Ende eines „eisernen Prinzips“?

Drei größere Wohnbauprojekte für Sottrum im Gespräch

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Der Anfang eines Paradigmenwechsels oder doch ein Einzelfall? Der Verwaltungsausschuss berät darüber, ob es zukünftig weitere Mehrfamilienhäuser wie an der Großen Straße geben soll.

Sottrum - Von Matthias Röhrs. Der Wohnungsbau in Sottrum steht möglicherweise vor weitreichenden Veränderungen. Weitere Mehrfamilienhäuser können in Zukunft in der Wieste-Gemeinde entstehen. Das verändert den Ort nicht nur architektonisch, sondern auch den Wohnungsmarkt an sich. Den Grünen in der Gemeinde bereitet das Sorgen. Sie befürchten, dass geringer verdienende Menschen hinten anstehen.

Sottrum unterliegt einer „enormen dynamischen Entwicklung“, sagt Ratsherr Lühr Klee. Der Ort sei stark gewachsen und so werde es auch weitergehen. Das an sich ist auch für die Grünen nichts Schlimmes. Ihnen geht es ums „Wie“. Denn die Gemeinde ist ihrer Ansicht nach dabei, ein „eisernes Prinzip“ nach und nach aufzugeben. „Bisher war es immer so, dass die Gemeinde ein Baugebiet erschließt und Grundstücke dann direkt günstig an Bauherren verkauft“, so Klee. Die Grundstücke kauft sie in der Regel vorher den früheren Besitzern ab, nach der Erschließung folgt der Weiterverkauf.

Die ersten Abweichungen von diesem Verfahren gibt es schon, und es deuten sich mehr an. Mittlerweile dringen immer mehr Investoren auf den Markt – mit privatwirtschaftlichen Interessen. Die drei Mehrfamilienhäuser etwa an der Ecke Große Straße/Lange Gasse/Am Meyerhofe: ein Anfang. Oder wie es Klee formuliert: „Ein Tabubruch“, selbst der Begriff „bevorstehender Paradigmenwechsel“ fällt.

Konkret geht es jetzt um drei ähnliche Projekte von Gesellschaftern und Privatpersonen, die am Montag im nicht-öffentlichen Verwaltungsausschuss vorstellig werden sollen. Gemeindedirektor Holger Bahrenburg bestätigt, dass es derartige Bestrebungen in Sottrum gibt. Mehrfamilienhäuser sind ohne entsprechenden Bebauungsplan nicht zulässig. Diesen soll der Verwaltungsausschuss nun für die drei Projekte auf den Weg bringen – allerdings halt unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Daran stören sich die Grünen. „Die Pläne verändern das Ortsbild. Das wirkt sich auf alle aus“, sagt Marlis Musfeldt. „Wir finden es bedenklich, dass die Diskussion ohne Öffentlichkeit passiert“, sagt Heike Stäcker. Wo genau die Investoren in Sottrum bauen wollen, sagt Bahrenburg nicht.

Keine grundsätzliche Ablehnung

Dabei sperrt man sich nicht grundsätzlich gegen Gesellschaften, die Mehrfamilienhäuser bauen wollen, wie Stäcker betont. Allerdings würden die Projekte lediglich das hochpreisige Segment bedienen, da dieses mehr Rendite verspricht. Geringerverdienende blieben außen vor. Daher haben die Grünen einen Antrag gestellt, dass die Gemeinde den Bau bezahlbarer Mietwohnungen unterstützt. Der soll bei der nächsten Sitzung am Montag, 24. September, von 19 Uhr an im Rathaus zur Sprache kommen. Auch wenn es nicht um Sozialwohnungen direkt gehe, so Stäcker, die Gemeinde trage aber die Verantwortung, dass Bürger mit niedrigeren Einkommen ebenfalls eine bezahlbare Wohnung haben. Zumal die Mietpreise mittlerweile nicht nur in den größeren Städten, sondern auch in den Mittelzentren steigen.

Die Grünen befürchten, dass die Gemeinde die Kontrolle über die eigene Entwicklung leichtfertig aus der Hand gibt, wenn sie sich unbedacht Investoren öffnet. Etwas, das mit der bisherigen Verfahrensweise, dem direkten Verkauf von Bauland an Bauherren, nicht passieren könne. „Man hat mehr Kontrolle, wenn Dritte wegfallen“, so Klee.

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