Sottrum 2030: Frage um Teilhabe

Welche Wünsche und Ideen haben die Sottrumer für ihren Ort? Das durften sie während der Planungswerkstatt im vergangenen August loswerden. Bis zur Corona-Pandemie gab es mehrere Möglichkeiten zur Teilhabe; nun stellt sich die Frage, wie es damit weitergeht. Foto: Witte

Eigentlich lief es ganz gut bei dem Entwicklungskonzept Sottrum 2030. Dann kam die Pandemie dazwischen und für die Verantwortlichen damit auch die Frage: Wie kann die Bürgerbeteiligung jetzt aussehen? An der Antwort beißt man sich noch ein bisschen die Zähne aus.

Sottrum – Hätte es die Coronavirus-Pandemie nicht gegeben, wäre man jetzt in der heißen Phase gewesen. Hätte, wäre. Doch das Virus bremst auch das Entwicklungskonzept Sottrum 2030, ein Leitbild für die Zukunft der Wiestegemeinde, aus. Jetzt, in diesen Wochen, wäre die Zeit gewesen, wo im Heimathaus die Bürger befragt worden wären, was sie von dem vom Büro „plan zwei“ aus Hannover erarbeiteten Papier halten. Doch an eine große Zusammenkunft im Heimathaus, wie es sie schon in der Vergangenheit bei sogenannten Dialogforen zum Thema gegeben hat, ist nach derzeitigem Stand nicht zu denken. Die Bürgerbeteiligung ist allerdings ein wichtiger Teil des Entwicklungsprozesses, sorgt sie doch für eine breite Akzeptanz des Leitbildes und damit wohl auch für zukünftige Entscheidungen, die sich daran orientieren. Die Frage ist: Wie kann sie aufrecht erhalten werden?

Bis 2021 ist es natürlich noch ein bisschen hin, doch bis zum Jahreswechsel will Bürgermeister Hans-Jürgen Krahn (CDU) wie wohl alle Beteiligten das Konzept vom Rat verabschiedet wissen. Auch „plan zwei“-Chef Ulrich Berding möchte die Fertigstellung nicht „bis in den tiefen Winter“ mitschleppen. Der Plan wäre gewesen, dass der Gemeinderat Sottrum 2030 in einer Sitzung Mitte Juli behandelt. Gemeindedirektor Holger Bahrenburg ist mittlerweile aber skeptisch, ob das noch was wird.

Vier Termine sind Corona-bedingt bereits ausgefallen. Kurz vor den Kontaktbeschränkungen hat sich zumindest die interne Arbeitsgruppe aus Abgesandten der Ratsfraktionen, Verwaltung und „plan zwei“ noch mal treffen können. Erste Leitbild-Szenarien sind laut Berding dabei ausgearbeitet worden, die bei einer öffentlichen Planungswerkstatt hätten diskutiert werden sollen. Danach wäre die Arbeitsgruppe nochmals zusammengekommen, daraufhin hätte es die Abschlussveranstaltung gegeben, dann eine weitere Arbeitsgruppensitzung. Danach hätte der Rat seinen Auftritt gehabt. Hätte.

Nun könne die Bürgerbeteiligung digital über die Bühne gehen. Möglich sei ein E-Mailverteiler, aber vor allem eine Diskussion über die eigens für das Konzept geschaffene Internetseite www.sottrum2030.de. Das war auch unter normalen Umständen so vorgesehen. „Wir tun jetzt nicht das eine und lassen das andere“, sagt „plan zwei“-Chef Berding, der auf den direkten analogen Kontakt mit den Sottrumern am liebsten nicht verzichten will. Doch wie kann das unter Einhaltung der Hygiene- und Schutzmaßnahmen vonstattengehen? Das ist die Frage, die ihn und sein Team derzeit umtreibt. Seinen Angaben nach gibt es Gedankenspiele, die man bald der Gemeinde vorstellen will. Es könne darauf hinauslaufen, dass man die Bürgerbeteiligung etwas entzerrt und dezentralisiert. Das würde den Prozess jedoch abermals in die Länge ziehen.

Bahrenburg sagt: „Es wäre schön, wenn es eine persönliche Ebene geben würde.“ Für ihn steht ein Verzicht auf die Bürgerbeteiligung außer Frage. Er möchte, dass sich möglichst viele Sottrumer in den Prozess einbringen können. Diese Methode ist vor der Pandemie gut aufgenommen worden. Das zeigt das große Interesse an den Dialogforen im Herbst und Winter 2019 und der Auftaktveranstaltung im Sommer. Aber eine derartige Zusammenkunft derzeit im Heimathaus? Undenkbar. Man wolle niemanden ausschließen, weil eine Abstandsregelung Platz frisst. Dann verzichtet man lieber gleich.

Also arbeitet man im Hintergrund weiter an Lösungen. Denn nach wie vor gilt es, die Gemeinde Sottrum für die kommenden Jahre in eine richtige Spur zu bringen. Das würde gerade in Corona-Zeiten etwas bieten, was in den vergangenen Wochen an vielen Stellen zu kurz gekommen ist: eine Perspektive.

Sottrum 2030

Mit dem Entwicklungskonzept Sottrum 2030 erarbeitet die Gemeinde zusammen mit dem Büro „plan zwei“ sozusagen einen Fahrplan, wie der Ort und die Ortsteile im Jahr 2030 aussehen sollen. Es dient auch als Orientierungshilfe bei zukünftigen Entscheidungen, etwa im Rat. Unter anderem über die Internetseite www.sottrum2030.de können Bürger mitreden, in der Vergangenheit gab es auch größere Veranstaltungen mit konkreten Vorschlägen dazu im Heimathaus. Zentrale Fragen bei der Ausarbeitung des Konzeptes sind zum Beispiel: Welche Qualitäten sollten bewahrt werden und welche gilt es zu stärken? Welche Flächen bieten sich für die Entwicklung von Wohnraum und als Gewerbeflächen an? Welche Interessen und Ziele verfolgen die privaten und öffentlichen Entscheidungsträger in der Gemeinde? Und: Welche Bedürfnisse haben die Bewohner?  mro

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