Regisseurin Schmalen überzeugt mit ihrem Leporello-Debüt

Macht, Liebe und Bestechung auf Burg Clüver

+
Der Troubadour (Thomas Voss) besingt und beobachtet das Liebesspiel von Adelheid und Karl.

Clüversborstel - Mit viel Wortwitz, kurzweilig und fesselnd präsentierte sich die Theatergruppe Leporello der Kulturini Sottrum am Freitag bei ihrer ausverkauften Premiere von „Schweine auf Burg Clüver“.

Nein, kein Scherz: Das kleine Bauerndorf verfügte früher über die Burg „Zum Clüversborstel“ – 1467 auf der linken Seite der Wieste von Heinrich Clüver gebaut. Und dort, auf dem alten Burgberg, ließ Leporello alle wieder auferstehen: Heinrich und Beke (in Wahrheit Adelheid) von Clüver, Schergen Johann, den lasterhaften Berthold von Landsberg, Bischof von Verden, Magd Adelheid, Gaukler und Troubadour. Der Teufel (Silke Mehring), als Gastgeber, führt ironisch durch das Parallelwerk, das im späten Mittelalter und der Neuzeit spielt.

Während es im „Früher“ um die Schulden des Clüvers beim Bischof geht, dreht es sich im „Hier und Jetzt“ um ein aktuelles und wahrhaft brisantes Thema: einen Schweinemaststall für 5000 Ringelschwänze. Klar, dass sich eine Bürgerinitiative gründet. Die vertritt vehement Beke von Clüver – hinter dem Rücken ihres Mannes. Heinrich weiß davon nichts, besticht die Kommunalpolitik, verspricht dem künftigen Schweinemäster viel und hat ein Verhältnis mit seiner Kollegin Adelheid. Aufgedeckt wird das alles von Peter Susewind (Mathias Brinkmann) vom „Heißen Eisen“. In seinem ersten Leben Gaukler am Hofe Clüver, treibt er so manchen Schabernack, beobachtet das Liebesgeplänkel zwischen Adelheid (Majdra Kalovna) und Karl, dem Zimmermann (Konstantin Portatius) und kommentiert wahrhaft unterhaltsam.

Sehr authentisch spielt Dietrich Metzger Burgherrn und Bankier. Er ereifert sich so sehr, dass der Speichel nur so spritzt – und die Mimik Bände spricht. Ebenfalls überzeugend in ihren Rollen: Beke von Clüver alias Irmgard Bongartz.

Ensemble und Besucher wandeln für die einzelnen Szenen zwischen Zirkuszelt, Garten und Burgplatz hin und her. Die Beleuchtung (Frank Wildanger und Ramona Schmalen) ist perfekt auf die Inszenierung abgestimmt.

Regisseurin Schmalen überzeugt gleich mit ihrem ersten Leporello-Debüt. Zu hoffen ist, dass sie und ihr Team weitere solche Geschichten auf die Beine stellen. „Schweine auf Burg Clüver“ ist noch am 30. April sowie 1., 8. und 9. Mai, 20 Uhr, zu sehen.

bd

Mehr zum Thema:

IS bekennt sich zu Londoner Anschlag

IS bekennt sich zu Londoner Anschlag

Südkorea setzt "Sewol"-Bergung fort

Südkorea setzt "Sewol"-Bergung fort

Elternleid und Altersliebe: Neue Hörbücher

Elternleid und Altersliebe: Neue Hörbücher

Apotheke auf dem Balkon: Heil- und Würzpflanzen für den Topf

Apotheke auf dem Balkon: Heil- und Würzpflanzen für den Topf

Meistgelesene Artikel

Schüler erteilen Rassismus einen Platzverweis

Schüler erteilen Rassismus einen Platzverweis

Westervesede: Noch jede Menge Müll vom Hurricane-Festival 2016 

Westervesede: Noch jede Menge Müll vom Hurricane-Festival 2016 

Hartmut Leefers: „Das ist ein schwieriger Prozess“

Hartmut Leefers: „Das ist ein schwieriger Prozess“

Kommentare