CORONA UND DIE FOLGEN Ackerschnacker auf Abstand

Saisongarten Bötersen funktioniert auch in der Pandemie

Gemüse
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Auf dem Acker im Böterser Saisongarten wächst „alles, was regional üblich ist“, sagt Petra Solte. FOTOS (2): Solte

Der Saisongarten Bötersen bietet auch in diesem Jahr wieder an, 60 Quadratmeter Erde zu bewirtschaften. Im vergangenen Jahr hatten 35 Hobbygärtner auf ihrer Parzelle Pflanzen angebaut. Für dieses Jahr sind noch Bewerbungen möglich.

Bötersen – An der frischen Luft zu sein, hat einen entscheidenden Vorteil: Solange man nicht eng an eng mit Menschen aus anderen Haushalten in Kontakt ist, kann der Mundnasenschutz in der Tasche bleiben. So auch im Saisongarten Bötersen. Wer vor Ort seine 60 Quadratmeter Erde bewirtschaftet, tut das naturgemäß mit entsprechendem Abstand und kann daher sorglos seine Pflanzen hegen. Hat dieser Umstand dem Böterser Projekt noch einmal Aufwind gegeben? Ja, meint Petra Solte, die es seit dem Start vor drei Jahren betreut.

„Das war zwar wegen Corona anfangs spannend, weil nicht abzusehen war, ob doch noch viele absagen. Tatsächlich haben sich dann aber mehr angemeldet, weil die veränderte Situation ihnen mehr Zeit für Gartenarbeit brachte. Viele haben auch gesagt, wie schön es sei, in der jetzigen Situation einen Garten zu haben“, erklärte sie noch zum Auftakt im vergangenen Jahr. „Und was an der frischen Luft ist, funktioniert im Augenblick sowieso am besten“. Daran hat sich aus ihrer Sicht auch 2022 nicht viel geändert. Etliche hätten in der Anfangszeit der Pandemie noch Interesse bekundet, als Corona-Maßnahmen, Lockdowns und Kurzarbeit Terminkalender leer gefegt hatten. Die Motivation habe sich aber verändert: Wer sich im vergangenen Jahr angemeldet hat, tat dies tendenziell nicht auf der Suche nach einer neuen Beschäftigung, sondern aus der Lust am Gärtnern. Und um wieder dabei zu sein.

Petra Solte hofft auf viele Parzellennutzer.

Das zeichnet sich nun auch vor dem Saisonstart am 6. April wieder ab: Die ersten vollständig ausgefüllten Meldebögen für Parzellen sind bereits durch den Briefschlitz der Familie Solte geflattert. Und die große Mehrheit der Gärtner, die sich über eine Whatsapp-Gruppe austauschen, ist geblieben, nachdem es hieß: Bitte zur Übersichtlichkeit austreten, wenn ihr im kommenden Jahr nicht wieder ein Beet mieten wollt. Petra Solte geht davon aus, dass mit der inzwischen vierten Böterser Gartensaison die Anmeldezahlen in etwa genauso hoch bleiben werden wie 2021. 35 Hobbygärtner aus der Umgebung bis hin zum Nachbarkreis Verden waren dabei. Bei der Erstauflage unter Prä-Corona-Bedingungen waren es noch 17. Dass es wieder viele auf den Acker am östlichen Ortsrand ziehen wird, könnte am gefühlten Abstand zur Pandemie liegen. Denn vor Ort geht man mit Corona zwar vorsichtig, aber nicht ängstlich um. „Wir hatten anfangs noch Schilder, mit denen wir die Besucher ans Abstand halten erinnert haben. Inzwischen ist das selbstverständlich, es läuft alles super entspannt“, sagt Solte. Den Schnack mit dem Beetnachbar zwischen Gemüse und Blumen gibt es nach wie vor – nur halt mit etwas mehr Raum zwischen den Gesprächsteilnehmern.

Jedes Jahr ein anderer Abschnitt

Dass Gartenfreunde ohne eigene Fläche hinter dem Haus im April wieder loslegen können, dafür sorgt die sechsköpfige Familie als Team. Vor allem das Abmessen der Parzellen ist eine Team-Arbeit, bei der auch die Kinder anpacken. Jedes Jahr wird ein anderer Abschnitt auf dem 1,6 Hektar großen Acker vermessen und gegen Rehverbiss eingezäunt, damit sich der Boden nach einer Saison in Nutzung auch mal erholen kann. Ehemann Hermann-Christian Solte wird sich um den noch recht neuen Saisongartenbrunnen kümmern, vor Saisonstart steht zum Beispiel die Verlegung der Schläuche vom Brunnen zu den Wasserfässern an. Die sind vor allem in den heißesten Phasen des Sommers gefragt, und das Befüllen übernimmt Petra Solte. Im ersten Jahr der Nutzung dürften etwa 30 000 Liter Wasser durch die Pumpe gegangen sein, damit Gartennutzer ihre Pflanzen gießen konnten. „Viele müssen noch lernen, dass man schonend mit der Ressource Wasser umgehen muss“, sagt Solte.

Eine Abschlussfeier mit allen Beete-Mietern gab es nur im Jahr vor der Pandemie. Alle Besucher hatten Speisen mitgebracht, die sie aus ihren Feldfrüchten hergestellt hatten. Ob es die Fete nun 2022 wieder geben kann, bleibt vorerst ungewiss. Mit Gartenerzeugnissen gekocht wird jedoch immer. „Ich bin auch schon oft angesprochen worden, ob ich einen Kochkurs anbieten kann. Das schaffe ich aber beruflich nicht mehr, die Kapazitäten sind voll“, sagt die Hauswirtschaftslehrerin. Die Lösung sieht Solte darin, ein Kochbuch speziell für Hobby-Gärtner zu schreiben. Die Idee für die erntespezifische Rezeptesammlung steckt zwar noch in den Kinderschuhen, sicher ist aber schon jetzt: „Wenn ich das mache, dann richtig. Das soll auch schön aussehen, vielleicht mit Bildern aus dem Saisongarten“.

Wer sich für eine Parzelle im Saisongarten Solte interessiert, findet die Anmeldeunterlagen auf www.milchhof-solte.de. Meldeschluss ist Freitag, 25. März.

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