Zwei Meinungen

Samtgemeinde und Landkreis diskutieren über die Größe des Sottrumer Gymnasiums

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Am Sottrumer Gymnasium muss angebaut werden. Samtgemeinde und Landkreis diskutieren derzeit, in welchem Umfang.

Sottrum - Von Matthias Röhrs. Der Blick geht nach Bremervörde. Das dortige Gymnasium und die direkt angrenzenden Berufsbildenden Schulen (BBS) sollen abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Diesen lässt sich der Landkreis Rotenburg bis zu 60 Millionen Euro kosten. Was aber erst bei näherer Betrachtung auffällt: Das Projekt hat Einfluss auf den geplanten Ausbau des Sottrumer Gymnasiums. Hinter den Kulissen streiten Kreis- und Samtgemeindeverwaltung derzeit um die Größe.

Der Wechsel zum Ganztag, die Umstellung auf das sogenannte G9 – es gibt mehrere Gründe, warum am Sottrumer Gymnasium bald die Bagger rollen müssen. Die Schule wird langsam zu klein. Donnerstagabend steht das Raumprogramm der Schule im Mittelpunkt des zuständigen Fachausschusses des Samtgemeinderates, der um 17 Uhr im Rathaus zusammenkommt. Es ist die Grundlage für den Bau neuer Fachräume sowie einer Mensa. Doch mehr als eine Empfehlung oder Stellungnahme an den Schulausschuss auf Kreisebene kann er nicht aussprechen. Denn wer zahlt, der bestimmt die Musik. Und das ist in diesem Falle der Landkreis.

Wenn der Sottrumer Rat auf das Raumprogramm für das Gymnasium besteht, könnte der Ausbau der Samtgemeinde teuer zu stehen kommen. Immer wieder hatte sie die Hoffnung zum Ausdruck gebracht, dass der Landkreis als Kostenträger die aus ihrer Sicht nötige Investitionssumme vollständig übernimmt. Allerdings haben die Samtgemeinde und der Landkreis unterschiedliche Auffassungen davon, wie weit das gehen kann.

Kreisverwaltung für kleinere Räume

„Was die Anzahl der Räume angeht, sind wir uns einig“, sagt Samtgemeindebürgermeister Peter Freytag. Genauer sind das sechs allgemeine Unterrichtsräume und einige Fachräume, Schüler- sowie Lehrerarbeitsräume und Fachräume – wie etwa einer für Musik. Diskutiert wird aber noch über die Größe der Räume – insbesondere für die zukünftigen Jahrgänge 12 und 13. Die hätte die Kreisverwaltung gerne kleiner als von der Samtgemeinde und der Schule gewünscht. Ebenfalls unterschiedliche Vorstellungen gibt es zudem bei der Mensa und der Turnhalle, die das Gymnasium gerne erweitert sehen würde, um das sportliche Ganztagsangebot im bisherigen Maß aufrecht erhalten zu können.

Das Raumprogramm hat die Sottrumer Verwaltung gemeinsam mit Schulleiter Ferdinand Pals und seinem Stellvertreter Bernhard Weilhammer ausgearbeitet. Nach der Vorlage beim Landkreis hat dieser das Programm gekürzt. Auch ein Abstimmungsgespräch im Gymnasium führte zu keiner Einigung. Zudem verlangt der Landkreis, dass die Samtgemeinde einen Kostenanteil für die Schüler aus Ottersberg übernimmt. Die Gymnasien der beiden Nachbarkommunen arbeiten schon länger zusammen, es gibt beispielsweise einen regen Austausch von Lehrern. Die Ottersberger Schule hat außerdem keine eigene Oberstufe, die älteren Schüler wechseln in die Wieste-Gemeinde.

Landkreis will gleiche Maßstäbe setzen

Der Landkreis in Person des ersten Kreisrats Torsten Lühring will nach offizieller Sprachregelung keine Schule benachteiligen. Unabhängig, ob er nun selbst Träger der Schule ist, wie es bei dem Gymnasium und den BBS in Bremervörde oder dem Rotenburger Ratsgymnasium der Fall ist, oder nicht. Beim Sottrumer Gymnasium ist die Trägerin die Samtgemeinde selbst. Die Sottrumer Schule ist eh schon herausgehoben, sagt Lühring. „Wir können aber keine Standards finanzieren, die auch nicht für unsere eigenen Schulen gelten.“ Das heißt: Die Planungen für den Neubau in Bremervörde und dem Anbau in Sottrun sind aus Sicht des Landkreises miteinander verknüpft. Nur die Maßstäbe, die er an der Oste setzt, finanziert er auch an der Wieste.

Weiterer Knackpunkt ist die Mensa. Schulleiter Ferdinand Pals hatte schon bei einer Ausschusssitzung Mitte Januar davor gewarnt, diese nicht zu klein werden zulassen. Geschätzte 150 Schüler werden die ab 2020 täglich nutzen. Der Landkreis möchte sie auf 270 Quadratmeter begrenzen, vergleicht sie mit der Mensa des Ratsgymnasiums. Zu klein aus Sottrumer Sicht. In Rotenburg haben die Schüler mit auswärtigen Angeboten in der Nähe Alternativen, so Bürgermeister Freytag. Zudem wolle man in Sottrum keine reine Ausgabemensa bauen, sondern lieber nach Vorbild der Oberschule am Bullenworth eine, in der das Essen zu großen Teilen auch zubereitet wird. „Da muss man allein schon der Küche mehr Platz einräumen“, sagt der Verwaltungschef.

Entscheidung fällt am 7. März

Trotz dieser strittigen Punkte sehen sich weder Lühring noch Freytag in ihren Anliegen allzu weit von einander entfernt. Letztendlich liegt die Entscheidung auch nicht bei den beiden Verwaltungsmännern, sondern bei den politischen Gremien ihrer Kommunen. Nachdem man sich am Donnerstag in Sottrum berät, tagt der Schulausschuss des Kreises am 6. März, eine Entscheidung fällt am Tag darauf im nicht-öffentlichen Kreisausschuss. Wenn diese nicht nach Wünschen der Sottrumer ausfällt, wird sich der Samtgemeinderat mit der neuen Situation befassen. Aber Freytag gibt sich optimistisch. Und Kreisrat Lühring sagt: „Dem Schulträger steht es immer frei, ,mehr‘ zu machen.“ Das müsse Sottrum aber selbst finanzieren. Eine Option, die in der von Schulden geplagten Samtgemeinde eher unwahrscheinlich ist.

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