Julia Hahn ist Ahausens Botschafterin in Sachen Wolle

Nur die Schafe hat sie nicht

Julia Hahn hat große Freude daran, selbst die Wolle zu färben – in einem Topf auf dem Holzofen. Fotos: Menker

Ahausen - Ein Eichhörnchen macht dem Besucher den Parkplatz vor dem Haus streitig. Zur Begrüßung kommt eine Katze an die Haustür. Auf dem Hof brennt ein kleiner Holzofen mit einem Topf darauf. Stühle und zwei große Tische stehen unter einem Vordach der Scheune bereit, von wo aus sich ein wunderbarer Blick in den Garten eröffnet, in dem an diesem eher grauen Vormittag vor allem die Mohnblumen herausstechen. Ein Huhn ist zu erspähen, und die Vogelscheuche trägt einen Wollmantel. Es ist idyllisch rund um das Fachwerkhaus aus dem Jahre 1844 herum.

„Setzen wir uns doch nach draußen“, sagt Julia Hahn mit einem frischen Lächeln im Gesicht. Seit 2003 lebt sie in Ahausen ganz nach ihrem Geschmack. „Ja, ich weiß das alles hier sehr zu schätzen“, versichert die 55-Jährige. Das Thema Wolle begleitet sie schon fast ein Leben lang. Von der Großmutter und ihrer Mutter ist sie an das Stricken herangeführt worden. Wolle: Das ist für sie ein Ausgangsmaterial für Kreativität, das „einfach hier in die Landschaft gehört“. Wolle bedeute Kleidung, sie sei ursprünglich und traditionell sowie nachhaltig. „Das alles wird gerade jetzt in dieser Zeit von vielen Menschen wiederentdeckt“, ist die eigentlich aus der Landwirtschaft sowie aus dem Bereich Grafik-Design kommende Frau überzeugt. Und so ist es dann auch kein Wunder, dass ihr idyllischer Hof zu einem Treffpunkt geworden ist im Laufe der vergangenen Jahre, auf dem seit 2018 auch der kleine Wollladen „Einfach Wolle“ zu finden ist. An zwei Tagen in der Woche ist er geöffnet – freitags und samstags. „Zurzeit aber nur auf Anmeldung“, sagt Julia Hahn.

Dennoch spielt das Thema Wolle für sie und auch ihre Gäste eine große Rolle. Man trifft sich zum gemeinsamen Stricken – mal für Männer, mal für Frauen, mal mit Live-Musik. Stricken sei Entspannung und Ausgleich.

Julia Hahn bietet Workshops und Präsentationen über Instagram und Facebook sowie Strickstuben im Seniorenheim und auch das Gemeindestricken in Ahausen an, sie engagiert sich seit 2015 beim Ahauser Herbst und ist in Sachen Spinnen in den Heimatvereinen Sottrum und Ahausen unterwegs. Darüber hinaus hat sich Hahn ein umfangreiches Wissen über das Färben von Wolle mit natürlichen Mitteln angeeignet, das sie gerne an andere weitergibt. Färberknöterich, -krapp und -waid, aber auch Walnuss, Birke, Löwenzahn und Möhrengrün kommen dabei zum Einsatz. Entweder auf die entschleunigende Art des „Solarfärbens“ in einem in der Sonne stehenden Glas oder aber im Kochtopf. „Dafür nutzt man gebeizte Wolle“, sagt die Wollfachfrau. Auf dem Feuer geht es schneller, nach einer Stunde etwa ist der eigentliche Vorgang abgeschlossen. Dann kann sie die Wolle entnehmen, waschen und trocknen. „Am liebsten hätte ich auch Schafe hier, aber dafür reicht der Platz nicht“, fügt sie bei einem Blick in den Garten hinzu, während sie noch einmal den Deckel des auf dem Ofen stehenden Topfes hebt, um zu sehen, wie weit die Färbung schon vorangeschritten ist.

Eigene Wolle hat sie nicht, doch ist es ihr ganz wichtig, beim Stricken sowie im Laden regionale Wolle einsetzen und anbieten zu können. Die kommt vom Weidenhof, aber auch Elbwolle ist bei ihr zu finden. „Das soll noch mehr werden.“ Denn gerade die Nachhaltigkeit, die sie mit dem Produkt Wolle verbindet, hat es ihr angetan. Julia Hahn spricht von einem Netzwerk. Netz ist dabei ein gutes Stichwort, denn zurzeit befasst sie sich mit dem Herstellen von Einkaufsnetzen in der Machart alter Fischer. Die Werkzeuge aus Buchsbaum dafür hat ihr die in Ahausen bekannte Künstlerin Ragna Reusch-Klinkenberg gebastelt. Zum Einsatz kommt recycelte Baumwolle. Kurse rund um Wolle-, Strick- und Färbetechniken runden das Angebot ab und passen in die Zeit: „Die Menschen haben das Bedürfnis, wieder selbst etwas in die Hand zu nehmen“, sagt Julia Hahn, die auch als Assistentin im Theaterfigurenbau ihrer Schwägerin arbeitet. Dennoch bleibt noch Zeit, sich mit neuen Techniken anzufreunden, wie dem Weben auf kleinen quadratischen Rahmen. Ein weiteres Beispiel für die von Wolle ausgelöste Kreativität.

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