Erdbeersaison: Selbstpflück-Felder sind beliebte Anlaufstelle

Rot und saftig

Große, saftige Erdbeeren hängen an den Pflanzen – Sören Prüser freut’s.  
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Große, saftige Erdbeeren hängen an den Pflanzen – Sören Prüser freut’s. Foto: Beims
  • Ann-Christin Beims
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Hassendorf – Es ist 9 Uhr morgens und schon jetzt sehr warm an diesem Tag. Die Sonne strahlt trotz dünner Wolkendecke vom Himmel. Auf dem Parkplatz am Erdbeerfeld von Familie Prüser aus Hellwege, direkt an der Bundesstraße 75 auf Höhe Hassendorfs gelegen, ist schon reger Betrieb – diejenigen, die selber pflücken, legen früh los, solange die Wärme noch erträglich ist. Zugleich liefert einer der Erntehelfer der Prüsers frische Ware am kleinen Holzhäuschen an – für die, die keine Zeit zum Pflücken haben. So oder so – die Erdbeeren sehen gut aus so mitten in der Saison, lobt eine gerade ankommende Dame, einen weißen Eimer in der Hand.

Sören Prüser kommt gerade an. Gemeinsam mit seinem Vater Rainer hat er das Feld vor drei Jahren gepachtet und zu einem Erdbeerfeld umfunktioniert. Sonst beschäftigen sie sich mit Tannen, aber das Erdbeerfeld macht ihnen auch viel Spaß, berichtet Prüser – man lernt dazu, probiert Neues aus. Aber der Anbau macht auch viel Arbeit in diesem Jahr – es war bisher sehr trocken, da müssen die Pflanzen gut gewässert werden, sonst gibt es kaum oder weniger Früchte und im schlimmsten Fall vertrocknet die Pflanze. Oft waren sie mit dem Wasserfass unterwegs – ein Aufwand, der sich langfristig mit dem Bau eines Brunnens verringern ließe, dann könnten Sprenger aufgebaut werden. In der Überlegung sei das, so Prüser, wenn die Jahre weiter so trocken bleiben – der Bau muss sich lohnen, denn es ist auch eine Kostenfrage. „Aber oft reicht den Erdbeeren schon ein guter Regenschauer aus, damit sie ein paar Liter haben“, merkt er an. „Was ein ordentlicher Regenschauer innerhalb einer halben Stunde bringen kann, fahren wir zwei, drei Tage mit dem Fass, um dieselbe Menge zu bringen.“

Hinzu kam der Spätfrost, der sie in diesem Jahr auf Trab gehalten hatte: Etwa fünf Nächte waren „kritisch“, so Prüser. „Wir mussten die Erdbeeren nachts mit weißer Vliesfolie abdecken, das ist viel Aufwand.“ Den richtigen Moment abpassen müsse man auch, um das Stroh um die Pflanzen zu verteilen. Es darf nicht zu früh eingestreut werden, der Frost sollte aber vorbei sein – sonst hält sich die Kälte im Stroh, es isoliert und das schadet der Erdbeere. Aber es muss erledigt sein, bevor die Früchte wachsen – je größer sie sind, desto schwerer sind sie und neigen sich gen Boden. „Dann würden wir sie mit dem Stroh zudecken“, erklärt Prüser. Das Stroh sorgt dafür, dass die Erdbeeren trocken liegen und verhindert, dass sie sandig werden. Nach der Saison wird es dann in den Boden eingearbeitet.

Seit ein paar Wochen haben sie wieder geöffnet. Saisonbeginn ist im Mai, bis etwa Ende Juni / Anfang Juli kann jetzt gepflückt werden. „Das ist witterungsabhängig“, so Prüser. Es gibt frühe und späte Sorten, so sind immer Erdbeeren reif. Die Nachfrage sei gut – trotz Corona. „Wir machen eher positive Erfahrungen.“ Was sicher auch daran liege, dass die Leute an der frischen Luft sind, auf dem großen Feld unterteilt in mehrere Reihen gut Abstand halten können. Manche kommen mit Mundschutz, andere ohne – in Ordnung ist beides. Es gibt aber schärfere Regeln als sonst: Die Kunden nehmen sich ihre Schalen selbst am Stand, sie werden nicht wie sonst angereicht. Es steht mehr Desinfektionsmittel bereit, dazu Hinweisschilder, was zu beachten ist. „Dadurch haben wir wenig Berührung“, so Prüser. Das einzige, was wegfällt, ist die Belieferung von Hofläden oder Cafés – aber auch, „weil wir im Moment nicht genug Erdbeeren haben, um welche abgeben zu können“, sagt Prüser und schmunzelt – denn genug Leute kommen direkt zum Feld.

Lediglich um ihre Erntehelfer haben sie eine Zeit lang gebangt, es stand durch die Pandemie auf der Kippe, ob sie aus Polen einreisen dürfen. Das habe aber letztlich geklappt und sieben Männer seien im April angekommen – doppelt notwendig, weil sie nicht nur auf dem Erdbeerfeld helfen, sondern auch beim Tannenbaumbeschnitt. „Das schaffen mein Vater und ich alleine nicht“, merkt Prüser an. Einen Plan B habe es aber gegeben: „Mit Studenten oder Leuten aus der Umgebung.“ Das wäre zwar viel Aufwand gewesen, aber Prüsers hätten sie im Notfall angelernt. Er freut sich aber, dass die Polen kommen konnten. „Das ist seit vielen Jahren derselbe Stamm, man kennt sich und die Abläufe.“

Für das Pflücken hat er einen Tipp parat: Mit den Fingern vorsichtig an den Stängel fassen, die Erdbeere abkneifen und sie vorsichtig in die Schale legen. Damit man sie kaum berührt, um sie nicht zu beschädigen. „Das gibt sonst Druckstellen“, erklärt er. „Im Optimalfall geht man Pflanze für Pflanze in einer Reihe ab und pflückt die reifen Erdbeeren ab – aber natürlich kann sich jeder die aussuchen, die er mag“, meint er.

Die Arbeiter sammeln beim Ernten aber gleich die faulen und überreifen Früchte mit ab, damit sie weg sind und nicht zertreten werden. Insgesamt können Erdbeerpflanzen zwei bis drei Jahre beerntet werden, bevor neue Pflanzen folgen – mit einer Pause von einem Jahr, in der eine Zwischenfrucht gepflanzt wird. „Wenn man länger ernten würde, werden die Früchte immer kleiner und die Pflanzen immer schwächer. Zum Herbst hin werden die Pflanzen abgeschlegelt, „dann wächst die Pflanze neu durch“, so der Fachmann.

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