Sottrum: Wolf Linne spricht über seine Bürgermeister-Kandidatur

„Sehe mich als Profi und Fachmann“

Wolf Linne will Bürgermeister der Samtgemeinde werden. Rückendeckung bekommt er von den Parteien im Rat.
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Wolf Linne will Bürgermeister der Samtgemeinde werden. Rückendeckung bekommt er von den Parteien im Rat.

Sottrum/Unterstedt – Im Wettbewerb um das Bürgermeisteramt in der Samtgemeinde Sottrum steht der Kandidat der Fraktionsparteien im Rat, Wolf Linne, für Pragmatismus. Nach seiner Zeit bei der Otto Gruppe in Hamburg und als Leiter des Rechnungsprüfungsamtes des Landkreises Rotenburg möchte der Unterstedter versuchen, erfolgreiche Führungskonzepte aus der Wirtschaft auch auf das Rathaus in Sottrum umzumünzen. Im Interview erklärt er, was ihm vorschwebt.

Herr Linne, was treibt Sie an, für das Bürgermeisteramt zu kandidieren?

Ich bin jetzt Mitte 50, war fast 15 Jahre bei der Otto Gruppe und jetzt fast 15 Jahre beim Landkreis, habe also fast 30 Jahre Berufserfahrung. Bei mir kommt halt irgendwann der Zeitpunkt, wo ich Lust habe, etwas Neues zu machen. Aus meiner Sicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen. Ich habe im Rechnungsprüfungsamt soweit alles organisiert und strukturiert, sodass ich keine großen Perspektiven mehr sehe. Letztendlich bin ich in einem Dienstleistungskonzern groß geworden. Für das Thema Dienstleistungen – beraten, begleiten und informieren – stehe ich einfach. Und in der Funktion als Samtgemeinde-Bürgermeister würde ich im Grunde genommen sehen, dass ich diese Eigenschaften, mit denen ich mich identifiziere, einfach besser zum Tragen bringen kann, als es aktuell der Fall ist.

Wie gut kennen Sie Ihren Kontrahenten Holger Bahrenburg?

Da kann ich nur das wiedergeben, was er auch gesagt hat: Wir kennen uns vom Sehen und haben beruflich ein paar Mal miteinander zu tun gehabt. Ich habe nur einen sehr oberflächlichen Eindruck von ihm. Ich kann ihn weder als Persönlichkeit noch als Verwaltungsfachmann bewerten.

Er meinte, Sie hätten mal gegeneinander Fußball gespielt. An ein Ergebnis Unterstedt gegen Horstedt konnte er sich aber nicht erinnern. Sie schon?

Es waren ja mehrere Spiele. Mit Horstedt war es immer ein enger Kampf. Das muss in der Mitte der 90er gewesen sein, und es waren immer enge Spiele. Ich glaube, Horstedt hat ein paar mal gewonnen, aber wir lagen auch ein paar Mal vorne.

Hat er im Wahlkampf eine Chance gegen Sie?

Ja natürlich. Ich bin niemand, der andere Menschen nicht respektiert oder unterschätzt. Das wäre sicher das Falscheste, das ich tun könnte. Ich denke, mit meinem Werdegang habe ich sicherlich Vorteile. Aber er ist in der Samtgemeinde verknüpft, hat dort seinen Bekannten- und Freundeskreis und kennt die Verwaltung an sich. Die Bürger, die sich vielleicht nicht mit der Position eines Samtgemeinde-Bürgermeisters auseinandersetzen – wofür er steht und was für Aufgaben er hat –, wählen eher denjenigen, den sie schon mal gesehen oder von dem sie gehört haben, als den, der von außen vorgestellt wird.

Bösartig formuliert könnte man Herrn Bahrenburg als langjähriges Verwaltungsmitglied einen gewissen Rathaus-Mief unterstellen. Braucht man im Rathaus frischen Wind?

Ich habe mich ja nicht angeboten als Kandidat. Alle Fraktionen im Samtgemeinderat haben sich dazu entschieden, einen gemeinsamen Kandidaten zu suchen. Ich denke, dass man zuerst in die eigene Verwaltung geguckt hat. Es hat ja auch Gespräche mit Frau Wendt (Erste Samtgemeinderätin Kerstin Wendt; Anm. d. Red.) gegeben, die ich auch sofort als Kandidatin gesehen hätte von ihrer Qualifikation her. Sie hat sich aber nicht bereit erklärt. Dann ist man auf mich zugekommen, und das hat sicherlich seine Gründe: Ich bin Diplom-Kaufmann und kenne die Privatwirtschaft und bin in einem wirklich großen, professionellen Umfeld beruflich groß geworden, habe dort das Führungskräfteprogramm durchlaufen und dann innerhalb von kürzester Zeit beim Landkreis den „Positionswechsel“ vom normalen Prüfer zum Amtsleiter vollzogen.

Aber Sie werden sich doch sicherlich bereits ein wenig mit der Sottrumer Verwaltung beschäftigt haben. Was würden Sie als Erstes angehen, sollten Sie die Wahl gewinnen?

Der erste Tag ist wie bei einem neuen Arbeitgeber natürlich immer vom gegenseitigen Kennenlernen geprägt. Zeitnah würde sich um den 1. November auch der neue Rat konstituieren, und das ist auch die heiße Phase, in der die Haushaltspläne für das Jahr 2022 zusammengestellt würden. In diesen Haushaltsplänen ist ja schon eine ganze Menge Material, das perspektivisch die Weichen stellt. Und das zu begleiten und zu beraten, Prioritäten zu setzen: Das wäre sicherlich das Erste, das ich angehen würde.

 Die Instrumente und Hebel für die Motivation sind halt sehr unterschiedlich. 

Wolf Linne, Bürgermeister-Kandidat

Sie sind Leiter des Rechnungsprüfungsamtes, waren bei der Otto Gruppe in höherer Position tätig. Inwieweit sind Verwaltung und Betrieb in Ihrer Vorstellung vergleichbar?

Vom Aufbau ist es schon ähnlich. Deshalb habe ich die Samtgemeinde auch immer mit einem mittelständigen Unternehmen verglichen, das einer Familie gehört, aber nicht von einer Familie geführt wird, sondern von einem fremden Manager. Diese Struktur findet man in der Verwaltung auch wieder. Die Instrumente und Hebel für die Motivation sind halt sehr unterschiedlich. In der Privatwirtschaft werden Schwerpunkte gesetzt, es wird versucht, frühzeitig Mitarbeiterpotenziale zu erkennen, sie zu fordern, zeitgleich zu fördern und zu entwickeln, dass sie gezielt das Unternehmen voranbringen. Im Öffentlichen Dienst ist das schon statischer – etwa bei der Besoldungsstruktur. In der Wirtschaft gibt es Tantiemen, es gibt Belohnungssysteme, jährliche Tarifrunden. Das alles fehlt im Öffentlichen Dienst völlig. Es ist egal, ob jemand seinen Job nicht, befriedigend oder spitzenmäßig erfüllt: Alle verdienen das Gleiche. Das ist aus meiner Sicht einer der Hauptargumente, warum der Leistungsgedanke nicht bei allen so verankert ist. Es sei denn, sie haben von sich aus eine hohe Eigenmotivation und Erwartungshaltung.

Wie kann man das „Fördern und Fordern“ in einer Verwaltung stärken?

Ich habe beim Landkreis schon versucht, Stellen höher bewerten zu lassen, indem Aufgaben zum Beispiel anders strukturiert worden sind. Die Spitzenleute habe ich versucht, in höhere Stufen zu bringen. Das ist mir ehrlich gesagt in einem einzigen Fall gelungen. Ansonsten kann man als Führungskraft das vorleben, was man von den eigenen Leuten erwartet. Wenn sie merken, dass der Chef als Letzter geht, wenn viel zu tun ist, und immer bereit ist, mit anzupacken, geht das auf die Leute über. Ich lebe es, glaube ich, vor, sehr wirtschaftlich zu denken, sehr engagiert zu sein, und ich muss sagen, dass meine Leute, die ich eingestellt habe, meinen Weg komplett mitgehen. Ich lasse einen hohen Freiheitsgrad, weiß was meine Leute können, und kann sie alleine laufen lassen. Ich kann eine Aufgabe delegieren und auch die Verantwortung dafür. Ich kann die Kolleginnen und Kollegen die Arbeitsergebnisse vertreten lassen. Das ist natürlich etwas, woraus sie eine gewisse Befriedigung ziehen, wenn sie sehen, dass sie selbstständig arbeiten können. Da kann man den Leuten auch zeigen, dass Vertrauen oder auch Wertschätzung da sind.

Sie betonen immer wieder eine Verwaltung als Dienstleisterin. Wird das Amt des Samtgemeinde-Bürgermeisters politisch überschätzt?

Es kommt darauf an, wie man es ausfüllen möchte. Wenn ich zum Beispiel nach Rotenburg gucke, würde es Sachen, die in dem politischen Klima passiert sind, bei mir nie geben. Im Grunde genommen sehe ich mich als Profi und als Fachmann. Und wenn ich dann einen Beschluss vorbereite, die Politik das aber anders sieht, dann wäre es meine Aufgabe, das zu akzeptieren und den Beschluss auch zu 100 Prozent umzusetzen. Auch wenn ich nicht hundertprozentig davon überzeugt bin, dass es richtig ist. Politik sind auch immer die Parteien. Der Bürgermeister hat zwar auch eine Stimme im Rat, ich sehe ihn aber eher als Zünglein an der Waage. Und wer mich kennt, weiß, dass ich sehr ergebnisorientiert und sachlich denke und handle.

Wenn Sie auf die Samtgemeinde Sottrum schauen, gäbe es da ein Ziel, das Sie gerne erreichen wollen?

Es gibt mehrere Ziele. Das oberste Ziel – ich habe es schon mehrfach gesagt – ist der Dienstleistungsgedanke. Ich glaube, wenn man mit gutem Beispiel vorangeht und etwas vorlebt, zeigt, wie man mit Problemstellungen, Bürgern oder Bürgermeistern der Mitgliedsgemeinden umgeht, und eine Richtschnur vorgibt, man da etwas bewegen kann durch die eigene Haltung. Ich weiß aus der Politik, dass in Teilbereichen die Zufriedenheit nicht so groß ist. Um diese Dienstleistungen bürgerfreundlicher zu gestalten und nach vorne zu bringen, gibt es mehrere Bausteine. Das, was ich weit vorne sehen würde, ist eine EDV-Infrastruktur, nicht nur für die Verwaltung, sondern für alle Liegenschaften wie Bücherei, Freibad, Schulen oder Klärwerk und gleichzeitig die Mitgliedsgemeinden mit einschließt. Dass man die Möglichkeiten der Digitalisierung mit ausschöpft. Das würde ich versuchen, in den nächsten fünf Jahren zumindest auf den Weg zu bringen.

Zum Schluss ganz anderes Thema: Sie sind Werder-Fan, hält sich die Mannschaft in der Bundesliga?

Es sieht gut aus.

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