„Sie ist Menschen wahnsinnig zugewandt“

Interview: Heide Nullmeyer zum Besuch von Erika Pluhar in Hellwege

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Heide Nullmeyer (l.) und ihre Freundin Erika Pluhar sind Ende März zusammen in der Region unterwegs, um Pluhars neues Buch „Gegenüber“ vorzustellen.

Hellwege/Rotenburg - Aus Zusammenarbeit wurde Freundschaft: 1981 drehte die Hellwegerin Heide Nullmeyer fürs Fernsehen einen Film über die österreichische Schauspielerin, Sängerin und Autorin Erika Pluhar. Seitdem fühlen sich die beiden Frauen einander eng verbunden.

Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass Pluhar am Dienstag, 28. März, nach Rotenburg und am Freitag, 31. März, nach Hellwege kommt. Mit Bert Albers von der Zevener Zeitung sprach Heide Nullmeyer über die Frau hinter dem Star und deren Fähigkeit, mit Schicksalsschlägen fertig zu werden.

Frau Nullmeyer, Erika Pluhars Gesicht kennt fast jeder, auch wenn es heute nicht mehr jeden Tag im Fernsehen zu sehen ist. Kann sie sich gerade in Wien in der Öffentlichkeit bewegen, ohne angesprochen, angegafft zu werden?

Heide Nullmeyer: Sie ist einfach eine Figur des öffentlichen Lebens. Egal, wo man mit ihr hinkommt, ist sie der Mittelpunkt. Ich war mal mit ihr in Wien im Theater. Wir kamen da rein, und sofort stürzte sich alles auf Erika. Fernsehteams und alles. „Frau Pluhar, was erwarten sie heute von der Premiere? Was interessiert Sie an dem Stück?“ So ging das. Sie hat nicht umsonst ein Buch mit dem Titel „Die öffentliche Frau“ geschrieben.

Sie haben 1981 einen ersten Film über Erika Pluhar gedreht. Was hat Sie damals an der Person interessiert?

Nullmeyer: Dazu gekommen ist es durch das Buch „Aus Tagebüchern“, das Erika Pluhar 1980 veröffentlicht hatte. Das war der Einstieg, denn ich fand an ihr so unheimlich toll, dass sie sich traute, sich sehr zu offenbaren – und das dann auch zu veröffentlichen. Zuvor hatte ich einen Film über Marika Rökk gemacht, die sich im Interview sehr zurückgehalten hatte und überhaupt nicht authentisch war. Die hat weder über ihre Vergangenheit gesprochen noch über ihre Verwicklungen im Nationalsozialismus. In Erika Pluhars Buch habe ich genau das Gegenteil gefunden. Das Buch habe ich dann zur Grundlage meines Films gemacht. Es war ihr allererstes, inzwischen hat sie 16 veröffentlicht.

Erinnern Sie sich noch an Ihre erste Begegnung?

Nullmeyer: Sicher. Ich hatte vorher ein bisschen Angst davor, mit ihr Kontakt aufzunehmen und zu sagen, dass ich für Radio Bremen arbeite. Denn kurz vorher war sie bei „3 nach 9“ gewesen und dort hatte Wolfgang Menge sie ziemlich hart angefasst. Ich dachte, sie will mit mir vielleicht nichts zu tun haben. Aber das Gegenteil war der Fall. Sie hat mich eingeladen und wir haben uns kennengelernt. Ich hatte sofort das Gefühl einer Seelenverwandtschaft. Wir sind uns sehr nah im Denken und im Spüren.

Aber letztlich war es die Begegnung eines Stars mit einer Journalistin. Wie wurde daraus Freundschaft?

Nullmeyer: Sie unternahm kurz nach dem ersten Film eine Konzertreise nach Portugal und fragte mich, ob ich mitkommen möchte. Das war für mich eine ganz wunderbare Erfahrung, man lernt einen Menschen dann noch einmal ganz anders kennen. Da hat sich unsere Freundschaft vertieft.

Auf Fotos und im Film wirkt Erika Pluhar oft kühl, distanziert, vielleicht sogar geheimnisvoll. Wie ist sie in echt?

Nullmeyer: Geheimnisvoll finde ich gar nicht falsch. Aber sie kann auch sehr lustig sein und ist Menschen wahnsinnig zugewandt. Wenn Menschen unterwegs auf sie zukommen, dann kann sie die auch spontan in den Arm nehmen.

Eine Tochter verloren, gescheiterte Ehen mit Udo Proksch und André Heller, ein Leben im Scheinwerferlicht – Erika Pluhar hat manche Turbulenz hinter sich. Wie ist sie damit umgegangen und fertig geworden?

Nullmeyer: Sie hat sich entschieden, leben zu wollen. Es gab Phasen in ihrem Leben, in denen sie verzweifelt war. Nach dem Tod der Tochter war das in jedem Fall so. Und auch die Trennung von den beiden Ehemännern war keine leichte Sache. Aber sie hat ein Wort geprägt und auch darüber gesungen: trotzdem. Und trotzdem liebe ich und trotzdem lebe ich und trotzdem will ich mein Leben nicht wegwerfen. Dieses Trotzdem ist für sie eine Lebensmaxime.

Mit ihrem jüngsten Buch, „Gegenüber“, kommt Frau Pluhar nach Hellwege und Rotenburg. Was erwartet die Besucher der Lesung?

Nullmeyer: Ich möchte ein bisschen was über Erika Pluhar erzählen und im Hintergrund werden stumm Bilder aus dem ersten Film gezeigt. Dann soll sie lesen. Danach gibt‘s wahrscheinlich eine Pause. Anschließend zeigen wir Auszüge aus dem zweiten Film, der anlässlich ihres 60. Geburtstags entstanden ist, und dann reden wir – oder umgekehrt.

zz

Besuche in der Region

Die 77-jährige Heide Nullmeyer ist in Frankfurt am Main geboren und nach einer Ausbildung zur Großhandelskauffrau sowie diversen Auslandsaufenthalten 1969 zu Radio Bremen gekommen. Für den Sender gestaltete sie bis 2005 mehr als 100 Filme. Sie drehte Dokus, Frauen-Biografien und Promi-Porträts. Zu den Berühmtheiten, die sich ihren Fragen stellten, gehören Johannes Heesters, Hildegard Hamm-Brücher, Rudi Carrell und Gitte Haenning.

Für ihren Film „Ich heiße Erika und bin Alkoholikerin“ von 1979 wurde Heide Nullmeyer für den Grimme-Preis nominiert. Heide Nullmeyer ist mit dem Kameramann Günther Wedekind verheiratet. Seit 1988 gibt sie zudem Seminare als Psychologin. Das Psychologie-Diplom erlangte die Hellwegerin nebenberuflich an der Uni Bremen. Der Besuch Erika Pluhars und Heide Nullmeyers im Auditorium des Kantor-Helmke-Hauses in Rotenburg findet am Dienstag, 28. März, 20 Uhr, statt. Am Freitag, 31. März, sind die beiden ab 19 Uhr im Heimat- und Kulturhaus Hellwege. Der Vorverkauf für diesen Termin läuft über die Buchhandlung Wilkens in Sottrum. Tickets kosten zehn Euro.

iq/zz

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