Spielort Ahausen

Jutta Michels verfasst historische Kriminalromane

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Entlang des Sees bei der Ahauser Mühle, geht die freischaffende Künstlerin sowie Autorin Jutta Michels gerne spazieren. Hier kann sie besonders gut nachdenken.

Ahausen - Von Lea Hoops. Geschichte springt dem Aufmerksamen an beinahe jeder Ecke entgegen – das hat die freischaffende Künstlerin sowie Autorin Jutta Michels am eigenen Leib erfahren. Vor 25 Jahren zog die gebürtige Düsseldorferin nach Ahausen, wo sie in Gesprächen mit alteingesessenen Dorfbewohnern von längst vergangenen Schicksalsschlägen erfuhr.

Wie viel Ahausens Vergangenheit zu erzählen hat, hielt sie bisher in zwei Kriminalromanen fest. 80 Prozent der Inhalte, so schätzt sie, beruhen auf wahren Begebenheiten.

Geschichten, die im Ort immer wieder präsent werden

Michels schreibt, um jene Geschichten zu erzählen, die „keine Ruhe geben“, erklärt sie. Weder bei ihr, noch bei den Dorfbewohnern Ahausens. Denn der in „Pfingstfeuer“ erzählte Großbrand geschah tatsächlich im Jahr 1933, genau wie der Mord an dem Bremer Architekten Alfred Runge und seiner Begleiterin 1946, der zum Inhalt von „Spurensuche“ wurde. „Ich versuche, das Geschehene in Romanform zu verpacken, ohne, dass ich die Realität dabei verändere“, erklärt Michels. Denn zu einem gewissen Grad will sie aufklären, Frieden in das Vergangene bringen.

Dabei wollte die Autorin zuerst gar nicht über jene Geschehnisse schreiben. Erst als mehr und mehr Personen an sie herantraten, um ihre Versionen der Geschehnisse zu schildern, begann Michels nachzuforschen. „Die Erzählungen wichen voneinander ab, da habe ich gemerkt, dass irgendetwas mit der Geschichte nicht stimmt“, erzählt sie zu ihren Recherchen im Fall Alfred Runge. Ihre Neugier war geweckt.

Die Recherche ist selbst ein Stück Detektivarbeit

Sie selbst lebt gemeinsam mit ihrem Mann und Hund in Ahausen, es ist ihre Wahlheimat. Das kleine Haus, das sie bewohnt, sieht selbst etwas geheimnisvoll aus, verborgen hinter hohen Bäumen. Sie mag es so. Auch jene Themen, über die sie schreibt, hat sie am liebsten rätselhaft. „Es ist toll, wenn es noch etwas zu entdecken gibt“, meint sie. „Oder wenn persönliche Schicksale mit darin stecken.“

Da liegt allerdings die Schwierigkeit, die ihre Tätigkeit mit sich bringt. „Man muss vorsichtig sein, denn man schließt aus vielen Dingen, dass es so gewesen sein muss, aber auch, dass man sich irrt,“ erklärt Michels. Es ist ein bisschen wie Detektivarbeit, das gibt sie zu. 20 Jahre lang hat die Recherche für „Spurensuche“ gedauert, bis alle Quellen erschöpft und die Puzzleteile richtig zusammengefügt waren. Ein neutraler Beobachter zu bleiben, fällt da manchmal schwer, aber es ist ein Muss, „gerade hinsichtlich der historischen Wahrheiten“, erklärt Michels.

Erste Bestätigung von der Öffentlichkeit zu ihrer Arbeit erhielt sie bei einem Schreibwettbewerb der Kulturinitiative Sottrum im Jahr 2006. Ihr Kurzkrimi „Die Tote auf dem Küchentisch“ gewann den ersten Preis und wurde als Theaterstück aufgeführt.

Neuer Roman soll von Ahausen nach Tschechien führen

Michels Liebe zum Erzählen hat ihre Wurzeln in ihrer Kindheit. „Mein Vater hat Gedichte geschrieben“, erzählt sie, mit seinen Geschichten sei sie aufgewachsen. Oft verliert sie sich im Schreiben, so sehr, dass sie sich selbst Zeitlimits setzt: „Ich muss mir sagen: Sechs Stunden und nicht mehr“, erklärt sie. Sonst merke sie erst wieder etwas, wenn ihr das Sitzen schwerfalle.

„Wenn ich nicht schreibe, lese ich“, erzählt Michels. Den spanischen Schriftsteller Zafón würde sie sogar als ein Vorbild bezeichnen. „Ich finde es bereichernd, dass man eine ganze Fantasiewelt geschenkt bekommt“, schwärmt sie, man verreise auf dem Stuhl, dem Sofa, oder wo auch immer man sich gerade befinde.

Michels lässt in ihren Büchern ein großes Stück Geschichte Ahausens wieder aufleben. „Vielleicht auch, um an betroffene Menschen noch einmal zu denken, sie zu würdigen.“ Aktuell arbeitet sie an einem neuen Roman, der „in Ahausen beginnt und in Böhmen und Tschechien endet“, gibt die Autorin preis. „Wenn der Verlag das für gut befindet, kommt das Buch heraus.“ Vorher kann man die Autorin beim Ahauser Herbst am Sonntag, 29. Oktober, erleben. Ab 15 Uhr erzählt sie im Atelier Michels über ihren Roman „Spurensuche“.

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