtung in Zirndorf in Bayern am vergangenen Wochenende das Coronavirus nachgewiesen. Er wird im Krankenhaus behandelt, die anderen Bewohner und die Mitarbeiter sind laut Unternehmen ohne Symptome. Wie arbeitet K&S angesichts der Pandemie? Wie schützt es Bewohner und Mitarbeiter? Und was passiert, wenn der schlimmste Fall eintritt? Wir haben Vorstand Dr. Ulrich Krantz dazu befragt.

Herr Krantz, Senioren sind besonders stark gefährdet, sich mit Covid-19 zu infizieren. Vor einigen Tagen sind beispielsweise gleich 17 Personen in einem Wolfsburger Heim gestorben. Wie genau beobachtet ein Unternehmen wie K&S die Situation dort?

Sehr genau. In erster Linie, um für uns Rückschlüsse ziehen und gemeinsam mit unserem Betriebsarzt neue Maßnahmen erarbeiten zu können. Nachdem die ersten Fälle in einem Würzburger Pflegeheim bekannt wurden, haben wir dort umgehend angefragt, um Erfahrungswerte zu erhalten. Die Informationen aus diesem Pflegeheim haben nach dem intensiven Austausch mit unserem Betriebsarzt dazu geführt, dass wir nun täglich zweimal bei unseren Bewohnern Fieber messen.

Können sich Pflegeeinrichtungen überhaupt auf eine Epidemie oder eine Pandemie vorbereiten?

Einrichtungen wie Krankenhäuser und Pflegeheime sind verpflichtet, im Ernstfall eigene Pandemiepläne vorliegen zu haben. In den Seniorenresidenzen der K&S-Gruppe werden sämtliche Planungen und Handlungen vor dem Hintergrund unseres betriebseigenen Pandemieplans umgesetzt und lageabhängig ergänzt. Dabei werden auch Empfehlungen des BPA (Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste) und des Robert-Koch-Instituts hinzugezogen. Im Pandemie-Plan finden sich beispielsweise die Organisation des Personals und der pflegerischen sowie medizinischen Versorgung, der Schutz für die Mitarbeiter und im Weiteren auch der Umgang mit erkrankten Bewohnern. Ebenfalls darin verankert ist die Kommunikation intern, mit Behörden und Ämtern sowie mit Angehörigen und Betreuern, für die wir derzeit zum Beispiel einen E-Mail-Newsletter umsetzen, um sie mit Aktuellem aus den Residenzen zu versorgen.

Dicht ist auch das Sottrumer Seniorenheim von K&S. Angehörige dürfen die Bewohner wegen des Coronavirus nicht besuchen. Man hat etwa mit einer App andere Wege für die Kommunikation „nach draußen“ gefunden. Fotos: K&S-Gruppe/Holsten-Körner

Gibt es einen Krisenstab? Wie arbeitet der aktuell?

Seit Wochen gibt es bei K&S eine Interventionsgruppe, die sich überregional regelmäßig via Telefonkonferenzen unter der Leitung des Vorstandsvorsitzenden zur aktuellen Lage austauscht. Die Mitglieder sind Führungskräfte unter anderem aus den Bereichen stationäre und ambulante Pflege, Qualitätsmanagement, Personal, Logistik und Kommunikation.

Inwieweit unterscheidet sich aus Ihrer Sicht die aktuelle Corona-Lage von anderen, vielleicht vergleichbaren Lagen? Etwa einer Grippewelle ...

Die Situation ist für alle neu, sowohl für den Staat, das Gesundheitssystem und die Allgemeinbevölkerung. Und da dieses Virus erst seit drei Monaten bekannt ist, ist es schwer, die Situation einzuschätzen. Eine Grippe tritt beispielsweise jedes Jahr auf. Dieses Virus, das die erste Pandemie seit zehn Jahren auslöste, ist eine ganz neue Herausforderung, da es sich sehr schnell überträgt und derzeit keine therapeutischen Mittel wie Medikamente oder Impfstoffe verfügbar sind. Zudem erschwert die globale Ausbreitung auch die Versorgung mit Schutzausrüstung, die im Notfall benötigt wird.

Wie ist die Stimmung in Ihren Einrichtungen?

Die Stimmung ist angesichts der uns alle betreffenden Gefährdungslage nicht entspannt, aber besonnen. Wir erleben in vielen Häusern einen großen Zusammenhalt und viel Solidarität unter den Mitarbeitern. Sehr wichtig ist uns eine gute interne Kommunikation, die alle Mitarbeiter an allen Standorten über die eingeleiteten Maßnahmen und vorhandene Mittel zur Unterstützung vor Ort informiert.

Wie hält man die Bewohner jetzt „bei Laune“?

Da gibt es verschiedene Ansätze. Um die vorübergehende Trennung von den Angehörigen – soweit dies überhaupt möglich ist – zu kompensieren, bieten wir in unseren Häusern die Möglichkeit der Videotelefonie an, außerdem können Angehörige unseren Senioren via unserer Hallo-Oma-App Fotos und Nachrichten schicken, die wir dann ausgedruckt überreichen beziehungsweise vorlesen. In unserer Seniorenresidenz Buxtehude werden Videonachrichten von Angehörigen über den hauseigenen TV-Kanal ausgestrahlt, das Team in Marsberg zeigt Andachten via Youtube auf einem Smart-TV, und es gab schon verschiedene „Balkonkonzerte“, beispielsweise in Rodgau und Torgau, auch an einem Gottesdienst konnten die Bewohner der Residenz in Rodgau vom Balkon aus teilnehmen. Dazu finden weiterhin Aktivitäten in Kleingruppen statt und auch „von draußen“ kommen ganz tolle Aufmunterungen – nicht nur von Enkeln, die mit Kreide Grüße an ihre Oma auf den Parkplatz schreiben, sondern auch selbstgemalte Bilder von Kindern aus der Nachbarschaft. Unser Facebook-Seite ist derzeit voll davon und zeigt den großen Zusammenhalt und das Bemühen aller, gut durch diese Zeit zu kommen und Senioren und Mitarbeitern ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.

Darf man seine Angehörigen noch besuchen?

Nein. Nur im absoluten Notfall, zum Beispiel zum Abschiednehmen, können unter besonderen Voraussetzungen Besuchszeiten mit den jeweiligen Residenzleitungen vereinbart werden.

Angenommen, eine Bewohnerin oder ein Bewohner infiziert sich mit dem Coronavirus: Was passiert in der betroffenen Einrichtung? Was steht im Notfallplan?

Unser oberstes Ziel ist es natürlich, zu vermeiden, dass das Virus in unsere Seniorenresidenzen gelangt, daher setzen wir auf präventive Maßnahmen wie das Besuchsverbot, strenge hygienische Vorgaben und die konsequente Kontrolle unserer Bewohner mittels Fiebermessen und „Geruchstest“, den wir auch zweimal am Tag durchführen. Wir wollen so früh wie möglich bemerken, ob einer unserer Bewohner erkrankt ist. Für Verdachtsfälle haben wir Isolationsbereiche in den Häusern eingerichtet, in denen die Senioren untergebracht sind, bis das Testergebnis vorliegt. Es gibt eine interne Meldekette und einen engen Austausch mit dem zuständigen Gesundheitsamt, mit dem wir abstimmen, wie in den jeweiligen Einzelfällen reagiert wird.

Haben Sie den Mitarbeitern besondere Handlungsanweisungen mitgegeben? Wie sind diese auf die Situation mittlerweile vorbereitet?

Unsere Mitarbeiter sind sich bewusst, dass sie in einem sensiblen und „verletzlichen“ Umfeld arbeiten. In den Häusern werden sie stets nach den aktuellen Hygieneanweisungen geschult. Und im Hinblick auf ihr Privatleben weisen wir immer wieder auf ihre Verantwortung hin, auch in ihrer Freizeit achtsam zu sein und die empfohlenen Hygienemaßnahmen und Verhaltensregeln strengstens einzuhalten.

Wie stellen Sie deren Gesundheit sicher?

Es finden immer wieder Hygieneschulungen statt, und alle Mitarbeiter im direkten Patientenkontakt tragen Handschuhe sowie einen waschbaren Mund-Nasen-Schutz. Zur Versorgung von Corona-Verdachtsfällen sind in allen Häusern Isolierstationen eingerichtet, von anderen Bereichen durch eine Schleuse getrennt, in der die Mitarbeiter in die Schutzausrüstung wechseln, zu der auch die vor Viren schützende FFP2-Maske gehört.

Lässt sich eine Situation wie in Wolfsburg überhaupt vermeiden? Wie sicher ist eine Pflegeeinrichtung in diesen Zeiten?

Der Umgang mit dieser unser aller Leben derzeit bestimmenden Krankheit hat viele Unbekannte. Was wir unseren Bewohnern, deren Angehörigen und unseren Mitarbeitern versichern können, ist die von Beginn an sorgfältige Umsetzung aller Richtlinien zum SARS-Cov-2 Infektionsschutz. Zudem ermöglicht die ressort- und standortübergreifende Zusammenarbeit der Interventionsgruppe eine schnelle Anpassung und Koordination weiterer Maßnahmen, zum Beispiel die Verstärkung des Personals. Grundsätzlich ist eine Seniorenresidenz bei Einhaltung aller Hygienemaßnahmen ein sicherer Ort – solange es vermieden wird, dass etwas von außen reingetragen wird.

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