Serie Redakteur vs. Leser: Die richtige Technik führt zum Erfolg

Sieben lange Meter

Inken Quebe und Christian Warschke beim Duell Redakteur gegen Leser. -  Fotos: Menker

Sottrum - Inken Quebe. Ich habe mich schon an so mancher Sportart versucht, darunter Volleyball, Voltigieren und Badminton: Einiges davon habe ich auch lange durchgehalten, beim Fußball ist es letztlich geblieben. Handball war nicht darunter – das habe ich bisher nur passiv verfolgt. Deshalb war es eine umso verlockendere Herausforderung, bei unserem Redakteur-vs.-Leser-Wettbewerb mich mit einem richtigen Handballer im Siebenmeterwerfen zu messen – nämlich Christian Warschke, der normalerweise für die erste Mannschaft des TV Sottrum aufläuft.

Ein bisschen Respekt habe ich nach der ersten Recherche zu meinem Gegner schon – schließlich spielt der mit dem TV Sottrum immerhin in der Landesliga. Kein leichtes Unterfangen also, das merke ich direkt. Trotzdem bin ich motiviert, mich zumindest nicht kampflos geschlagen zu geben. Mein sportlicher Ehrgeiz ist mehr denn je geweckt, zumindest möchte ich die Sache nicht gleich herschenken. In der Halle am Bullenworth angekommen, lerne ich neben Christian Warschke, der sein berufliches Leben als Polizeibeamter bestreitet, auch Uli Bartsch – an diesem Tag unser Torwart –, Ulf Leibnitz – er gibt den Schiedsrichter – und Eric Kruse kennen. Gemeinsam stimmen wir die Formalitäten ab: Zehn Würfe soll es geben. Sollte es danach unentschieden stehen, geht es so lange weiter, bis einer von uns nicht trifft. Und schon zu diesem Zeitpunkt ahne ich: Soweit wird es gar nicht erst kommen.

Wir beginnen aber nicht direkt mit dem Wettbewerb, sondern machen uns, wie es sich für verantwortungsbewusste Sportler gehört, zunächst warm. Dabei werfen wir beide erst noch locker aufs Tor, und Ulf Leibnitz sowie Eric Kruse erklären mir die Regeln fürs Siebenmeterwerfen. Es soll ja alles mit rechten Dingen zugehen.

Bei Christian Warschke sieht das schon deutlich professioneller aus. Und die meisten Würfe sind tatsächlich Treffer.

Es läuft folgendermaßen ab: Der Spieler steht an der Siebenmeter-Markierung. „Die darfst du nicht übertreten“, erfahre ich vom Schiedsrichter. Nachdem der Pfiff ertönt, hat der Spieler drei Sekunden für den Wurf Zeit. Dass sich mindestens ein Fuß währenddessen am Boden befinden muss, erfahre ich erst nach einigen Fehlversuchen, die ich wohl mit einem fragenden Blick quittiere – in der Annahme, alles richtig gemacht zu haben. „Gar nicht so einfach“, schießt es mir durch den Kopf. Und mit jedem Wurf, mit dem sich Christian Warschke aufwärmt, wirft er härter. Mein Arm hingegen wird immer müder, sodass mir die sieben Meter Distanz zum Tor mit jedem Mal größer erscheinen. Und dabei hat der Wettbewerb noch nicht mal begonnen. Bei einigen meiner Wurfversuche landet der Ball aber tatsächlich im Netz. Viel mit einer bestimmten Technik hat das Ganze jedoch nichts zu tun. Nach etwa 20 Minuten fasse ich einen Entschluss und teile mit: „So, jetzt noch drei Mal, dann geht’s los. Sonst schaffe ich gar keine zehn Würfe.“ Was ich ironisch mit einem Lachen verpacke, fühlt sich in meinem rechten Wurfarm wie eine bittere Vorahnung an.

Gleich der erste Wurf landet im Netz

Schließlich geht’s also los. Schiedsrichter Ulf Leibnitz versteckt seine Pfeife hinter dem Rücken. „Jetzt musst du erraten, in welcher Hand meine Pfeife ist. Wenn du richtig liegst, darfst du entscheiden wer anfängt.“ Ich wähle die linke Seite, und Leibnitz offenbart tatsächlich die Pfeife. Ich entscheide mich dafür, meinen Gegner zuerst werfen zu lassen.

Zugegeben: Es ist das einzige Mal, bei dem es ein bisschen nach Handball aussieht. Ins Tor ging dieser Ball trotzdem nicht.

Und es geht auch gleich gut los für den 36-Jährigen, der bereits seit dem Kindesalter Handball spielt. Der erste Versuch sitzt. Es steht 1:0. Bei mir läuft es weniger erfolgreich. Torwart Uli Bartsch hält, und ich ärgere mich, die Aufwärmzeit nicht noch mehr verkürzt zu haben. Und eigentlich geht es auch so weiter, wobei Christian Warschke auch ein paar Fehlwürfe zeigt, über die er sich – sehr zu meiner Freude – auch mit einem lauten „Neeeeiiin!“ ärgert. Alles geht so schnell, dass ich irgendwann nicht mehr mitzähle und frage: „Wie steht’s denn jetzt?“ „5:0“, klärt der Schiri mich auf. Und ich habe noch exakt drei Versuche. Als auch der nächste nicht reingeht, eilt mir Eric Kruse, der mir auch schon beim Aufwärmen einige Tipps gegeben hat, noch einmal zu Hilfe. Das Handgelenk soll ich etwas nach unten abknicken und steifer halten, damit ich etwas tiefer werfe. Und es geschieht noch ein kleines Wunder: Ich mache tatsächlich einen Punkt! Es soll allerdings mein einziger bleiben, denn im letzten Versuch scheitere ich erneut. Am Ende steht es 6:1, und mich beschleicht die Erkenntnis, dass ich die folgenden Tage mit einem heftigen Muskelkater zu kämpfen habe. Christian Warschke hingegen wirkt immer noch entspannt und klärt mich auf: „Nachher ist noch Training.“

Die Serie

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