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Reitverein Sottrum gewöhnt neue Meutetiere an die Jagd

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Von: Nina Baucke

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Harrier-Meute bei Meuteübung in Bötersen
Für die Hunde ist die Meutearbeit ein wichtiger Teil der Ausbildung. © Baucke

Der Reitverein Sottrum und die Böhmer Harrier Meute trainieren in der Bötersener Feldmark die neuen Meutehunde - unter anderem mit Pansenlauge.

Bötersen – Auf einmal taucht er aus dem Gestrüpp auf und huscht im Affenzahn über den Feldweg. „Oh, oh!“, sagt Friedel Lossau vom Sottrumer Reitverein. Der Feldhase verschwindet wieder im nächsten Dickicht – und ist damit hoffentlich außerhalb der Gefahrenzone. Denn zeitgleich tönt ein Bellen vom Dorfrand Bötersens bis in die Feldmark, die ersten Tiere einer Hundemeute kommen hinter planenverpackten Heuballen hervorgeprescht, ihnen folgen gut 20 Pferde mit ihren Reitern.

Die Hunde der Harrier-Meute
Die Hunde der Harrier-Meute folgen einer Duftspur aus Pansenlauge. © Baucke

Zum Glück für den Feldhasen ist seine Spur für die Hunde gerade völlig uninteressant, ihre Sinne sind in diesem Augenblick auf einen ganz bestimmten Duftstoff kalibriert – Pansenlauge. „Das ist aber für jede Meute unterschiedlich, andere nutzen beispielsweise Anis oder auch Heringslake“, sagt Lossau. Den Duft der Pansenlauge verteilen vier in zügigem Tempo vorweg reitende Schlepper entlang einer vorher ausgewählten Route. Denn das, was sich an diesem Tag in der Bötersener Feldmark abspielt, ist Teil einer Ausbildung, die einige Minuten vorher auf dem Platz vor dem Gasthaus Hoops seinen Anfang genommen hat.

Es ist gutes Jagdwetter, wie die Reiter mit einem kurzem Blick zum blauen Himmel feststellen. Nur wenige Wölkchen schieben sich ab und zu vor die Sonne. Aber auf dem Gelände des Gasthauses spielt das gerade weniger eine Rolle, denn die Kulisse ist neben etlichen Transportwagen für Pferde und Schaulustigen vor allem von dem lauten Bellen bestimmt, das aus einer Scheune dringt. Dort warten die 23 Tiere der Böhmer Harrier-Meute, acht von ihnen sind noch junge Hunde, die mithilfe der heutigen „Schleppjagd light“ für die Meute ausgebildet werden sollen. „Wir fangen immer zu Fuß mit den Tieren an, sie in die Gruppe zu integrieren“, erklärt Thorsten Mönchmeyer. Er ist der Master, also derjenige, der die Meute führt. „Einer der besten Master Deutschlands“, wie Lossau betont.

Der Bötersener ist Jagdwart des Reitvereins Sottrum und Organisator des Tages. Zum 20. Mal richtet der Verein diese Art der Meutearbeit aus, bereits zum zehnten Mal zusammen mit der Böhmer Harrier-Meute. Dabei dient das Ereignis nicht nur, um die jungen Hunde an die Jagd heranzuführen, auch junge Reiter aus der Region haben Gelegenheit, schon einmal ganz ohne Stress mitzureiten. „Wenn es dann wieder auf unsere Herbstjagd geht, haben Reiter wie auch Hunde die nötige Erfahrung“, weiß Lossau. Einige von ihnen haben an diesem Tag schon eine längere Anfahrt von bis zu zweieinhalb Stunden hinter sich, wiederum andere kommen aus der Hamburger Ecke.

Gerhard Bosselmann, Friedel Lossau und Thorsten Mönchmeyer
Auch Gerhard Bosselmann (v.l.), Friedel Lossau und Thorsten Mönchmeyer haben das Ziel erreicht. © Baucke

Während sich die Reiter, die an diesem Tag Gerhard Bosselmann anführen wird, auf ihren Pferden aufwärmen, hält sich hartnäckig das aufgeregte Bellen aus der Scheune – bis sich die Equipage, jene Reiter, die die Meute unmittelbar führen, in Position bringt. „Der Equipage gehören erfahrene Reiter und erfahrene Pferde an, die nicht bei der kleinsten Unsicherheit auskeilen.“

Die Scheuentüren öffnen sich und ein Knäuel aus Pfoten, Schlappohren sowie braunem, schwarzem und weißem Fell wird von mehreren Pferden eingekreist und abgeschirmt. Die Equipage begleitet die Hunde nach einer kleinen Eingewöhnungsrunde zu einem Wassertrog. „Für die Jagd muss die Schnauze nass sein“, erklärt Lossau, während in dem Rudel eine Rangelei um den besten Platz am Trog ausgebrochen ist.

Reiter in der Bötersener Feldmark
In vollem Galopp geht es durch die Bötersener Feldmark. © Baucke

Im Unterschied zur Herbstjagd hat die Strecke an diesem Tag ein einfaches Niveau: Entlang der Route müssen Pferde und Hunde keine Gräben überqueren, auch die Distanz selbst ist kürzer, gut sieben Kilometer geht es heute durch die Feldmark, im Gegensatz zu den jagdüblichen rund 14 Kilometern.

Die Sprache der Jagdreiterei ist von englischen Begriffen durchsetzt. Kein Wunder, orientiert sich die Schleppjagd am Vorbild der Jagden in Großbritannien – nur ohne tote Füchse. Neben „Hound“ und „Master“ spielen „Lines“ bei der Schleppjagd eine Rolle. Sie sind die Duftspuren, die die Meute verfolgen. Insgesamt vier „Lines“ führen an diesem Tag durch die Feldmark zwischen Bötersen und Luhner Forst, an jedem ihrer Enden stehen ein schwarzer Plastiktrog und Zuschauer. Diese reisen in Auto-Kolonne vorweg zu den einzelnen Endpunkten und überbrücken die Wartezeit auf Hunde und Reiter zwischen Acker und Baumreihe mit einem kühlen Gläschen Weißwein in der Hand, den Lossau zuvor aus seinem Kofferraum gezaubert hat.

Aus Richtung des Luhner Forstes dringt Hundegebell, erst tauchen die Tiere vereinzelt über der Hügelkuppe auf, dann folgen die Reiter – und während diese aus vollem Galopp zügig zum Stehen kommen, machen sich die Hunde bereits über den Wassertrog her. Sie sind nach wie vor aufgekratzt, während man manchen Pferden und Reitern die Anstrengung bereits ansieht. Kurze Verschnaufpause – und weiter geht es.

Am Ende der letzten „Line“ gönnen die Schlepper den Hunden noch mal einen Extra-Bogen, den sie über das Feld am Bötersener Dorfrand reiten, bevor sie die Spur erneut am Wasserbottich enden lassen. Dieses Mal ist das Gerangel so temperamentvoll, dass der Trog umkippt. Macht dann aber auch nichts mehr, Organisatoren und Reiter zeigen sich zufrieden. Die jungen Hunde haben ihre Aufgabe gut gemacht.

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