„Diskussionen sind normal“

Bürgermeister Peter Freytag sieht die Samtgemeinde 2019 mit schweren Aufgaben konfrontiert

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Peter Freytag weiß, dass die Verwaltung es in den kommenden Jahren schwer haben wird. Aber er bleibt Optimist. 

Sottrum - Von Matthias Röhrs. Vom Ende einer Mammutaufgabe spricht Sottrums Samtgemeindebürgermeister Peter Freytag nach der Fertigstellung der Eröffnungsbilanzen. Ein kurzer Moment zum Durchatmen, ehe man sich an die Folgearbeiten macht. Für die holt man sich aber externe Unterstützung, wie er im Jahresinterview mit der Kreiszeitung verrät. Die Samtgemeinde muss genau wissen, wie ihre finanzielle Lage ist. Denn Großprojekte, wie der Ausbau des Gymnasiums, könnten teurer werden als geplant. Es wird deutlich, auch im Jubiläumsjahr 2019 müssen Politik und Verwaltung einiges anpacken.

Wohl eines der schöneren Momente des Jahres war wohl, dass die Eröffnungsbilanzen fertig sind. Große Machwerke voller Zahlen, die eine finanzielle Bestandsaufnahme der Gemeinden bilden – für Laien schwer verständlich. Warum sollten sie den Bürgern nicht egal sein?

Peter Freytag: Die Fertigstellung ist ein Meilenstein. Die Bilanzen sind nicht egal, weil sie das Sachvermögen und den Schuldenstand der Kommunen abbilden. Darauf aufbauend stellen sie die Abschreibungen, also den tatsächlichen Werteverzehr, dar. Diese wurden in der Vergangenheit gar nicht berücksichtigt. Wenn man heute über Investitionen spricht, hat man dadurch auch Diskussionen über Abschreibungen, weil diese auch erwirtschaftet werden müssen. Früher hat man sich bei Projekten nur die Investitionssummen und die Betriebskosten angeschaut. Aber wenn man nun zum Beispiel ein Schulausbauprojekt bespricht, dann diskutiert man über eine ganz andere Summe als nur die Erstinvestition. Und der Werteverzehr muss durch Einnahmen durch Steuern wieder dargestellt werden.

Nun hing die Samtgemeinde im Vergleich zu anderen Kommunen in Sachen Eröffnungsbilanz weit hinterher. Können Sie abschätzen, wie viel Geld sie dadurch verloren hat?

Freytag: Nein. Aber wir hatten in der Finanzabteilung eine erhebliche Personalaufstockung, und wir haben darüber hinaus über zwei Jahre auch Kollegen aus anderen Abteilungen mehr oder weniger dafür von anderen Aufgaben abgezogen.

Beim Ausbau des Gymnasiums geht es um viel Geld. Daher gibt es viele Diskussionen. - Foto: men

Ist das Rathaus unterbesetzt oder reicht es, diese Phase einfach auszuhalten?

Freytag: Die Verwaltung ist für die heutigen Anforderungen definitiv in den einen oder anderen Bereichen zu verstärken, beziehungsweise wir werden unsere Strukturen neu betrachten müssen. Wo haben sich Arbeitsplätze im Rathaus verändert? Wo haben sich neue Aufgaben ergeben? Und nach meiner Einschätzung werden wir danach mehr Personal brauchen.

Eigentlich fängt die Arbeit jetzt mit den Jahresabschlüssen erst an. Auch das wird Jahre dauern. Kann die Verwaltung das langfristig ausgleichen?

Freytag: Wir schauen ja schon jetzt, ob wir dafür externe Unterstützung einkaufen – damit das nicht über Jahre zu einem Dauerthema wird und wir für uns schnell zu einem Ergebnis kommen. Wobei „schnell“ sich ebenfalls auf Jahre bezieht, denn ab Januar sind wir dann in der Finanzabteilung mit 56 Jahresrechnungen konfrontiert, die erledigt werden müssen. Das geht entweder nur mit mehr Personal oder externer Unterstützung. Das prüfen wir derzeit, da sind wir in einer Testphase.

Also gibt es bereits eine Firma, mit der man schaut, ob man zusammenkommt?

Freytag: Ja, weil diese Aufgaben bei uns dauerhaft Kräfte binden und dieses ganze Thema Eröffnungsbilanz in einem überschaubaren Zeitrahmen fertiggestellt werden sollte. Wenn ein Thema einen so lange negativ begleitet, dann wird das Ergebnis mit den Jahren nicht unbedingt besser.

Ein weiteres Schwerpunktthema im vergangenen und im kommenden Jahr ist der Ausbau des Gymnasiums. Der Umfang war lange umstritten. Alle Beteiligten – Samtgemeinde, Schule und Landkreis – haben ihre Interessen und Vorstellungen. Sollte sich die Samtgemeinde auch als Trägerin nicht heraushalten, wenn der Landkreis eh alles bezahlt?

Freytag: Wir sind in der Historie als umsetzende Trägerin immer ein guter und verlässlicher Partner gewesen, uns in den gesteckten Kostenrahmen zu bewegen. Die Erweiterung ist ja zwingend, das Gymnasium ist ja nur für G8 und nicht für das kommende G9 ausgelegt. Dass man sich da über Inhalte unterhält, ist für mich ganz normal. Nur haben wir uns zusammen mit der Schule auf den Weg gemacht, mit dem Raumprogramm, das sie ja entwickelt hat, die Diskussion mit dem Kostenträger zu führen. Der Landkreis, der ja auch gerade das neue Schulzentrum in Bremervörde plant, hat für sich aus den eigenen Diskussionen heraus eigene Parameter zu Raumgrößen gefunden.

Der Landkreis steckt ja den finanziellen Rahmen. Warum vertraut man der Schule dann nicht, indem man sagt: „Das sind die Möglichkeiten, macht das Beste draus“?

Freytag: Im Grunde ist es ja so. Wir sind gerade mit der Schule dabei, die Räume mit ihren vorgegebenen Quadratmetern in eine Gebäudehülle zu bringen. Diese Gebäudehülle ist bereits entstanden. Das Gymnasium selbst hat sich dann nochmal mit dem Landkreis beschäftigt und wir sind im Moment alle deckungsgleich. Ich bin fest überzeugt, dass wir, wenn wir das Gebäude in dieser Form in Nutzung nehmen, dann einen guten Rahmen für die Schule gefunden haben. Wir haben aus der Grunddiskussion heraus aber einen etwas längeren Weg zurücklegen müssen. Denn wir als Samtgemeinde haben erstmals eine europaweite Ausschreibung durchführen müssen, um überhaupt erst einen Planer zu finden. Da mussten wir uns erst reinarbeiten.

Wie geht es jetzt weiter?

Freytag: Anfang des Jahres werden wir die Pläne im Fachausschuss vorstellen und dann zügig in die Ausschreibung gehen. Dass es Diskussionen gab, ist normal, und ich sehe das gar nicht negativ. So wird für beide Seiten sichtbar, dass es nicht nur um Räumlichkeiten geht, sondern auch um die Finanzierung. Da sind wir wieder beim ersten Thema mit den Abschreibungen. Dann ist es eben nicht egal, ob ich fünf oder sechs Millionen Euro verbaue. Ich gehe darüber hinaus von einer Baukostensteigerung aus und dass wir mit den 3,4 Millionen Euro – die aus einer Kostenschätzung kommen, die mittlerweile auch zwei Jahre alt ist – das Bauvolumen nicht mehr stemmen können. Und dann müssen wir im Sinne der Bürger diskutieren.

Hat man in Sottrum Angst, auf Kosten sitzen zu bleiben?

Freytag. Nein. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir weiterhin in der Kostenträgerschaft des Landkreises verbleiben. Daher ist es wichtig, dass wir uns mit dem Landkreis genau abstimmen. Das würde ich als Landkreis auch von der Samtgemeinde Sottrum erwarten.

War die Trägerschaft des Gymnasiums ein Fehler?

Freytag: Die Trägerschaft war kein Fehler. Ich denke, für das Gymnasium ist es sehr gut, dass die Trägerin direkt vor Ort ist und wir kurze Wege haben.

2019 wird ein besonderes Jahr für die Samtgemeinde. Man feiert 50-jähriges Bestehen. Sind Sie schon in Feierlaune?

Freytag: Wir sind von daher in Feierlaune, weil wir bestimmte Dinge in einer Arbeitsgruppe vorbesprochen haben, wie sich die Samtgemeinde diesen Tag, 30. Juni, vorstellt. Da wird es einen ganz offiziellen Festakt geben, und wir werden bei den Feierlichkeiten die Bevölkerung aller Mitgliedsgemeinden zusammenbringen.

Wird es ein gutes Jahr für die Kommune?

Freytag: Jedes Jahr wird gut. Es gibt Herausforderungen und an vielen Tagen werden sie uns besonders in Anspruch nehmen – ob nun in der politischen Diskussion oder im Kollegenkreis im Rathaus. Aber grundsätzlich wird es ein gutes Jahr. Da bin ich nicht derjenige, der als Pessimist sagt, dass es 2019 Aufgaben gibt und ich mit am liebsten die Decke über den Kopf ziehen würde.

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