Nicht alle Schulkinder genießen die Freiheit der Corona-Hausarbeit

„Schule ist besser“

Nele Sopie Wahlers vermisst soziale Kontakte.

Sottrum – Statt Frontalunterricht im Klassenzimmer gibt es für Deutschlands Schüler mindestens bis zur Woche nach Ostern „Homeschooling“. Wir haben mit einigen Schülern und Eltern aus der Samtgemeinde Sottrum gesprochen, wie sie mit der ungewohnten Situation zurechtkommen.

„Zu Hause macht es mehr Spaß“, sagt Maurice aus Stapel, der die fünfte Klasse der KGS Tarmstedt besucht. Die über das Internet gestellten Aufgaben – Wiederholungen, aber auch neuer Stoff – hat der Elfjährige innerhalb von 30 bis 60 Minuten erledigt. Bei Fragen im Englischunterricht hilft Maurice seine Schwester Valerie (17), die bereits eine Ausbildung absolviert.

Mehr zu tun haben Janin (10) und Saskia Dodenhoff aus Reeßum, ebenfalls an der KGS. „Es ist etwas viel, was die Kinder an Aufgaben bekommen“, meint deren Mutter Martina Dodenhoff. Jeden Morgen um 8.30 Uhr sitzen ihre Töchter an den Hausaufgaben, die sie über den Schulserver Iserv erhalten. Martina Dodenhoff vermisst nach Abgabe der Ergebnisse das Feedback der Lehrer. Noch mehr fehlen aber Janin und Saskia ihre Klassenkameraden. „Sie gehen gerne zur Schule, die Sommerferien dauern ihnen schon zu lange“, so Dodenhoff.

Das könnte Mathis Gröger (11), der die fünfte Klasse am Sottrumer Gymnasium besucht, nicht passieren. „Sag nicht, dass du dich auf die Schule freust“, flüstert er seinem Bruder Jonas (14) zu. Seinen Homeoffice-Arbeitsplatz hat Mathis im Wohnzimmer der Familie eingerichtet. „So habe ich ihn im Blick und kann bei Unklarheiten helfen“, erklärt Mutter Kerstin, die die Schließung der Schulen und Kindergärten als „Herausforderung für die ganze Familie“ sieht. Sie empfindet es als unglücklich, dass es mit Mail, Tool und „OneNote“ gleich drei verschiedene Möglichkeiten gibt, wie die Aufgaben gestellt werden. „,OneNote’, ein wohl gutes Programm, kannten die Schüler nicht und mussten sich selbst reinfuchsen“, erzählt Kerstin Gröger. Das „Reinfuchsen“ übernahm Mathis Bruder Jonas, der in der neunten Klasse des Gymnasiums ist. Von den Gymnasiasten der höheren Klassen wird erwartet, dass sie sich Unterrichtsstoff selbst beibringen.

Beim Engagement der Lehrer gibt es eine große Spannweite: Während es in einigen Fächern sehr gut läuft, wobei es bei einem Pädagogen nach Abgabe der Lösungen sogar jedes Mal eine Rückmeldung gibt, haben die Neuntklässler in den zwei Wochen Homeschooling in einem Hauptfach noch keine einzige Aufgabe bekommen. „Der Vorteil ist, dass ich mir die Zeit selbst einteilen kann“, berichtet Jonas, der die Möglichkeit nutzt und etwas länger schläft. Jedoch fehlen dem Sottrumer seine Freunde, die er sonst täglich in der Schule sieht.

Ähnlich sieht es auch seine Klassenkameradin Nele Sophie Wahlers. „Ich vermisse die sozialen Kontakte“, sagt die Reeßumerin und geht noch einen Schritt weiter: „Ich wäre lieber in der Schule“. Täglich investiert die 15-Jährige drei bis vier Stunden in die Abarbeitung der gestellten Aufgaben.

Etwas weniger Zeit muss die Zehntklässlerin Emma Monsees, ebenfalls Schülerin am Sottrumer Gymnasium, aufwenden. „Es sind täglich zwei bis drei Stunden“, so die 15-jährige Reeßumerin. Außer bisher in Mathe, wo überwiegend Wiederholungen anstanden, wird neuer Stoff vermittelt. Die freie Zeiteinteilung kommt ihr dabei zu Gute. Obwohl sie es genießt, morgens eine Stunde länger schlafen zu können, möchte sie den Zustand nicht über eine zu langen Zeitraum haben. „Ich freue mich auf Freunde, Gruppenarbeit und manchmal auch auf das Laute oder einen Zwischenruf, der nicht zum Thema passt“, sagt Emma Monsees. Betty Henke, die die achte Klasse an der Oberschule der Wiestegemeinde besucht, kommt zugute, dass zuvor das Praktikum absolviert wurde. „Unsere Mappe haben wir über Iserv hochgeladen“, so die Reeßumerin. Hauptsächlich stehen bei den Aufgaben Wiederholungen an. Obwohl ihr am Anfang die entspannte Situation gut gefiel, stellt sie nach einigen Tagen fest: „Schule ist besser.“

Im „Haus Ivlo“, wo elf Kinder ab dem Kindergartenalter leben, hat Stefan Seifert-Stawicki mit seinem Team feste Zeiten für die Schule vorgesehen. So stehen von montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr Schularbeiten auf dem Stundenplan. „Alle machen das ohne Murren und Meckern, die Stimmung ist sehr gut. Es macht sehr viel Spaß“, freut sich Seifert-Stawicki, der aber auch die Belastung für seine Mitarbeiter sieht, die durch Corona an sieben Tagen 24 Stunden für die Kinder da sein müssen.

Spaß am Homeoffice haben auch Ben Mikael (9) und Enya (6) Rosenbrock aus Schleeßel. Bei ihnen geht es morgens schon um 7.30 Uhr los. „Ich brauche ein bis zwei Stunden, um alles fertig zu haben“, erzählt Ben Mikael, Drittklässler in der Grundschule Bötersen. Den Wochenplan für die beiden Kinder hatte Mama Vanessa Rosenbrock per E-Mail erhalten und, falls nicht in den vorhandenen Büchern gearbeitet werden soll, die Aufgabenzettel ausgedruckt. „Ich bin zum Glück zu Hause, denn meine Termine als Fotografin ruhen derzeit“, sagt sie. Sie freut sich, dass sie auf diese Weise mehr von schulischen Dingen mitbekommt. Doch nicht nur am Vormittag lernen Ben Mikael und Enya. „Wir lösen auch im Garten Rechenaufgaben mit alltäglichen Gegenständen“, berichtet Rosenbrock. Da ihr Ehemann Stefan einen Arbeitsplatz hat, an dem Homeoffice möglich ist und somit die lange Fahrtzeit zur Arbeit entfällt, kann die Schleeßeler Familie mehr gemeinsame Zeit genießen. Trotzdem: „Schule macht mehr Spaß, da lernt man mehr“, drückt Enya ihre Sehnsucht nach einem baldigen Schulbeginn aus.

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