„Die Situation war schon beängstigend“

Bürgerbus-Fahrdienstleiter Rainer Bachmann erzählt von seinen Erfahrungen

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Rainer Bachmann (l.) und Peter Draeger fahren schon seit Jahren mit dem rot-weißen Bürgerbus durch die Samtgemeinde Sottrum. „Leerfahrten gibt es kaum“, erzählt Bachmann. 

Sottrum - Von Joris Ujen. In drei Jahren läuft sein Personenbeförderungsschein aus. Dann ist der Fahrdienstleiter des Sottrumer Bürgerbusses, Rainer Bachmann, 73 Jahre alt. Hinter dem Steuer möchte der Sottrumer dann nicht mehr weitermachen, im organisatorischen Bereich allerdings schon. Seit der Gründung des Bürgerbus-Vereins im April 2010 fährt Bachmann mit dem rot-weißen Gefährt durch die Samtgemeinde. Während dieser Zeit hat der Ehrenamtliche viele positive Erfahrungen gemacht, jüngst aber auch eine negative.

Der Verantwortliche der Fahrdienstleitung ist maximal an fünf Tagen im Monat mit dem Bürgerbus unterwegs. „Eine Schicht geht immer rund viereinhalb Stunden“, sagt Bachmann. Leerfahrten habe der gemeinnützige Verein kaum. Das Geschäft laufe gut. „2015 ging die Fahrgastzahl rapide nach oben. Da fing das mit der Flüchtlingswelle an.“ Heute habe der Bürgerbus wieder das Niveau vor der Welle erreicht. Den Grund dafür sieht der Fahrdienstleiter in der Integration der Geflüchteten, von denen viele heute Fahrräder haben oder auch gar nicht mehr in der Samtgemeinde wohnen. Aber dennoch seien die Fahrgastzahlen gut, „in einem Jahr kann das aber ganz anders sein“.

Ehrenamtliche an ihren Grenzen 

Teilweise sei die Nachfrage allerdings noch so hoch, dass die insgesamt 18 Ehrenamtlichen keine weiteren Fahrgäste mitnehmen können, da sie nur maximal acht Personen gleichzeitig mit dem Bus befördern dürfen. „Deswegen wollen wir auch nicht groß Werbung betreiben. Andernfalls müssten wir noch mehr Personen abweisen“, erklärt der 70-Jährige. „Stellen Sie sich vor, Sie haben vier Gäste im Bus sitzen und fahren an eine Haltestelle, wo fünf weitere Personen auf den Bus warten. Im Gespräch versuchen wir, die Situation zu lösen.“

Würden die Fahrer mehr als acht Gäste mitnehmen, setzen Bachmann und seine Kollegen ihre Führerscheine aufs Spiel. „Angenommen ein Reh läuft auf die Straße, sodass der Fahrer stark abbremsen muss und der neunte Fahrgast fliegt durch den Bus. Dann fragt kein Mensch mehr, ob man freundlich und nett gegenüber dem Fahrgast war“, so Bachmann.

Bus blockiert

Die Abweisung treffe manchmal auch auf Unverständnis seitens der Wartenden. So geschehen bei der Sottrumer Tafel. Dort wollten mehrere Personen samt Kinderwagen, Fahrrad und Gepäck mit dem Bus fahren, für die aber kein Platz mehr wahr. „Daraufhin blockierten sie den Bus und fingen ein Streitgespräch mit dem Fahrer an“, erinnert sich Bachmann, der selbst nicht hinter dem Steuer saß, von dem Kollegen aber dazu gerufen wurde. „Der Streit eskalierte so weit, dass der Fahrer eine Kopfnuss von einer Person abbekam“, berichtet der Sottrumer. Die Polizei konnte die Auseinandersetzung später schlichten, „die Situation war aber schon beängstigend“. Sonst sei aber nie etwas passiert, auch keine Unfälle in den bisher sieben Jahren Bürgerbus.

Ein bisschen Werbung müsse dann aber schon betrieben werden. Nicht für die Dienstleistung, sondern für das Ehrenamt: Im nächsten Jahr werden einige Fahrer ihre Scheine nicht verlängern, und somit benötigt der Bürgerbus Sottrum Ersatz. Interessierte können sich dafür bei Werner Döscher unter der Telefonnummer 04264 / 2750 oder 0152 / 55335679 melden. Weitere Infos gibt es online.

www.buergerbus-sottrum.de

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