Renate Köster und Heidi Stahl von der Kulturinitiative sprechen über das Ende der „FlettKultur“

„Es war eine schöne Zeit“

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Das Licht ist aus: Renate Köster (l.) und Heidi Stahl hören auf dem Höhepunkt der „FlettKultur“ auf.

Sottrum - Von Jessica Tisemann. Es ist vorbei. Die „FlettKultur“ der Kulturinitiative Sottrum gibt es im kommenden Jahr nicht mehr. Was die beiden Organisatorinnen Renate Köster und Heidi Stahl zum Aufhören zwingt, erzählen sie im Interview mit der Kreiszeitung.

Was hat Sie zu dem Schritt bewogen, zu sagen, mit der „FlettKultur“ ist Schluss?

Heidi Stahl: Es sind hauptsächlich gesundheitliche Gründe. Wir sind jetzt auf dem Höhepunkt und irgendwie ist dann auch die Luft raus – bei uns beiden. Und da haben wir gesagt, lieber hören wir auf, wenn es am allerschönsten ist, als dass wir das Ganze dann nur noch unlustig machen.

Ist das alles?

Stahl: Wir haben zwar immer Hilfe, aber wir müssen aufbauen, am gleichen Abend wieder abbauen und das Heimathaus so übergeben, wie wir es übernommen haben. Und wenn wir 129 Stühle schleppen, ist das viel Arbeit. Bei den großen Bühnenelementen hat uns der Heimatverein immer geholfen.

Renate Köster: Auch unsere „Bardamen“ waren immer mit Freude dabei. Aber es kommt eben auch mal vor, dass sie zum Beispiel verreisen, dann muss man wieder den Nächsten fragen.

Das heißt, auch mit mehr Unterstützung wäre die Entscheidung nicht anders ausgefallen?

Stahl: Die Entscheidung wäre keine andere gewesen. Bei mir ist es auch so, dass ich eine kreative Leere hatte. Es ist immer dasselbe seit fünf Jahren. Am Anfang war es toll und wir waren voller Esprit und haben uns 1000 Sachen ausgedacht, die wir noch schöner machen könnten, und jetzt die letzten drei, vier Vorstellungen war das nur noch Routine. Wir konnten nichts Neues mehr machen, weil alles bestens war. Von daher haben wir auch für uns gesagt, es reicht.

Haben Sie den Entschluss schon im vergangenen Jahr gefasst und wollten noch das Fünfjährige vollmachen?

Stahl: Nein. Das fing Anfang des Jahres an. Das Programm für das kommende Jahr stand zum Teil sogar schon. Dann haben wir uns aber trotzdem überlegt, dass wir nicht weitermachen. Es gab in den vergangenen Jahren 29 Vorstellungen – ich hätte die 30. gerne noch gehabt, aber das hat sich nicht ergeben (lacht). Man kann nicht sagen, dass wir die Lust verloren hätten, die Waage zwischen Lust und Stress hat sich ein bisschen verschoben.

Köster: Und hinzukommt, dass, wenn wir mit einer Vorstellung durch sind, wir schon die nächste vorbereiten müssen. Sind wir mit der ganzen Saison fertig, geht die Vorbereitung fürs neue Jahr los...

Das heißt also, Sie haben nie wirklich Ihre Ruhe...

Köster: Richtig, und wenn ich dann einmal sage, ich möchte in den Urlaub fahren, bin ich nie terminfrei.

Ist geplant, dass die Kulturinitiative einen Ersatz für die Veranstaltungsreihe ins Leben ruft?

Köster: Wir überlegen noch. Wir diskutieren viel und haben viele Ideen, aber wir wissen noch nichts auf den Punkt. Wenn uns jemand etwas hinstellt, wie im Heimat- und Kulturhaus in Hellwege, wo man einfach hinfährt und sagt, Licht an – das wäre schön. Aber es ist zu viel Räumerei dabei.

Stahl: Wenn sich jemand bereiterklären würde, das weiterzumachen ohne, dass wir involviert sind: Unser Wissen geben wir gerne weiter, aber Verantwortung übernehmen wir keine mehr. Es ist aber, glaube ich, so wie in allen Vereinen: Es fehlt der Nachwuchs. Wir wollten ja im Sommer auch 15-jährigen Geburtstag feiern. Das haben wir auch ausfallen lassen wegen dem Mangel an Man-Power.

Bedeutet das Ende der „FlettKultur“ auch ein Ende der Kulturinitiative?

Stahl: Nein. Die gibt es definitiv weiter. Und auch wir sind mit Sicherheit mit unserer Kreativität noch nicht am Ende. Es ist nur das Projekt „FlettKultur“, das sich für uns totgelaufen hat.

Gibt es auch etwas, dass wegen der „FlettKultur“ auf der Strecke geblieben ist?

Köster: Ich bin eigentlich Malerin und zu der Kulturini gekommen, als die Kunstprovinz groß in der Zeitung war. Da dachte ich, dabei könnte ich mitmachen. Peter Esche hat damals gleich gesagt, dass er mich für etwas ganz anderes braucht. So ist die „TurmKultur“ entstanden. Dann hat er mir Heidi an die Seite gestellt, und es lief. Deshalb habe ich meine Malerei ein bisschen ad acta gelegt. Ich habe jetzt eine richtige Malwut gekriegt.

Was war das Besondere an den Veranstaltungen?

Stahl: Die Aftershow-Partys waren unser Highlight. Dann sitzen die Künstler mit dem harten Kern der Helfer nach der Vorstellung zusammen, bringen eine private Zugabe. Das ist einfach wunderschön.

Köster: Auch der Umgang mit den Künstlern ist uns unglaublich leicht gefallen. Eine Anfrage und sofort kam das Ja. Das hat sich rumgesprochen. Und die Künstler sind alle so geschmeidig und mit Freude dabei gewesen. Wir haben die Auftritte quasi privatisiert, als hätten wir die Künstler privat eingeladen.

Stahl: Und so haben sich die Künstler auch gefühlt.

Köster: Viele haben auch bei uns angefragt, ob sie auftreten können. Mein Mail-Fach war immer voll. Ich hätte noch 30 Jahre so weitermachen können.

Haben Sie Ihre Ziele, die Sie sich mit der Kleinkunstbühne gesteckt haben, erreicht?

Stahl: Für mich ist das Konzept aufgegangen, dass wir in Sottrum gehobenere Kulturarbeit leisten können. Das hat sich durch Benedikt Vermeer bewahrheitet. Dass das Publikum das angenommen hat, war für mich die größte Freude. Wir wollten auch die erreichen, die Angst vor der Schwelle zum Theater haben oder nicht mehr nach Bremen oder Hamburg fahren können. Was mir auch immer wichtig war, ist, dass wir die Eintrittspreise immer niedrig gehalten haben. Man muss bedenken, dass wir die Künstler nur davon bezahlen konnten, was wir tatsächlich eingenommen haben. Sie bekommen 80 Prozent der Einnahmen und 20 Prozent die Kulturini.

Köster: Und die haben sich darauf immer eingelassen. Mir hat ein Künstler mal erzählt, es ist ihnen viel mehr wert, ein tolles Publikum zu haben und dafür 50 Leute weniger, weil sie dafür ein Feedback bekommen.

Wie haben die Künstler das Ende aufgenommen?

Stahl: Sehr verständnisvoll.

Köster: Wir haben ihnen gesagt, dass wir aus gesundheitlichen Gründen nicht weitermachen, und es hatten alle Verständnis. Einige haben gleich gesagt: Wenn ihr mal wieder eine Vorstellung macht, sind wir da.

Ist es dann nicht eine Überlegung, dass man vielleicht nur eine Veranstaltung im Jahr auf die Beine stellt?

Stahl: Lassen Sie uns erst einmal Luft holen. Wir brauchen eine Denkpause. Es wird mit Sicherheit nicht das Ende unserer Zusammenarbeit sein. Es fällt uns schon noch was ein.

Also können wir vom Duo Köster-Stahl noch etwas erwarten?

Köster: Auf jeden Fall. Es ist nur die „FlettKultur“, die es nicht mehr gibt. Ganz ohne können wir auch nicht.

Stahl: Da kommt bestimmt etwas. Und im Heimathaus würden wir sicher spontan einen Termin bekommen.

Hat sich das Ende der „FlettKultur“ in Sottrum schon herumgesprochen?

Stahl: Nein. Wir waren wirklich verschlossen, was das Thema angeht.

Köster: Wir haben auch extra bei der letzten Vorstellung nichts gesagt.

Stahl: Ich wollte auch, dass jeder Künstler die gleiche Chance hat. Wenn wir gesagt hätten, dass das die allerletzte Vorstellung war, hätte Birgit Ka ein ganz anderes Feedback als die Anderen gehabt. Das wollten wir nicht.

Auf was freuen Sie sich denn jetzt am meisten?

Stahl: Wir machen erst einmal ein Wellness-Wochenende (lacht). Das haben wir uns verdient.

Köster: Wir haben uns auch vorgenommen, viel für unsere Gesundheit zu tun und jeden Tag mit meinem Hund in den Wald zu gehen und Fahrrad zu fahren.

Was ist die schönste Erinnerung aus den fünf Jahren?

Stahl: Ich kann eigentlich nicht sagen, dass es die eine schönste Erinnerung gibt. Wir hatten natürlich unsere Lieblinge.

Benedikt Vermeer vermutlich...

Köster: Ja! Er hat das Publikum jedes Mal so sehr gepackt. Ihn haben wir wirklich ins Herz geschlossen.

Stahl: Er hat sich mit jeder Gegebenheit abgefunden, ob es nun im Turm zu kalt war oder zu Anfang im Heimathaus noch keine richtige Beleuchtung gab. Er hat keine Ansprüche gestellt.

Warum ging es nach zwei Jahren aus dem Turm ins Heimathaus?

Stahl: Der Turm stand aus baurechtlichen Gründen nicht mehr zur Verfügung. Die damalige Bürgermeisterin Christa Kirchhof ist dann auf die Idee mit dem Heimathaus gekommen und hat im Gemeinderat nachgefragt, ob wir das kriegen können.

Köster: Im Turm war es schön. Das haben auch die Gäste immer wieder gesagt.

Jetzt heißt es also, von der „FlettKultur“ Abschied zu nehmen...

Stahl: Alles hat seine Zeit. Ich finde, wir haben viel geleistet, haben für Sottrum viel getan und können stolz auf uns sein. Es war eine schöne Zeit.

Die „FlettKultur“

Die „FlettKultur“ der Kulturinitiative Sottrum hat in diesem Jahr ihr fünfjähriges Bestehen gefeiert. Los ging es 2011 im Kirchturm der St.-Georg-Kirche – damals noch unter dem Titel „TurmKultur“. Peter Esche sicherte sich die Unterstützung vieler Helfer. Neben Jens Högermeier und Renate Bruckmann waren auch schon Renate Köster und Heidi Stahl dabei. Ebenfalls von Anfang an mit dabei war Benedikt Vermeer, der auch mehrmals in einer Saison aufgetreten ist. Nach zwei Jahren zog die Kleinkunstbühne ins Heimathaus um und wurde zur „FlettKultur“.

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