Schwarz auf heiß

Der Asphalt kommt: Bundesstraße 75 in Sottrum erhält eine neue Haut

Wo neuer Asphalt auf die Straße kommt, gibt es auch mal Überschuss. Der lagert dann am Straßenrand.  
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Wo neuer Asphalt auf die Straße kommt, gibt es auch mal Überschuss. Der lagert dann am Straßenrand.  

Sottrum – Der Boden bebt. Als die Walze im Rückwärtsgang vorbeifährt, zieht ihre Vibration durch den Untergrund bis in die Waden der Passanten. Der frische, sorgfältig planierte Untergrund strahlt Wärme ab, die Luft stinkt nach Teer. Die Bundesstraße 75 in Sottrum bekommt zwischen der Straße Auf der Loge und der Karl Hüsing GmbH eine neue Asphaltdecke, begleitet vom lauten Getöse der Maschinen. Die Sanierung von 600 Metern Straße und Radweg geht voran.

Die Oberfläche von Letzterem ist abgefräst, was übrig bleibt, liegt reichlich verkratzt zwischen Straße und Häusern. Drumherum sind die Fortschritte an den Oberflächen schon deutlicher zu sehen. Kein Wunder, sind doch zu Spitzenzeiten wie beim Asphalteinbau 18 Mitarbeiter vor Ort, im Schnitt sind es sechs. Der Asphaltpolier, die Pflasterer, Fahrbahnmarkierer, Straßenbauer, Tiefbauer & Co. arbeiten in Richtung Fertigstellung. Die sollte eigentlich bis Freitag erfolgen – „dies verzögert sich aufgrund von zusätzlich festgestellten Schäden in der Entwässerungsrinne“, teilt Tim Lührsen von der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr mit. Wann es so weit ist? Teilt er später mit.

Am Asphaltfertiger sind viele Kräfte zugange.

Der Asphaltfertiger, ein Koloss von einem Gerät mit eigener Fahrkabine, bedeckt die halbe Fahrbahn. Um die andere Hälfte kümmert sich ein gleichartiges Gerät. Beide sind mit eigener Mannschaft ausgestattet, vier bis fünf Arbeiter sind jeweils aktiv. Langsam schiebt sich der Koloss von der Kreuzung Bahnhofstraße in Richtung Tankstelle. Vor ihm augenscheinlich angedockt ein großer Lastwagen, der seine Mulde nach und nach auf den Fertiger leert. Der Asphaltpolier läuft mit der Konsole am hinteren Ende des Kolosses mit – bis einer seiner Arbeitskollegen aufbellt und damit sogar das ohrenbetäubende Brummen der Maschinerie übertönt. Er lässt von der Konsole ab, geht zu seinem Kollegen. Kurz darauf bessern beide mit Schaufel & Co. die Fläche aus, ehe es für den Polier zurück an die Konsole geht.

Alles muss stimmen an diesem Tag: Die Asphaltmasse muss die richtige Temperatur haben. Damit sie nicht zu kalt wird, wird sie vom Mischwerk aus mit speziellen Thermomulden angeliefert, erklärt einer der Arbeiter. „Die Masse behält dann eine Temperatur von 160 bis 180 Grad“, sagt er. Das ändert sich, sobald sie über die beiden Fertiger vor Ort aufgetragen und von den nassen Walzen planiert wird.

Der Grund für den Dampf: Feuchtautomatik der Walzen.

Die dampfenden Muldenkipper stehen auf beiden Fahrbahnen in Fahrtrichtung Ottersberg. Sie bilden zwei Schlangen vor den beiden Asphaltfertigern. Ist der angedockte Laster leer, fährt er davon und macht Platz für den nächsten in der Schlange. Kurze Hupsignale helfen bei der Koordination, ins Dröhnen des Fertigers mischen sich Motorengeräusche – kein Wunder, dass alle Ohrenschützer tragen, wenn sie an dem Guss der neuen Haut mitwirken.

Schlange stehen im Lkw.

Fahrten und Wartezeiten in der Schlange wird es bis zur Fertigstellung einige geben: 1 550 Tonnen Asphalt kommen so auf die Straße, das entspricht rund 62 Lkw-Ladungen. Zuvor mussten aber erst mal 1 650 Tonnen Asphaltfräsgut entfernt werden. Was alles gemacht wird, weiß Lührsen: Die Entwässerungsrinne wird saniert, beschädigte Stellen werden ausgebaut und erneuert. Anschließend bauen die Arbeiter eine Binderschicht und darüber eine Asphaltdeckschicht ein. Letztere trennen sie durch Schneiden von der Rinne. Die entstehende Fuge zwischen Rinne und neuer Asphaltdeckschicht wird anschließend verfüllt. Letztlich werden die Seitenbereiche an die neue Fahrbahnhöhe angepasst. Den Schlussstein bilden die neuen Fahrbahnmarkierungen.

1 550 Tonnen wollen auf 600 Metern gut und gleichmäßig verteilt werden. Auch die Dichte muss stimmen. Einer der Männer sprüht einen roten Farbpunkt auf die schwarze Fläche, legt kurz danach ein tellergroßes, schwarzes und trichterförmiges Gerät mit Display und Bedienfeld auf die neue Fahrbahn: die Asphaltsonde. „Sie misst die Verdichtung der Schicht. Wenn die Walze da rüber fährt, muss ich irgendwann sagen: Stopp. Denn der Asphalt verhärtet, kühlt ab, und wenn man nicht aufpasst, wird er irgendwann bröckelig“, erklärt der Mann mit der Sonde.

Neugierige Zuschauer.

Das laute Schauspiel zieht einige Zuschauer an. Sie beobachten die Arbeiten entspannt vom Gehweg aus. Ein kleiner Junge in gelber Jacke starrt dabei wie gebannt auf den großen Asphaltfertiger. Ob das spannend ist? „Ja!“, ruft der Junge und wendet sich wieder interessiert den Maschinen zu.

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