KOMMUNALWAHL: Ein Bayer in Sottrum

Robert Abel will neuer Samtgemeindebürgermeister werden

Robert Abel in seinem Haus in Ahausen.
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Wenn Robert Abel abschalten will, ist oft der Zeichenblock nicht weit entfernt.

Neben Nicolas Fricke und Holger Bahrenburg ist er der dritte im Rennen um den Posten des Sottrumer Samtgemeindebürgermeisters: Robert Abel. Dem Ahauser und gebürtigen Bayer ist vor allem wichtig, die Mitgliedsgemeinden gegenüber der Samtgemeinde zu stärken.

Ahausen – „Grüß Gott!“ Wenn Robert Abel jemanden begrüßt, macht er aus seiner bayrischen Herkunft keinen Hehl. Das war 2001, kurz nach seinem Umzug nach Ahausen, noch anders: „Ich wollte im Ahauser Hof etwas zu Essen holen und habe ,Guten Tag‘ gesagt. Alle haben sofort vermutet, dass ich aus Bayern komme. Und ich dachte nur: Na super, das war mein bestes Hochdeutsch“, erinnert sich Abel und lacht.

Seitdem bleibt er bei „Grüß Gott“, „Habe die Ehre“ und „Servus“ – denn „dann ist es von vornherein klar“. Ob er diese Grußformeln ab Herbst für das Sottrumer Rathaus brauchen kann, entscheidet sich am 12. September. Denn der 57-jährige Ahauser stellt sich dann neben den beiden Einzelbewerbern Holger Bahrenburg und Nicolas Fricke als Samtgemeindebürgermeister zur Wahl.

Passendes Anforderungsprofil

Dabei war die Entscheidung, seinen Hut in den Ring zu werfen, eine spontane Reaktion gewesen: Nach dem Rückzug von Wolf Linne verfasst der FDP-Mann mit seinen Parteikollegen ein Anforderungsprofil. Er gibt es daraufhin noch einmal seiner Frau Christine zum Lesen. „Sie guckte mich nur an und fragte: Worauf willst du dich jetzt bewerben?“, so Abel.

Er entscheidet sich für die Kandidatur, und seine Familie steht hinter ihm: „Meine Tochter ist fünf, sie findet sowieso alles gut, was Papa macht. Und meine Frau kennt das ohnehin nicht anders.“ Denn Christine Abel ist die Tochter von Bernhard Hasselhoff, der selbst jahrzehntelang die Politik der Samtgemeinde mitgestaltete und Jahrzehnte lang Bürgermeister in Ahausen war. „Für mich ist das ein absoluter Ansporn“, betont Abel.

Eine Samtgemeinde funktioniert nur als Konsensmodell aller Mitgliedsgemeinden.

Robert Abel

Seine Hauptmotivation für die Kandidatur ist klar: „Ich habe die Befürchtung, dass wir am Ende eine Einheitsgemeinde werden, in der die Interessen der einzelnen Mitgliedsgemeinden hinten über fallen“, erklärt Abel. „Wenn diese nicht mehr das Heft in der Hand haben, wird es unausgewogen. Eine Samtgemeinde funktioniert nur als Konsensmodell aller Mitgliedsgemeinden.“

Er strebt eine Verschlankung der Verwaltung an, „womit allerdings keine Stellenstreichung gemeint ist“, so Abel. Ihm geht es darum, Vorgänge zu optimieren und effizienter zu gestalten: „Die Mitgliedsgemeinden sollten einen Ansprechpartner haben, an den sie sich mit Anliegen und Fragen wenden. Dieser sammelt alle notwendigen Informationen und gibt sie gebündelt wieder zurück – anstatt dass sich Abteilungen A. B und C einzeln und zeitverzögert antworten.“ Das soll auch dabei helfen, Prozesse zu beschleunigen, „da geht momentan immer noch viel zu viel Zeit ins Land“, kritisiert Abel. Seiner Ansicht nach sollen die Gemeinden in der Lage sein, qualifiziert Entscheidungen zu treffen und sich dafür selbst weiterzubilden.

Erst Goldschmied, dann Landwirt

Sich weiterzubilden und immer wieder neu zu orientieren begleitet auch Abel: Aufgewachsen auf einem Bauernhof im niederbayrischen Kleinweichs zwischen Regensburg und Passau lernt er nach der Schule zunächst Goldschmied, studiert Landwirtschaft und Architektur, ist im Vorstand einer Erzeugergemeinschaft für Kartoffelexporte nach Italien und übernimmt nach seinem Umzug nach Ahausen 2001 Geschäftsführertätigkeiten. „Es geht um Teambuilding sowie darum, Leute optimal einzusetzen – und ich habe das Wissen, Zielvorgaben zu arbeiten und diese gemeinsam mit den Mitarbeitern zu erreichen“, ist Abel überzeugt. „Dazu kommt, dass die Arbeit des Samtgemeindebürgermeisters mehr nach Außen transportiert werden muss. Die Menschen merken sonst gar nicht, welche wichtige Funktion die Samtgemeinde als Konstrukt für sie hat.“

Mittlerweile hängt sein Konterfei auf Plakaten, verteilt auf die ganze Samtgemeinde, Ende August, Anfang September stehe noch Wahlkampftermine in den Mitgliedsgemeinden an. Um bei alledem den Kopf frei zubekommen, wird der Ahauser gerne kreativ: Mit Tochter Martha zusammen ist er im familieneigenen Waldstück unterwegs, Dinosaurierknochen ausbuddeln. „Die habe ich vorher in Gips gegossen und dort versteckt“, verrät Abel. Oder er malt, so hängt unter anderem in der Diele seines Hauses ein Gemälde der Schwiegermutter. Auch für Sottrum hat er eine Farbpalette im Kopf: „Es ist hier kälter, als in Bayern, also kühlere Farben, viel Licht, aber vor allem: viel Grün“, erklärt er. „Und eine Farbe, die dem Ausdruck des Verwurzeltseins entspricht – dass die Menschen gerne hier leben.“

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