Mobilfunknetz auf dem Land

Claus Kock: „Das hat schon Frustrationspotenzial“

+
Wer in Ahausen Netzt sucht, kann stellenweise lange warten.

Ahausen - Von Matthias Röhrs. Wer im Landkreis Rotenburg in kleineren Orten unterwegs ist, hat mit seinem Handy oft keinen Netzempfang. Mal eben ins Internet gehen, das ist ohne W-Lan häufig eine zeitraubende oder gar aussichtslose Sache. Auch in Ahausen ist das der Fall. Was das für die Kommune bedeutet, wann Abhilfe geschaffen wird, darüber haben wir mit Gemeindebürgermeister Claus Kock (CDU) gesprochen.

Herr Kock, haben Sie eine Idee, was mit dem Begriff „Edge-Land“ gemeint sein könnte?

Claus Kock: Nein.

„Edge“ ist der Name einer ziemlich langsamen Übertragungsrate im Mobilfunk. Mit „Edge-Land“ hat letztens ein Bekannter einen Ort beschrieben, wo er sehr unzureichendes mobiles Internet hatte – wie in Ahausen. Die meisten würden eher von einem Funkloch sprechen. Wann haben Sie hier eigentlich das letzte Mal mit dem Handy telefonieren können?

Kock: Wenn ich zuhause bin, telefoniere ich eigentlich immer mit dem Festnetz, weil ich auch dieses Problem habe. Im September kam eine Information von der Telekom, dass sie den Mast in Eversen ertüchtigen will. Und es ist eine Anfrage gekommen von O2, die das gleiche vorhat. Zudem kam eine Mitteilung von der Telekom, die an der Straße nach Hellwege einen weiteren Funkturm errichten will. Es ist also bekannt, dass die Versorgung hier schlecht ist, aber es wird daran gearbeitet.

Claus Kock

Da gab es einen Moment im Ahauser Gemeinderat 2017, der mir in Erinnerung geblieben ist: Der Landkreis hatte gefragt, wo Funklöcher bestehen. Der Rat quittierte das mit Gelächter.

Kock: Genau.

Was haben Sie dem Landkreis jetzt eigentlich mitgeteilt?

Kock: Die Samtgemeindeverwaltung hat die Antworten der Gemeinden gebündelt und wollte das weitergeben. Für Ahausen war die Antwort aber einfach: Der Empfang ist eigentlich überall schlecht. Mit Ausnahme Eversen. Aufgrund des Funkturms ist er dort super.

Mögen Sie eigentlich noch darüber nachdenken: Wir haben 2018, und die Ahauser kein Netz?

Kock: Das hat schon Frustrationspotenzial. Es ist ja eigentlich ein Unding. Ich bin kürzlich in Cuxhaven gewesen, dort war das mobile Netz sogar noch schneller als der Hotspot von der Telekom. Das finde ich klasse. Aber so etwas haben wir in Ahausen leider nicht.

Inwieweit leidet die Lebensqualität unter dem schlechten Mobilfunknetz?

Kock: Das lässt sich sicher nur individuell beantworten. Ich persönlich brauche das Mobilfunknetz hier vor Ort eher nicht.

Nun haben die Ahauser das Problem ja auch nicht exklusiv: Viele, gerade kleinere Gemeinden und Dörfer liegen in Funklöchern. Wer hat da eigentlich Schuld?

Kock: Das ist eine schwierige Frage, das kann ich Ihnen nicht beantworten.

Kann die Gemeinde selbst etwas für ein besseres Netz tun, oder ist sie dem Anbieter ausgeliefert?

Kock: Ich denke, es ist der Fall, dass wir darauf angewiesen sind, was die Anbieter an Infrastruktur vorhalten. Wir können die VDSL-Geschwindigkeit beeinflussen, da haben wir in Ahausen ja vor Jahren schon die Telefonleitungen für ausgebaut. Trotzdem haben wir noch vier Satelliten-Siedlungen, wo der Empfang denkbar schlecht ist.

Ist fehlendes Mobilfunknetz gar ein Grund, dass potenzielle Zuzügler gar nicht erst in solche Gegenden ziehen?

Kock: Was den Mobilfunk anbelangt, glaube ich das nicht. Wenn im Kernbereich die grundsätzliche Versorgung schlecht wäre, was sie nicht ist, dann könnte es für den einen oder anderen ein Hindernis sein. Insbesondere, wenn Zuziehende zuhause arbeiten wollen.

Andererseits wollen Menschen nicht unbedingt in der Nähe von Funktürmen wohnen. In Brockel wird gerade über den Bau eines Handy-mastes diskutiert. Wie sehr verfolgen Sie das? Sollten Handymasten in der Nähe von Siedlungsbereichen überhaupt stehen?

Kock: Das ist wieder eine Frage, die individuell zu beantworten ist. Ich kenne in Eversen niemanden, der das schlecht findet, dass relativ ortsnah dieser Funkturm steht. Alle, so ist meine Wahrnehmung, finden das gut, weil sie dadurch auch guten Empfang haben. Wie das hier in Ahausen aufgenommen werden würde, kann ich nicht beantworten. Allerdings habe ich der Telekom zum geplanten Mast geschrieben, dass er – soweit es technisch geht – bitte außerhalb stehen soll. Wobei es, soweit ich informiert bin, technisch die Belastung nur im allerengsten Umkreis des Mastes besteht. 20 oder 30 Meter entfernt merkt man das wohl schon nicht mehr. Nur, dass man besseren Empfang hat.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Nützliche Helfer gegen die Unsicherheit

Nützliche Helfer gegen die Unsicherheit

Wie werde ich Maurer/in?

Wie werde ich Maurer/in?

"Ärgere mich sehr": Bitteres Vettel-Aus - Sieg für Hamilton

"Ärgere mich sehr": Bitteres Vettel-Aus - Sieg für Hamilton

Rauwollige Pommersche Landschafe in Barnstedt 

Rauwollige Pommersche Landschafe in Barnstedt 

Meistgelesene Artikel

Diakonieklinikum feiert Richtfest der interdisziplinären Komfortstation

Diakonieklinikum feiert Richtfest der interdisziplinären Komfortstation

Mike Lünsmann: Der Mann im Hintergrund

Mike Lünsmann: Der Mann im Hintergrund

Verlosung: Vier Gratis-Tickets fürs Ferdinands Feld Festival

Verlosung: Vier Gratis-Tickets fürs Ferdinands Feld Festival

Wie der fast blinde Scheßeler Artur Lilgert sein Schicksal meistert

Wie der fast blinde Scheßeler Artur Lilgert sein Schicksal meistert

Kommentare