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Ein Solarpark für Bötersen – so groß wie Höperhöfen

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Von: Matthias Daus

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Investoren wollen einen großen Solarpark bei Höperhöfen bauen. Dort ist man dem gegenüber skeptisch
Investoren wollen einen großen Solarpark bei Höperhöfen bauen. Dort ist man dem gegenüber skeptisch © imago images/Shotshop

Solarparks werden aktuell in der ganzen Region diskutiert. Auch in Bötersen hat ein Investor Interesse geäußert, Flächen entsprechend zu entwickeln. Das gefällt vielen nicht, zumal sie sich in dieser Frage ausgeschlossen fühlen, wie eine gut besuchte Ratssitzung beweist. Die Gemeinde verweist darauf, in dieser Sache ganz am Anfang zu stehen.

Bötersen – Die Vorstellung eines möglichen Konzepts für eine Fotovoltaik-Freiflächenanlage in der Gemeinde Bötersen hat auf der jüngsten Sitzung des Gemeinderates für unerwarteten Zuschauerandrang und eine Menge Zündstoff gesorgt. Der Krieg Russlands gegen die Ukraine hat allen vor Augen geführt, was eigentlich schon lange bekannt ist: Um für die Zukunft gewappnet zu sein, muss der Ausbau erneuerbarer Energien in großem Format vorangetrieben werden. Und bis hin zur kommunalen Ebene wird man nicht umhin kommen, sich dieser Thematik zu stellen.

Das ist auch in Bötersen nicht anders, weswegen man hier auch etwas tiefer in die Materie vorgedrungen ist und ein mögliches Konzept für Fotovoltaik-Freianlagen vorstellen wollte. Bereits eine Potenzialflächenanalyse der Samtgemeinde hat einige wirtschaftlich interessante Flächen auf Bötersener Gebiet herausgearbeitet. Die enorme Anzahl an Zuschauern ließ schon erahnen, dass es hier ein gewisses Konfliktpotenzial geben würde. In seinen einleitenden Worten zu diesem Tagungspunkt sagte Bürgermeister Cord Trefke (CDU): „ Wir wollen heute informieren, was eventuell möglich ist und einen ersten Vorschlag als mögliche Grundlage für eine zukünftige Entwicklung vorstellen.“

Er verwies darauf, dass es sich um eine Variante handele und auch andere Flächen möglich seien. Diese Vorstellung überließ er Benedikt Fraitzl von der Firma European Energy, die in Dänemark ihren Hauptsitz hat und sich mit dem weiten Feld der erneuerbaren Energien beschäftigt. Fraitzl stellte drei mögliche Flächen vor, die zusammen eine Größe von rund 60 Hektar haben und als Standorte für Fotovoltaik-Freiflächenanlagen in Frage kommen würden und dabei im weiten Bereich Höperhöfens entstehen würde. Diese würden ausreichen, um 50 000 Megawattstunden Strom pro Jahr herzustellen. Damit könnte man rund 15 500 Haushalte mit Energie versorgen. Die Gemeinde würde dabei, neben einer nicht näher bezifferten Einnahme aus Gewerbesteuern, garantiert 0,2 Cent pro Kilowattstunde bekommen. Das bedeutet jährlich einen Ertrag von 40 000 Euro. Die Gewerbesteuern würden noch dazu kommen. Das Geld würde dabei in der Gemeinde verbleiben und die Einwohner könnten Strom zu einem vergünstigten Preis bekommen.

Auch die Einsparung von CO2 riss Fraitzl an. Da Bürgermeister Trefke im Vorfeld einen ausgeprägten Gesprächsbedarf erkannte, wurden nach der Plan-Erörterung Fragen der Bürger zugelassen. Wortmeldungen gab es einige und es ging dabei recht emotional zu. Während Cord Meyer, Landwirt aus Höperhöfen, der Teile der möglichen Flächen bewirtschaftet, gänzlich hinter diesem Projekt steht, regt sich ein breiter Widerstand, dem der Höperhöfener Nils Neumann in wortreichen Erläuterungen Ausdruck verlieh.

Auch er sah die Notwendigkeit, erneuerbare Energien zu schaffen, und ebenfalls die Installierung von Fotovoltaikanlagen als unumgänglich an. Für ihn und die meisten der Zuschauer gab es dabei aber zwei grundsätzliche Knackpunkte. Zum Einen wäre die Hauptfläche, die direkt an Höperhöfen grenzt, in etwa so groß wie der Ort selbst. Er sieht es als Verschandlung der Natur in der direkten Nachbarschaft an. Eine Ansicht, mit der er an diesem Abend nicht alleine war. Der zweite Anlass, über den er sich echauffierte war, dass die Tagesordnung zu dieser Sitzung vermuten ließ, dass über die Köpfe der Bürger hinweg etwas beschlossen werden sollte, was eine große Auswirkung auf die Lebensqualität – gerade in Höperhöfen – haben würde.

„Was mich stört, ist, dass das alles ohne die Möglichkeit zur Diskussion einfach durchgewunken werden soll“, sagte er und sah den viel zitierten Grundsatz der Gemeinde „Drei Dörfer, eine Gemeinde, unsere Zukunft“ ad absurdum geführt. Neumann verwies zudem auf weitere mögliche Flächen in anderen Bereichen der Gemeinde und wollte eine derart wichtige Entscheidung nicht übers Knie gebrochen sehen.

Bürgermeister Cord Trefke, der sich alle Einwände und Zusprüche in Ruhe anhörte, antwortete vor der Beschlussfassung. So erläuterte er ein weiteres Mal, dass man noch ganz in den Anfängen stecke und diese Präsentation nur als Grundlage für weitere Diskussionen anzusehen seien. Gegen die Vorwürfe, dass der Rat nicht transparent agieren würde, verwahrte sich der Bürgermeister. „Es muss doch erlaubt sein, darüber nachzudenken und einfach mal einen Anfang zu finden, wie wir uns für zukünftige Aufgaben aufstellen können“, sagte er und räumte ein, dass die Formulierung in der Einladung auch zu Missverständnissen geführt haben könnte.

„Aber für uns als Rat ist es immer die wichtigste Aufgabe, im Sinne der Bürger zu arbeiten und zu entscheiden“, fügte er hinzu. Man habe aber durch die breite Diskussion an diesem Abend einige wichtige Ansatzpunkte erhalten, die für die weiteren Planungen eine große Rolle spielen würden. Man sei aber noch vor dem ersten Stadium einer möglichen Planung. Abschließend wurde der Beschluss gefasst, dass der Gemeinderat die Verwaltung damit betraut, die Möglichkeiten für eine Schaffung von Freiflächenanlagen auszuloten.

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