Ein Selbstversuch beim Schützenverein Bötersen zeigt, dass das Schießen Konzentration erfordert

„Es geht um die Gemeinschaft“

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Unser freier Mitarbeiter Matthias Daus probiert sich beim Schießen aus.

Bötersen - Von Matthias Daus. Die Zeiten sind nicht gerade leicht für das dörfliche Vereinsleben. Mitgliederschwund und Nachwuchssorgen sind die vorherrschenden Themen. Gerade die Schützenvereine bekommen das deutlich zu spüren, denn durch ihre militärisch anmutenden Strukturen wirkt sie auf manche nicht modern. Aber was ist überhaupt zeitgemäß und müssen sich traditionelle Vereinigungen überhaupt so präsentieren?

Der Schützenverein Bötersen ist vom Mitgliederschwund im Moment nicht betroffen – verzeichnet aktuell sogar einen Zuwachs von neun Mitgliedern, davon sechs in der Schützenklasse, als Quereinsteiger. Diese Zahl sollte den Verein optimistisch stimmen. Doch worin liegt eigentlich der Reiz, mit einem Gewehr auf Zielscheiben zu schießen, und warum gibt es gerade in Bötersen diesen unerwarteten Zuwachs? Um dem nachzugehen, mache ich mich auf den Weg zum Schießwart Hartwig Müller und versuche mich bei einem Probetraining.

Meine Erfahrungen im Schießen beschränken sich auf einige Fehltreffer an einer Bude bei der Dorfkirmes in meiner Kindheit. Das ist also schon ein paar Jahre her. Dementsprechend war meine Vorfreude groß, meine Zielgenauigkeit unter professionelleren Umständen zu testen. Meiner Ungeduld zum Trotz machte mich Hartwig Müller zunächst mit den Sicherheitsregeln vertraut. Sie sind eine Grundvoraussetzung für jeden Schützenverein und wird auch in Bötersen groß geschrieben. Das fängt bei der sachgemäßen Lagerung der Waffen an und endet mit den Regelungen während eines Schießens.

Dann ist es soweit. Mit einem vereinseigenen Gewehr versuche ich auf 50 Meter Entfernung eine 14 mal 14 Zentimeter große Scheibe, die auf diese Distanz mit dem bloßen Auge kaum noch zu erkennen ist, zu treffen. Ich schieße im Sitzen, und das Gewehr lagert dabei auf zwei Sandsäcken. So ist es einfacher als erwartet. Schon mein sechster Schuss ist ein Volltreffer. Ich bin stolz und lasse mir nebenbei erklären, wie das Vereinsleben gestaltet ist. „Es geht in erster Linie um die Gemeinschaft“, erklärt Jens Windmüller, Pressewart des Vereins, der auch bei meinem Probetraining dabei ist.

Die meisten Wettbewerbe in Bötersen sind vereinsintern. Allerdings besteht auch die Möglichkeit, an den sogenannten Rundenwettkämpfen teilzunehmen. Dort messen sich Mannschaften verschiedener Orte auf Ebenen, die nach Leistungsstand gestaffelt sind. Aus Bötersen haben es sogar schon einige Schützen bis zur Landesebene geschafft – Hartwig Müller war bereits Landesmeister.

Nun geht es für mich im Stehen weiter mit dem Schießen. Das Gewehr lagert dabei nur mit dem vorderen Griff auf einer Art Stütze. Es ist dadurch ungleich schwieriger, das Ziel anzuvisieren. Jetzt merke ich, wie wichtig es ist, einen festen Stand zu haben und gleichmäßig zu atmen. Aber gerade das bereitet mir Schwierigkeiten. Die Schüsse werden ungenauer. Je mehr ich davon abfeuere, desto größer ist die Anstrengung, um eine ausreichende Konzentration zu erlangen. Meine Ergebnisse fallen entsprechend schlecht aus. Der Stolz auf meine anfänglichen Erfolge ist dahin. Aber die beiden Schützen versichern mir, dass ich mich achtbar geschlagen hätte – für einen blutigen Anfänger.

Was denn das beste am Dasein im Schützenverein sei, frage ich meine geduldigen Informationsgeber. „Das Schützenfest natürlich“, sagen beide wie aus einem Mund. Denn da wird nicht nur darum gerungen, wer der beste im Verein ist, es ist vielmehr eine Veranstaltung für die ganze Gemeinde. „Wir wollen uns präsentieren und mit möglichst vielen Dorfbewohnern ein großes Fest feiern“, sagt Hartwig Müller. Allerdings sind die Besucherzahlen seit einigen Jahren unbefriedigend und es macht den Anschein, dass es schon fast eine vereinsinterne Feier geworden ist. Um diesem Trend entgegenzuwirken, hat sich der Schützenverein Bötersen verstärkt um die Öffentlichkeitsarbeit gekümmert und im vergangenen Jahr auch einen Tag der offenen Tür veranstaltet. Dieser war ein Erfolg und hat letztendlich auch das Interesse der neuen Mitglieder geweckt.

Für das Schützenfest in diesem Jahr am kommenden Samstag wird es als Neuerung freien Eintritt auf dem Schützenball in „Zürns Scheune“ geben. „Wir hoffen, dass dadurch viele Bürger einfach mal auf die Idee kommen, vorbeizuschauen und bestenfalls mit uns den ganzen Abend zu feiern“, erklärt Jens Windmüller die Strategie.

Auf ein abschließendes Freihandschießen im Stehen, bei dem die Waffe nur von mir gehalten wird, verzichte ich angesichts meiner zuletzt unbefriedigenden Ergebnisse mit dem Hinweis, dass bisher ja niemand zu Schaden gekommen sei und ich dies auch möglichst beibehalten wolle. Schmunzelnd schließt Hartwig Müller die Waffe ordnungsgemäß wieder in den Tresor und wir beenden mein Probetraining.

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