Zwei von wenigen

Selten auf den Feldern: Clüversborsteler Bauern bauen Knoblauch an

Anna Kenn-Cordes und Lennart Cordes bewirtschaften in Clüversborstel 20 Hektar biologisch und bieten die Produkte im Hofladen an.
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Anna Kenn-Cordes und Lennart Cordes bewirtschaften in Clüversborstel 20 Hektar biologisch und bieten die Produkte im Hofladen an.

Knoblauch kommt nicht häufig vor auf den Feldern der Region. Ein Ehepaar aus Clüversborstel baut ihn nun an.

Clüversborstel – In der mediterranen Küche hat Knoblauch, dem viele gesundheitsfördernde Eigenschaften zugesprochen werden, schon lange einen festen Platz. Auch in Deutschland lernen immer mehr Menschen die positiven Eigenschaften von Knoblauch zu schätzen. Inzwischen werden die Knollen nicht nur importiert, sondern sogar hier angebaut. Zu den ersten Bio-Bauern in der Region, die Knobi, wie er manchmal liebevoll genannt wird, aus der eigenen Ernte anbieten, gehören Anna Kenn-Cordes und Lennart Cordes.

„Die Kulturführung ist sehr anspruchsvoll, wir können noch viel lernen“, berichtet Anna Kenn-Cordes, die zusammen mit ihrem Ehemann in Clüversborstel 20 Hektar Grün- und Ackerland biologisch bewirtschaftet. Die Fläche ist ein Teil des Hofes, der von Herbert und Christiane Cordes, den Eltern von Lennart, geführt wird. „Die Umstellung auf biologische Landwirtschaft dauert zwei Jahre. Erst dann erfolgt die Zertifizierung“, weiß Kenn-Cordes. Um den Ackeranteil so vielfältig wie möglich zu bewirtschaften und eine Nische zu finden, wurde ein kleiner Teil für Knoblauch reserviert.

Der Knoblauch trocknet im ehemaligen Hühnerstall.

Die ersten Berührungspunkte mit dem Anbau der ursprünglich von Zentralasien bis zum nordöstlichen Iran beheimateten Pflanzengattung gab es für das Ehepaar in Witzenhausen bei Kassel, wo sie sich während des Studiums der Ökologische Agrarwissenschaften kennen und lieben gelernt hatten. „Knoblauch soll unkompliziert sein. Das stellte sich aber anders heraus“, erzählt Lennart Cordes. So ergibt sich nach der ersten Fruchtfolge Verbesserungsbedarf in der Pflanztechnik und es sollen sich Winterschäden nicht wiederholen.

Dazu gehört aber auch der Kampf gegen das Unkraut. „Während beispielsweise Kartoffeln schnell viel Laub bilden und sich somit ein Bestandsschluss ergibt, ist das bei Knoblauch nicht der Fall“, erklärt Anna Kenn-Cordes und fügt schmunzelnd hinzu: „Die Hacke war schon mein dritter Arm.“ Inzwischen ist aber die erste Ernte eingebracht, die im ehemaligen Hühnerstall getrocknet wird. „Der Verkauf läuft bei uns auf dem Hof noch etwas schleppend, aber in Bremen-Walle in einem kleinen Lebensmittelladen, mit dem wir zusammenarbeiten, ist die Nachfrage umso höher“, sagt Kenn-Cordes.

In Clüversborstel übertrifft die Nachfrage die Erwartungen

Anders als beim Knoblauch übertrifft bei allen anderen Produkten auch in Clüversborstel die Nachfrage die Erwartungen. „Schön, dass es die Leute annehmen. Es wird immer mehr Wert auf Regionalität gelegt“, freut sich die 32-Jährige. In dem kleinen Selbstbedienungsladen sind neben Knoblauch je nach Saison auch Kartoffeln, Tomaten, Gurken, Paprika, Möhren, Rote Beete und Kürbisse im Angebot. Sogar einzelne Blumensträuße sind in dem für den Verkauf hergerichteten Raum zu finden.

Aus den vielen Kräutern und Blühpflanzen, an denen auch Bienen ihre Freude haben, trocknet das Ehepaar verschiedene Blüten, und bietet sie als Tee an. Im kommenden Jahr wird ab Spätsommer das Sortiment um hochwertiges Fleisch „Made in Clüversborstel“ erweitert. „Wir haben sieben Deutsche Shorthorn Mutterkühe, die inzwischen vier Kälber bekommen haben“, erzählt Anna Kenn-Cordes, die vor ihrem dualen Studium in der Landwirtschaft das Studium Sprache, Kultur, Translation mit dem Bachelor abschloss. „Da ich aber merkte, dass ich damit nicht glücklich werde, absolvierte ich ein Praktikum auf einem Demeter-Hof“, so Kenn-Cordes.

Im Anschluss folgte das duale Studium in Witzenhausen, einem Standort der Uni Kassel. „Die Uni ist komplett auf ökologische Landwirtschaft ausgelegt“, erklärt Anna Kenn-Cordes. Zusammen mit Ehemann Lennart bewirtschaftet sie in der GbR 20 Hektar und sorgen für Sohn Tom, der im August zwei Jahre alt wird.

Mehrere Standbeine werden vier Generationen ernährt

Noch reicht der Ertrag aber für die kleine Familie, die noch in Sottrum zur Miete wohnt, nicht aus. Daher arbeitet Lennart Cordes zusätzlich in der konventionellen Landwirtschaft des elterlichen Hofes sowie der Biogasanlage, die als Nebenprodukt zum Strom das Sottrumer Freibad, Schulen und Privathaushalte in Clüversborstel mit Wärme versorgt.

„In dieser Kombination können unsere vier Generationen ernährt werden“, sagt der 28-Jährige, dessen Oma Hanna ebenfalls auf dem Hof in Clüversborstel lebt. Für das kommende Jahr ist der Umzug von Anna, Lennart und Tom vorgesehen, denn Herbert und Christiane Cordes sind mit den Planungen für einen Wohnhausneubau, der auf dem hinteren Teil des Grundstückes erfolgen soll, weit fortgeschritten. „Mit der Fertigstellung haben wir alle ausreichend Platz“, freut sich schon jetzt Lennart Cordes auf die Rückkehr in seinen Heimatort.

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