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Freunde alter Landmaschinen feiern eine Hochzeit der anderen Art

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Von: Antje Holsten-Körner

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Mehrere Männer stehen am einem grün lackierten Motorblock
Volle Konzentration ist bei der „Hochzeit“ gefordert. © Holsten-Körner

Die Freunde alter Landmaschinen aus Sottrum sind seit Anfang 2020 dabei, einen Deutz aus den 1950er Jahren zu sanieren. Vorläufiger Höhepunkt: Das Zusammensetzen von Motor und Getriebe, eine sogenannte Hochzeit.

Sottrum – Anfang 2020 präsentierten die Freunde alter Landmaschinen aus Sottrum den vom Verein erworbenen Deutz F2 L612 aus den 1950er Jahren. Mit der Restaurierung des alten Ackerschleppers sollten Jugendliche mit der Technik vertraut gemacht und für den Verein begeistert werden. „Fünf Jugendliche waren fleißig dabei. Doch inzwischen sind sie alle in der Ausbildung und haben nicht mehr die notwendige Zeit“, bedauert Ralf von Eitzen, Vorsitzender der Freunde alter Landmaschinen. Daher konnten sie den Re-Start im Dezember nach der langen Corona-Pause nicht mehr mitmachen. Damit verpassen sie auch die an diesem Tag anstehende Hochzeit, wie die Verbindung von Motor und Getriebe genannt wird.

„Ich habe doch Schmirgelpapier“, sagt Jan Ebel (29), der von Anfang an das Projekt mit Achim Dodenhof (70), Thorben Houdek (29) und Ralf von Eitzen (62) betreut. Hintergrund: Die Kupplungsscheibe hat noch nicht genug Platz an der vorgesehenen Stelle. Innerhalb von wenigen Augenblicken entfernt Ebel das überschüssige Material. Das hat sich gelohnt, denn beim zweiten Versuch klappt die Zusammenführung. Gute Ideen und Improvisation sind immer gefragt. So hatte Jan Ebel kurz zuvor aus einem Besenstiel einen Dummy für die Zentrierung angefertigt, denn das ursprünglich vorgesehene Stück aus Edelstahl war doch zu wuchtig. „Wir müssen 100-prozentig genau arbeiten“, betont Volker Lange, Vize-Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins, der als gelernter Landmaschinenmechaniker bei der heutigen Hochzeit mit Fachwissen und Handgriffen zur Seite steht.

Trotz Corona stecken bisher geschätzt mehr als 100 Einsätze in dem Projekt. In dieser Zeit wurde alles zerlegt und die Bleche erneuert. Auch eine neue Lackierung in der Deutz-typisch grünen Farbe wurde aufgebracht. „Das haben wir aber aus Sicherheitsgründen wegen der entstehenden Dämpfe ohne Moritz und Tim gemacht, die seit Dezember bei der Restaurierung dabei sind“, berichtet Ralf von Eitzen. Dem zwölfjährigen Oberschüler und dem elfjährigen Gymnasiasten sind das Interesse an alten Landmaschinen mit in die Wiege gelegt worden, denn bei Beiden gibt es Bastler in der Familie. Noch etwas haben die Jungs gemeinsam: Nämlich den Fendt Vario 1050 als Lieblingstraktor. Um die lackierten Teilstücke des Deutz F2 L612 vor Beschädigungen zu schützen, werden sie im Obergeschoss der vereinseigenen Halle verwahrt, in der viele Dinge aus längst vergangenen Tagen ausgestellt sind.

Thorben Houdek (l.) und Jan Ebel helfen sich bei der Zentrierung mit einem Besenstiel. Millimeter um Millimeter wird die Kupplungsglocke mit anhängendem Motor zum Getriebe geführt
Thorben Houdek (l.) und Jan Ebel helfen sich bei der Zentrierung mit einem Besenstiel. Millimeter um Millimeter wird die Kupplungsglocke mit anhängendem Motor zum Getriebe geführt © Holsten-Körner

„Ich habe doch damals Fotos vom Ausbau der Kupplung gemacht“, merkt Achim Dodenhof an. Diese werden gerade gebraucht, um die richtigen Schrauben zu finden, um den Kupplungsautomaten mit der Mitnehmerscheibe an die Schwungscheibe zu schrauben. Inzwischen startet Ralf von Eitzen die Ameise – ein kleiner Gabelstapler –, um die Kupplungsglocke mit anhängendem Motor zum roten Werkstattkran zu transportieren, den Volker Lange vorbereitet. Gesichert mit starken Gurten nähert sich der Block Millimeter um Millimeter dem Getriebe.

Beim dritten Versuch klappt die Zusammenführung. Ralf von Eitzen zieht noch die acht Verbindungsschrauben fest. Bis der erste Testlauf des Motors erfolgen kann, ist noch allerhand zu tun. „Wir schätzen, dass dies in zwei Monaten der Fall ist“, so von Eitzen. Wenn alles gut läuft, könnte der Deutz, der sich im Vereinseigentum befindet, beim Sottrumer Erntefest im September offiziell vorgestellt werden. Highlight der Freunde alter Landmaschinen bleibt aber natürlich auch die alte Dreschmaschine, die wieder zum Dreschfest im Jahr 2023 zum Einsatz kommen soll. „Stroh dafür haben wir schon liegen“, so Jan Ebel.

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