Das Sortiment steht 

Wie der Dorfladen Bötersen mit der Corona-Krise umgeht

Auch der Dorfladen in Bötersen muss sich mit der neuen Lage arrangieren, um den Betrieb halbwegs normal aufrecht halten zu können. Foto: Daus
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Auch der Dorfladen in Bötersen muss sich mit der neuen Lage arrangieren, um den Betrieb halbwegs normal aufrecht halten zu können.

Bötersen – Corona ist das beherrschende Thema in diesen Zeiten, und es macht bekanntermaßen auch vor ländlichen Gebieten nicht halt. Der Dorfladen Bötersen ist ein vergleichsweise sehr junges Unternehmen und muss sich nun Herausforderungen stellen, die sich täglich verändern können und in dieser Form noch nie da gewesen sind.

Wer hätte gedacht, dass es einmal so weit kommen könnte? Das ist vielleicht die Hauptfrage, die sich in letzter Zeit stellt. Wer hätte gedacht, dass ein Virus die zivilisierte Welt derart verändert? Wer hätte gedacht, dass „Birkel“ und „Hakle dreilagig“ beinahe so etwas wie stabile Währungseinheiten werden könnten, und dass es tumultartige Zustände in den großen Supermärkten gibt, wenn Mehl und Backwaren ausverkauft sind. Die Unvernunft regiert, und die Hamsterkäufe, von denen allseits fortwährend abgeraten wird, bestimmen den Alltag im Einzelhandel. Verbunden damit sind zeitweilige Engpässe bei bestimmten Waren und eine zunehmend dünnhäutige Kundschaft. Krisenzeiten, die auch nicht komplett spurlos am Dorfladen Bötersen vorübergehen. „Es ist so, dass auch bei uns die derzeit gefragten Artikel in größerem Maße gekauft werden“, erläutert Arne Brunckhorst vom Beirat des Dorfladens. Und auch wenn es hier zuweilen zu Engpässen käme, sei das Sortiment im Allgemeinen vorrätig. „Wenn bei uns Hygieneartikel und Trockenwaren knapp werden, dann ist das ein ebenso temporärer Zustand wie in den großen Supermärkten. Auch wir werden dann in der Regel in kurzer Zeit neu beliefert. Es muss sich also diesbezüglich niemand irgendwelche Sorgen machen“, so Brunckhorst.

Eine Bevorzugung von großen Supermarktketten bei der Belieferung erkenne er nicht. Man werde als Dorfladen gleichberechtigt behandelt. Insgesamt sei aber auch auf das gesamte Sortiment ein Anstieg der Umsatzzahlen zu verzeichnen, und die Anzahl der Kunden sei auch größer als gewöhnlich. Aber in der großen Mehrzahl verhielten sich alle sehr diszipliniert, es gab auch kein Hauen und Stechen um die letzte Toilettenpapierrolle.

Ein kleines Schild war zunächst als Hinweis für die gebotenen Abstandsregeln im Laden installiert. „Das haben wir nun durch wesentlich größere Schilder ergänzt, um auch dem Letzten klarzumachen, worauf es derzeit ankommt und wie man sich und seine Mitmenschen schützen kann“, erläutert der Bötersener. Von Behördenseite habe es keine speziellen Aufforderungen gegeben, aber man handelt in dieser Hinsicht auch eigenverantwortlich. So wurde das Café im Laden bereits geschlossen, bevor die Landesregierung einen entsprechenden Erlass herausgegeben hatte. „Wir haben ja eine Grundverantwortung für unsere Kunden und auch besonders für unsere Mitarbeiter, damit wir eine störungsfreie Öffnung des Ladens weiterhin garantieren können“, so Brunckhorst. Auch trennen Plexiglasscheiben Kassierer und Kunden. Die Maßnahmen geschehen dabei immer in Absprache mit dem Beirat und der Marktleitung. Unterstützung erhalte man von der „Bundesvereinigung multifunktionaler Dorfläden“, bei der die Bötersener Mitglied sind.

„Was die Hygiene angeht, so waschen und desinfizieren sich sämtliche Angestellten schon immer sehr häufig die Hände, da sie in unserem Laden häufig zwischen Kassen- und Frischebereich wechseln müssen, diesbezüglich sind wir also bestens aufgestellt“, erklärt das Beiratsmitglied.

Eine Veränderung gäbe es in der Ausgabe der Frischewaren. Derzeit sei es nicht möglich, eigene Verpackungen mitzubringen. Man würde Waren nur in Einwegverpackungen herausgeben, und eine bargeldlose Bezahlung wird gewünscht. „Kreditkarten können wir leider nicht annehmen, aber mit Giro- oder Bankkarten kann problemlos und häufig auch kontaktlos gezahlt werden.“ Alle bisherigen Öffnungszeiten werden eingehalten, und das soll auch zukünftig so gehandhabt werden.

Erste Gedankenspiele gibt es derzeit auch für den Fall, dass Personen, die beispielsweise unter Quarantäne gestellt werden und sich nicht mehr selbst versorgen können, auf unproblematische Weise beliefert werden könnten. „Das sollte allerdings nicht mit einem generellen Lieferdienst verwechselt werden. Es ist lediglich als Beitrag gedacht, um Menschen in Notlagen helfen zu können“, so Brunckhorst. Wie das in der Praxis genau umgesetzt werden kann, darüber beraten die Beiratsmitglieder noch.

Und Beratungen sind derzeit beinahe an der Tagesordnung. „Die Lage ist hochdynamisch und Dinge, die heute undenkbar erscheinen, können morgen notwendig sein. Wir müssen uns immer den Gegebenheiten anpassen und notfalls an einigen Stellschrauben drehen. Aber in erster Linie setzen wir darauf, dass unsere Kundschaft die Zeichen der Zeit erkannt hat und sich selbst diszipliniert“, beschreibt der Bötersener die Lage. Und mit gesundem Menschenverstand und Geduld innerhalb der Kundschaft würde die Arbeit im Einzelhandel auch in diesen ganz besonderen Zeiten wesentlich leichter sein.

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