Unter Bäumen

Realverband plant Ruheforst am Hellweger Friedhof

Der Andachtsplatz im Ruheforst in Lauenbrück. Dieser könnte ein Vorbild für Hellwege werden.
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Der Andachtsplatz im Ruheforst in Lauenbrück. Dieser könnte ein Vorbild für Hellwege werden.

Hellwege – Die letzte Ruhe unter Bäumen finden, das soll in Zukunft auch in Hellwege möglich sein. Der Gemeinderat jedenfalls hat dem Realverband, der ein Waldstück gegenüber dem Friedhof zu einem Ruheforst umwandeln möchte, seine grundsätzliche Zustimmung gegeben. Ein endgültiges Ja ist das aber noch nicht, zunächst möchten sich die Ratsleute genauer informieren. Dazu soll zunächst der bereits bestehende Ruheforst in Lauenbrück besucht werden.

Der in Hellwege in Erwägung gezogene Wald ist südlich der Kapelle, direkt auf der anderen Seite der Zuwegung zum Friedhof. Ein Mischwald, wie Sandra Intemann vom Realverband erläutert. Der Realverband braucht die Gemeinde mit im Boot, wenn er sein Vorhaben umsetzen möchte. Denn nur Kommunen und Kirchen können die Trägerschaft von Friedhöfen übernehmen.

Pro Hektar können bis zu 80 Bäume beziehungsweise auch Steine oder Baumstümpfe, sogenannte Ruhebiotope, genutzt werden. Bis zu zwölf Urnen würden jeweils ringförmig um einen Baum, Stein oder anderen markanten Punkt angeordnet werden. Dabei könne von Familien oder Gruppen ein solches Ruhebiotop auch in seiner Gesamtheit reserviert werden. 99 Jahre habe ein Ruheforst zunächst Bestand. Ist eine Urne erstmal beigesetzt, verbleibt sie dort auch bis zum Ende. Der Realverband geht davon aus, innerhalb von 20 Jahren alle Plätze belegt zu bekommen. Immer mehr Menschen würden eben nicht nur Urnenbestattungen den Vorzug geben, um den Angehörigen entweder so die Grabpflege zu ersparen oder schlichtweg aus Kostengründen, heißt es von der Landwirtschaftkammer (LWK), die eine Vielzahl von Ruheforsten betreibt – so auch den in Lauenbrück. Die Kammer kann oder möchte in Hellwege nicht selbst einen Forst betreiben, da ihr nächster mit Kirchlinteln zu dicht sei, so Intemann. Sie habe aber Hilfe bei der Umsetzung zugesagt.

Es bleibt einfach ein Wald. Wenn man es nicht weiß, merkt man gar nicht, um was es sich handelt.

Sandra Intemann

In Lauenbrück, das mit dem Beschluss sozusagen zum Vorbild wird, kommen Interessenten kurioserweise nicht vorrangig aus der unmittelbaren Umgebung, sondern aus dem Raum Sittensen und Rotenburg. Sie hätten in der Regel entweder über Mundpropaganda oder aber über die örtlichen Bestatter von dem Lauenbrücker Ruheforst erfahren, der es im Prinzip eben jedem erlaubt, dort bestattet zu werden. Und das spricht sich herum.

„Es bleibt einfach ein Wald“, so Intemann weiter. Es gibt keinen Schmuck, keine Kränze, keine Blumen. „Wenn man es nicht weiß, merkt man gar nicht, um was es sich handelt.“ Die Grabstellengebühren belaufen sich auf etwa 600 bis 1 200 Euro für Einzelgrabstätten und für einen Familienbaum mit maximal zwölf Plätzen auf etwa 8 000 Euro. Erfahrungsgemäß gebe es in einem Ruheforst bis zu 60 Beisetzungen im Jahr, so Intemann.

Der Realverband würde für die Einrichtung des geplanten Ruheforstes einen Antrag für eine Größe von zehn Hektar stellen, auch wenn man nur sechs Hektar benötige. So müsse man nicht bei einer Erweiterung neue Anträge stellen, die wieder Kosten nach sich ziehen würden. Die Kosten für die Umwandlung des Waldes würden etwa 50 000 bis 60 000 Euro betragen. Diese würden allerdings zulasten des Realverbandes und nicht der Gemeinde gehen. Bürgermeister Wolfgang Harling geht davon aus, dass es zwei Jahre dauern wird, ehe das Waldstück zum Ruheforst werden kann, da zunächst ein Bebauungsplanverfahren angestrengt werden muss.  

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