Planer haben zwei Szenarien entwickelt und befragen nun die Bürger

„Sottrum 2030“: Stadt oder Dorf?

Mit ihrer Trennwirkung zwischen Nord und Süd ist die Bundesstraße 75, hier an der Kreuzung zur Straße Am Eichkamp, ein Störfaktor. Beide im Konzept „Sottrum 2030“ entworfenen Szenarien sehen vor, das abzumildern. Foto: Röhrs
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Mit ihrer Trennwirkung zwischen Nord und Süd ist die Bundesstraße 75, hier an der Kreuzung zur Straße Am Eichkamp, ein Störfaktor. Beide im Konzept „Sottrum 2030“ entworfenen Szenarien sehen vor, das abzumildern.

Sottrum – Auf dem Papier wirkt es ein wenig so, als stünde Sottrum an einem Scheideweg: Setzt die Gemeinde in Zukunft auf Wachstum und entwickelt sich etwas mehr in Richtung Stadt, oder bleibt sie bei ihren Leisten und entwickelt ihre dörflichen Qualitäten weiter? „Da wird es verschiedene Meinungen geben“, sagt Ulrich Berding. „Vielleicht wird es auch nicht nur schwarz-weiß.“

Berding und sein Team vom Büro „plan zwei“ aus Hannover sind mit der Erarbeitung des – wie es heißt – integrierten Entwicklungskonzepts „Sottrum 2030“ betraut. Es ist eine Art Leitfaden für zukünftige Entscheidungen, wie es aus der Lokalpolitik immer wieder heißt. Das Konzept bezeichnet ein Ziel, was für ein Ort Sottrum mit seinen Teilen Everinghausen und Stuckenborstel im Jahr 2030 sein soll. Welche Art von Lebensqualität soll es dann geben?

Nachdem es im Verlauf des vergangenen Jahres mehrere Treffen zwischen „plan zwei“, Vereinen, Institutionen, anderen Gruppen und – im Rahmen von mehreren sogenannten Dialogforen – mit Bürgern der Gemeinde gab, sind mittlerweile zwei vorläufige Entwicklungsszenarien ausgearbeitet worden. Sie stehen nun zur Diskussion, und bevor es eine endgültige politische Entscheidung geben wird, dürfen ab kommenden Montag wieder die Sottrumer selbst ihre Meinungen und Impulse abgeben – Corona-bedingt anders als geplant, nämlich hauptsächlich online und mit einem Informationsnachmittag am kommenden Freitag. Berding: „Wir sind neugierig auf die Ideen, oder ob es nun Kopf oder Zahl wird.“

„Kopf“ , das ist in diesem Fall das Szenario eins: „Starkes Dorf durch qualitatives Wachstum“. Hier würde der dörfliche Charakter erhalten bleiben und gestärkt werden – den Anforderungen des demografischen Wandels und einer nachhaltigen Entwicklung angepasst. „Die Lebensqualität Sottrums liegt in dem großzügigen, naturnahen Wohnumfeld und einer guten Nahversorgung hinsichtlich Handel sowie öffentlichen und privaten Dienstleistungen. Nachbarschaft und Vereinswesen sind Ausdruck der lebendigen Dorfgemeinschaft“, heißt es in der vorläufigen Beschreibung der Leitbilder, das der Kreiszeitung vorliegt.

Die Konzeptentwickler empfehlen unter anderem dazu, dass die Wohnungsbauentwicklung vorrangig im Bestand erfolgen sollte, wobei bezahlbarer Wohnraum gesichert werden müsse. Die Grundversorgung würde dabei weiter im Ortskern stattfinden, Existenzgründer und bestehendes Gewerbe sollte eine besondere Unterstützung erfahren. Wohngebiete und der Ortskern sollten nach Möglichkeit vom Autoverkehr entlastet werden, zudem solle Sottrum in diesem Szenario Vereinsleben und Kultur-, Freizeit- sowie Bildungsangebote stärken und ausbauen.

Szenario zwei – „Zahl“ – beschreibt Sottrum als „attraktiven und wachsenden Wohn- und Gewerbestandort mit überregionaler Anbindung als Kernort der Samtgemeinde“. Das würde eine gewisse Urbanisierung und eine Vergrößerung der Gemeinde bedeuten. Das sind große Worte, ein starkes Wachstum ist allerdings eher nicht zu erwarten. Verschiedene Trendforschungen und Prognosen würden laut Berding dieses in Orten wie Sottrum eher im geringen prozentualen Bereich ansiedeln. Diese Berechnungen beziehen sich seinen Worten nach jedoch auf den Status quo. Wenn etwa durch Gewerbeansiedlungen mehr Arbeitsplätze entstehen, könnte auch die Nachfrage nach Wohnraum ansteigen. Das Wort „Urbanisierung“ sei dennoch eher strukturell und technisch zu verstehen.

Wohnbau könnte in diesem Szenario 2 auch an den Ortsrändern ermöglicht werden, wobei das Wachstum auch bei der Planung von Kitas und Grundschulplätzen eingeplant werden sollte. Man sollte den Einkaufsstandort und Sottrums Profil als Zentrumsgemeinde stärken, geht aus dem vorläufigen Leitbild hervor. Das könnte bedeuten, dass auch südlich der Bundesstraße 75 Nahversorgungsangebote entstehen. Durch das Wachstum würde es auch mehr Verkehr geben, deswegen sei ein bedarfsgerechtes und leistungsfähiges Straßennetz eine „entscheidende Entwicklungsgrundlage“.

Beide Szenarien teilen auch Gemeinsamkeiten: Bei der Entwicklung von Wohnraum sollten etwa alle Generationen und Haushaltsgrößen berücksichtigt werden. Es müsse eine moderate Nachverdichtung und Baulückenschließung geben, das Arbeitsplatz- und Ausbildungsangebot müsse man sichern und mit Fokus auf „zukunftsorientierte und umweltschonende Gewerbeansiedlungen“ ausbauen. Die beiden Konzepte sehen die B75 mit ihrer Trennwirkung zwischen Nord und Süd als problematisch an. Das könne man mit der Verbesserung der Querungshilfen abmildern, heißt es.

In puncto Lebensqualität und Umwelt müsse sich Sottrum mehr als „Gesundregion“ profilieren. Natur- und Landschaftsschutz genieße eine hohe Priorität. Parks und Grünflächen sollte man in ihrer Nutzbarkeit weiterentwickeln, „plan zwei“ schlägt überdies ein „Grünes Band“ entlang der Wiese vor. Neue Gebäude sollten sich optisch ins Ortsbild einfügen. Auch Klimaschutz kommt nicht zu kurz, so schlagen Berding und Co. die Unterstützung von „gemeinschaftlichen Energiekonzepten für dezentrale Versorgung“ und den Ausbau vorhandener Wärmenetze vor.

So läuft das öffentliche Beteiligungsverfahren:

Etwas verspätet und Corona-bedingt anders als gedacht, startet in der kommenden Woche nun die Beteiligungsphase des Entwicklungskonzepts „Sottrum 2030“. Sie läuft wie folgt ab:

. Von Montag, 8. Juni, bis Sonntag, 21. Juni, gibt es eine Online-Beteiligung. Alle Interessierten können sich informieren und Kommentare, Anregungen und Ergänzungen äußern. Dazu – wie für alle anderen aktuellen Informationen – steht das Portal www.sottrum2030.de bereit. Von dort wird dann auch auf eine separate Beteiligungsplattform verlinkt.

. Um auch offline und persönlich einen Austausch zu ermöglichen, gibt es am Freitag, 12. Juni, von 15 bis 19 Uhr einen Informationsnachmittag vor dem Heimathaus in Sottrum. Die angedachten, möglichen Szenarien sind dort dann großflächig ausgehängt. Mitarbeiter von „plan zwei“ sind vor Ort, um Meinungen, Anregungen, Kritik und Zustimmung sowohl mündlich als auch schriftlich entgegenzunehmen. Man bittet darum, den 1,50-Meter-Abstand einzuhalten und eine Maske zu tragen.

„Die Erkenntnisse aus dieser Beteiligungsphase werden bei der Formulierung des endgültigen Leitbilds einfließen“, erläutert Ulrich Berding von „plan zwei“. Dieses bilde dann die Grundlage für die weitere Ausarbeitung von „Sottrum 2030“. In dieser Phase könnte es noch mal eine Online-Information und gegebenenfalls ein für zwei Wochen geöffnetes Feedback-Portal während der Sommerferien geben. Im September soll dann eine Ausstellung des fertigen Konzepts vor Ort den Abschluss bilden.

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