Was das Schachspiel so faszinierend macht / Wieste-Cup beim SC Sottrum

Zwei Spieler – Geist gegen Geist

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Turnierleiter Reinhard Piehl sorgt dafür, dass alles mit rechten Dingen zugeht.

Sottrum - Von Elisabeth Stockinger. Mucksmäuschenstill ist es im Saal, niemand spricht, schon ein leises Stühlerücken klingt in der absoluten Ruhe wie ein Donnergrollen. 48 Männer sitzen sich paarweise gegenüber, beugen sich über den Tisch, denken nach. 48 Männer, 24 Bretter, 24 Partien. Schach ist das Spiel des Tages, nein: des Wochenendes. Denn von Freitag bis Sonntag wurde am vergangenen Wochenende im Sottrumer Hotel Röhrs der Wieste-Cup ausgerichtet. Das bedeutete für die 48 Männer – von Jahrgang 1937 bis 2004 war alles dabei – insgesamt fünf Runden Schach, wobei für eine Partie fünf Stunden angesetzt waren.

„Wir haben hier Spieler aus ganz Deutschland dabei“, berichtete Turnierleiter Reinhard Piehl, der selbst erst kürzlich den Titel des Niedersächsischen Seniorenmeisters errang. Aus Wolfsburg, Hameln, Hildesheim, Delmenhorst und Kücknitz waren die Spieler angereist, „eine illustre Gesellschaft“, wie Piehl befand. Hochkarätige Spieler seien dabei gewesen.

Piehl selbst spielt Schach seit seinem zwölften Lebensjahr. „Mir hat ein Nachbar das Spiel beigebracht. Als ich irgendwann anfing, ihn zu schlagen, war es vorbei“, erzählte er lachend von seinen Anfängen. Als Turnierleiter hat er den Wieste-Cup vorbereitet, sich um die Auslosung gekümmert, Spielpläne ausgehangen, für Ruhe und eine „angenehme Atmosphäre“ gesorgt. Denn nur die Spieler durften während einer laufenden Runde den Raum betreten.

Piehl fungierte zudem als Schiedsrichter, für den Fall, dass während einer Partie Konflikte auftreten. „Es kommt schon vor, dass geschummelt wird.“ Heutzutage gebe es gute Schachprogramme und so mancher Spieler könne in Versuchung geraten, per Smartphone nach der Lösung eines Problems zu suchen. Erst vor Kurzem war es zu einem derartigen Vorfall gekommen, als ein Spieler während eines Turnieres einen Mogelversuch gestartet hatte. Die Spieler dürfen deshalb einen genau ausgewiesenen Bereich nicht verlassen. Auch das Handy sollten sie nach Möglichkeit abgeben.

Der Wieste-Cup war Teil der Grand-Prix-Turnierserie des Niedersächsischen Schachverbandes (NSV), Ausrichter war der Schachclub (SC) Sottrum. Es handelte sich um ein Einzelturnier, das in diesem Fall Frank Modder vom SC Bad Zwischenahn für sich entschieden hat. Jeder der 48 Spieler war im Vorfeld gesetzt, je nach ELO- und DWZ-Zahl. Dabei handelt es sich um nationale und internationale Wertungszahlen, die die jeweilige Spielstärke beschreibt.

Gespielt wurde im Schweizer System nach den Regeln des Weltschachverbandes FIDE. Bedeutet: Jeder Turnierteilnehmer absolvierte fünf Runden, also fünf Spiele. Während einer Runde hatte er eine Bedenkzeit von zwei Stunden, in denen er 40 Züge machen musste. Jeder Zug wird während des Spiels protokolliert. Eine Uhr neben jedem Schachbrett stoppt die Zeit. Der Gewinner einer Partie erhält einen Punkt, für ein Remis gibt es einen halben Punkt. Turniersieger wird derjenige, der nach fünf Runden die meisten Punkte vorweisen kann. Bei Punktgleichheit komme es auf die Feinwertung an, erzählte Piehl. „Wer gegen einen starken Gegner spielt, sammelt demnach mehr Punkte für sein eigenes Konto.“

Mann gegen Mann hieß es also in Sottrum. „Schach ist ein Kampfspiel“, bekräftigte Bodo Becker vom SC Sottrum. „Man kämpft ohne Waffen, nur Geist gegen Geist.“ Süchtig mache dieser Denksport, so Becker: „Ist der Virus erst einmal drin, wird man ihn nicht mehr los.“ Reinhard Piehl kann diese Aussage bestätigen. Der ehemalige Lehrer leitet am Sottrumer Gymnasium eine Schach-AG, trainiert Jugendliche. „Es gilt als erwiesen, dass Schach die schulische Leistung fördert“, erzählte er. „Denn die Jugendlichen entwickeln strukturiertes Denken, eine Strategie und das fördert zum Beispiel die Grammatik.“ Dennoch: Auch der SC Sottrum – derzeit etwa 50 Mitglieder, davon 30 aktiv – klagt über mangelnden Nachwuchs. „Es wird weniger“, so Piehl. Viele Jugendliche hätten heutzutage keine Zeit mehr oder auch keine Lust. „Schach passt nicht mehr richtig in unsere Gesellschaft“, bedauerte er. Dabei sei es ein ebenso komplexes wie spannendes Spiel. „Schach hat viel mit Psychologie zu tun. Ich muss erah nen können, was der Gegner vorhat, dann bin ich schon im Vorteil. Sobald ich auch seine Schwächen erkannt habe – welche Figur etwa nicht gedeckt ist – habe ich schon fast gewonnen.“

Wer mehr über Schach und den SC Sottrum erfahren möchte, kann sich im Internet informieren.

www.nsv-online.de

www.schachclubsottrum.de

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