Fundament für Stellmacherwerkstatt steht / Veranstaltungen abgesagt

Ruhe an der Mühle

Die ersten Steine der Stellmacherwerkstatt konnten noch vor der Pandemie gesetzt werden. Foto: Holsten-Körner

Hellwege - Von Antje Holsten-körner. Auch in diesem Jahr hätte sich Hellwege erneut am Deutschen Mühlentag beteiligt. Da durch die Corona-Pandemie alle Veranstaltungen abgesagt wurden, wird es am 1. Juni aber sehr ruhig sein auf dem Gelände des Mühlenhofes. In den vergangenen Jahren konnte die Mühlenhof-Gruppe dort zahlreiche Besucher begrüßen, die an der voll funktionsfähigen Motormühle aus den 1930er-Jahren und den anderen historischen Gebäuden und Relikten längst vergangener Tage ihre Freude hatten.

Der Mühlentag sowie auch der Adventszauber spülten in der Vergangenheit immer etwas Geld in die Kasse der Gruppe, womit wieder neues Baumaterial für weitere Projekte erworben werden konnte. Obwohl 2020 alle Veranstaltungen auf dem Mühlenhof ausfallen werden, steht die Gruppe finanziell nicht vor dem Aus. „Wir investieren nur, wenn Geld da ist“, erzählt Erhard Thies, Sprecher der Mühlenhof-Gruppe, die knapp 20 Mitglieder umfasst. Von Anfang an setzten die Mitglieder auf freiwillige Spenden. „Wir haben nie aggressives Sponsoring betrieben“, betont Thies nicht ohne Stolz. Das Konzept hat Erfolg, obwohl die Geldzuwendungen nicht steuerlich abzusetzen sind. Offizielle Zuschüsse gab es nur für die Bauprojekte durch die Gemeinde Hellwege. Außerdem wird viel „Manpower“ eingebracht. „Wir haben rund 8 000 Steine und Dachziegel geklopft“, erzählt der 72-Jährige und ergänzt: „So wie nach dem Krieg die Trümmerfrauen.“

Jüngstes Projekt ist eine rund fünf mal sieben Meter große Stellmacherwerkstatt, die nicht nur als Anschauungsobjekt dienen soll, sondern in der auch Arbeiten ausgeführt werden sollen. „Das Fundament ist fertig und wir konnten noch die ersten Steine mauern, bevor wir durch Corona die Arbeiten eingestellt haben. Bei uns sind viele ältere Semester dabei, die zur Risikogruppe gehören“, berichtet Thies. Das Baumaterial für die Werkstatt, in der auch die Werkzeuge untergebracht werden, die ein Hellweger Stellmacher der Gruppe überlassen hat, stammt von einem im Ort abgebauten Fachwerkhaus. Alles, was von dem alten Gebäude noch zu gebrauchen war, wurde zum Mühlenhof-Gelände gebracht und dort gelagert. So wird sich die Stellmacherwerkstatt in das Bild mit der Mühle und den anderen Fachwerkgebäuden harmonisch einfügen.

Schon seit 2008 ist die Mühlenhof-Gruppe aktiv. Jeden Montag wird dort fleißig ehrenamtlich gewerkelt. Entstanden sind in dieser Zeit die Mühle mit der Technik, der nachgebaute Backofen, der historische Speicher, der Brunnen, eine Streuobstwiese, der Wagenschauer, der Geschichtspavillon, eine Bruthilfe für Hirschkäfer sowie ein Bienenstand, verschiedene Zuwegungen und die Skulptur „Schnack übern Gartenzaun“. Außerdem haben die Mitglieder Wagen aus dem Jahr 1935 und 1890 in Eigenregie restauriert.

Im vergangenen Herbst pflanzten die engagierten Bürger auf dem angrenzenden Gelände 105 Buchen und 175 Eichen, die teilweise mit einer Einzäunung vor Wildverbiss geschützt wurden. „Die Stellmacherwerkstatt soll unser letztes Projekt sein“, erklärt Thies, für den es eine Umstellung war, nach so vielen Jahren montags nicht auf dem Mühlenhof zu werkeln. „Aber ich habe auch so keine Langeweile“, verrät er schmunzelnd.

Richtig traurig stimmt den Sprecher allerdings, dass auch die für den 27. Juni geplante Veranstaltung Corona zum Opfer fällt. „Wir hätten die ADAC Deutschland Klassik zu Gast auf dem Mühlenhof gehabt. Eine tolle Sache, denn die Top 150 Oldtimer wollten uns besuchen“, berichtet der Hellweger. Während sich viele Events im kommenden Jahr nachholen lassen, wird es mit dem Besuch der Oldtimer deutlich länger dauern, denn 2021 findet die ADAC-Tour rund um Dresden statt.

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