Ratsmitglied Heinz-Wilhelm Oetjen rüstet Gemeindeeigentum auf LED-Leuchten um

Selbst ist der Mann

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Die Leuchten haben erneut für Diskussionen gesorgt.

Sottrum - Heinz-Wilhelm Oetjen (FDP) ist unter die Gemeindearbeiter gegangen – das könnten zumindest jene vermuten, die am Montagabend die Sitzung des Finanzausschusses der Gemeinde Sottrum besucht haben.

Zwar war der Ratsherr selbst nicht anwesend, aber sein Sohn und Parteikollege, Jan-Christoph Oetjen. Und der hatte etwas im Gepäck: die Haube einer Dekoleuchte, wie sie im gesamten Gemeindegebiet zu finden sind, inklusive HQL-Leuchtmittel. Ausgeschraubt hatte die, so erzählte es das Ausschussmitglied, nämlich sein Vater in der Straße, in der er wohnt. Und dann hat er die HQL-Leuchte noch gegen eine 40-Watt-LED-Variante getauscht.

Rückblick: Schon in der letzten Sitzung des Bauausschusses am 13. Februar hatte Heinz-Wilhelm Oetjen Kritik am Vorschlag geäußert, im Ortskern sämtliche Dekoleuchten inklusive Masten und Co. auszutauschen. Kostenpunkt dieser großen Maßnahme: 321 800 Euro. Eine endgültige Entscheidung gab es in der Sitzung nicht, abgesehen davon, dass die Verwaltung die Summe zunächst im Haushalt darstellt, um dann erneut zu diskutieren.

Auf der Suche nach einer kostengünstigeren Lösung für den Austausch hat sich Oetjen Senior also kurzerhand selbst um die Umrüstung gekümmert und eine LED-Leuchte aus dem Baumarkt eingebaut. „Die kostet einen Euro“, erklärte Jan-Christoph Oetjen in der Sitzung. Auch er wollte nicht so viel Geld für die Umrüstung ausgeben: „Das ist ein Umgang mit Steuergeld, den ich nicht mittragen möchte. Der Ansatz ist maßlos übertrieben.“ Letztlich scheiterte er aber bei drei Gegenstimmen und drei Enthaltungen mit seinem Antrag, den Ansatz von 321 800 auf 20 000 Euro zu reduzieren. Allerdings einigten sich die Ausschussmitglieder einstimmig, den Ansatz mit einem Sperrvermerk zu versehen. Möglich ist auch noch, so der Tenor, dass sich künftig der Stromversorger EWE um Wartung und Umrüstung der Leuchten kümmert. Man sei in Gesprächen mit dem Unternehmen, teilte die Verwaltung mit.

Heinz Wilhelm Oetjens Aktion hat allerdings nicht für große Freude gesorgt, denn bei den Leuchten handelt es sich um Gemeindeeigentum, an dem nicht einfach Bürger hantieren dürfen – auch Ratsherren nicht. Gemeindedirektor Holger Bahrenburg erklärt auf Nachfrage, dass bei bei solch einem eigenmächtigen Vorgehen die Betriebserlaubnis erlischt: „Es wird ein Leuchtmittel eingesetzt, das für die dazugehörige Leuchte nicht zertifiziert ist.“ Zudem weist Bahrenburg darauf hin, dass so ein eigenmächtiges Vorgehen – gerade an den Leuchten – auch gefährlich ist. Schließlich droht ein Stromschlag, wenn so etwas nicht fachgerecht durchgeführt wird. Intern habe die Verwaltung Oetjens Vorgehen erörtert und „sachgerecht“ mit allen Ratsmitgliedern aufgearbeitet. Bahrenburg: „Grundsätzlich sind wir als Verwaltung offen für Vorschläge, um Geld zu sparen.“ Aber bitte nicht so.

iq

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