Sara Schwienbacher von der FH Ottersberg leitet die Performance-AG der Oberschule an der Wieste

Schulunterricht mit „Pinky“

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„Pinky“ beziehungsweise „rosa me“ inmitten der Sottrumer Fünftklässler: Am Ende gab es Autogramme.

Sottrum - Von Nina Baucke. Die Kinder nennen sie „Pinky“, diese eigenartige Gestalt in dem rosafarbenen Ganzkörperanzug, aus dem lediglich braune Zöpfe hervorschauen. Sie springen, laufen, toben um sie herum, während „Pinky“ wie ein markanter Farbklecks in dem Trubel wirkt. Ihr Auftritt in der Turnhalle ist Teil eines Projektes, dass zwei Dinge verbindet, die auf dem ersten Blick nicht viel miteinander zu tun haben: Schule und Performancekunst.

Eigentlich hatte Claudia Hillgert, Lehrerin an der Oberschule an der Wieste, an ein Theaterstück gedacht. „Wir haben ja nun den Ganztagsbetrieb für die Schüler der fünften Klasse, und da der musisch-kulturelle Teil oft ein wenig zu kurz kommt, war das eine Überlegung“, sagt Hillgert.

Das nun aber aus dem avisierten Theaterprojekt etwas ganz anderes geworden ist, hat mit Sara Schwienbacher zu tun. Sie ist „Pinky“ – oder vielmehr „rosa me“, wie sie sich selbst als Kunstfigur nennt. Sie arbeitet gerade zur Zeit an ihrer Masterarbeit im Bereich Kunst und Theater im Sozialen an der Fachhochschule in Ottersberg. In diesem Kontext hat sie ein Projekt konzipiert, das Performance in Verbindung zur Pädagogik setzt.

Intervention ist dabei der Dreh- und Angelpunkt. „Es geht darum, den Schulraum aufzubrechen, Strukturen zu verändern – sowohl im übertragenen als auch im räumlichen Sinne“, erklärt Schwienbacher. „Kurz gesagt, wir kommen auf einmal in den Klassenraum und machen Rabatz.“

Über eine Mentorin kamen dann die Masterstudentin und die Kunstlehrerin in Kontakt. Jetzt bieten Sara Schwienbacher und Nicole Tews als Praktikantin den etwa 60 Schülern der fünften Klassen zweimal die Woche mit einer Performance-AG Schulunterricht der anderen Art.

Zum Auftakt kamen – ohne Vorwarnung bei den Kindern – Schwienbacher sowie einige Mitstreiter in ihren Rollen als Kunstfiguren in die Turnhalle. „Die Reaktion ist ja immer das Spannende daran“, sagt die Künstlerin. „Dieses Unerwartete – das ist der Moment, wo wir die Kinder packen. Es ist eine Grenzerfahrung, denn es ist nicht einfach, Fünftklässlerin Performance zu erklären, sie müssen sie erleben.“ Der erhoffte Überraschungseffekt trat zumindest ein. „Die Schüler waren überrascht, vorsichtig und dann mutig“, sagt Hillgert. „Die Figuren sind auf die Schüler, die Schüler aber auch auf die Figuren zugegangen.“ Am Ende gaben Schwienbacher und ihre Kollegen den Schülern Autogramme. „Sie waren auf jeden Fall sehr neugierig“, sagt die Studentin.

Jetzt geht es daran, dass die Schüler aus diesen Impulsen heraus in kleinen Gruppen ihre eigenen Figuren entwickeln. „Jede Figur entsteht von Innen heraus. Es geht darum, was für Eigenschaften sie hat, wie sie aussieht, wie sie sich bewegt“, erklärt Schwienbacher. „Das ist ein Prozess der Annäherung, an dessen Ende sich die Kinder selbst als Kunstwerke erleben.“ Dazu kommen dann auch noch die Musik und die Kulissen. Das Ganze mündet im kommenden Jahr in eine Aufführung vor den Sommerferien.

Für Hillgert ist klar, dass die Kooperation mit der Fachhochschule auf jeden Fall fortgeführt wird. „Das macht Schule spannend“, ist auch Renate Beate Plettenberg, Konrektorin der Schule an der Wieste, überzeugt. „Es sind Dinge, die fesseln, Strukturen aufbrechen – und ich denke, das ist eine andere Form von Schulkultur.“ Sara Schwienbacher freut sich über die Resonanz der Lehrer. „Es spricht auch durchaus für die Schule, den Mut zu so einem Projekt zu haben.“

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