Mittlere Wümme ist eine Besonderheit

Region ist reich an seltenen Arten

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Heiko Brunken und Iris Woltmann bei der Elektrofischerei in der Wümme.

Ahausen - Von Bettina Diercks. Glücklich schätzen darf sich, wer im Bereich der mittleren Wümme lebt. Gerade erst am Samstag wurde dem Gebiet zum wiederholten Male nicht nur die ungewöhnliche Schönheit, sondern auch ein besonderer Artenreichtum bescheinigt. Gefunden wurden beim zweiten „Tag der Artenvielfalt“ in Ahausen erneut Rote-Liste-Arten.

Da bereits im vergangenen Jahr besondere Funde auf den Flächen und in den Waldgebieten gemacht wurden, entschieden sich die Organisatoren und Protagonisten bereits 2016 dafür, erneut an die Hassendorfer Schleuse zu reisen. Von dort schwärmten am Samstag wieder Vogel- und Pflanzenkundler, Pilzkenner und Angler aus, um fündig zu werden.

Und das wurden sie. Hätte der Tag Wettbewerbscharakter, lägen die Pilzfachleute vorne. „Um die 90 Arten könnten wir aufschreiben“, sagte Pilzsachverständiger Jörg Albers (Tostedt) vom Arbeitskreis Pilzkunde des Naturwissenschaftlichen Vereins zu Bremen. Weitere gefundene Exemplare werden später mittels Mikroskop und Literatur bestimmt.

Per Lupe wurden verschiedene Pilzkulturen bestimmt.

Eine ganz besondere Entdeckung an ungewöhnlichem Fundort, nämlich im Wald, machte die Gruppe mit einem Weichen Flaschenbovisten, der eigentlich ein Steppenbewohner ist. „Den haben wir in den vergangenen Jahren überhaupt nicht mehr gehabt“, betonte Albers. Der Pilz gehöre laut dem Sachverständigen in Niedersachsen zu den Rote-Liste-II-Arten und ist jung essbar. Ihm folgte an diesem Tag der „Sommer Austernseitling“, der nur im Sommer fruktuziert und auf der Roten Liste der gefährdeten Arten zu finden ist. Seit zehn Jahren würde der Pilz vermehrt vorkommen, seit fünf Jahren eine nahezu sprunghafte Vermehrung zeigen, so Albers. Der Experte freute sich über zwei weitere wertvolle und seltene Funde: Den Zweifarbigen (Rote Liste) und den Birkenporling, der wiederum von einem Pilz befallen ist. Erster ist auf Totholz von Laubbäumen zu finden und beteiligt sich an dessen Zersetzung. Eh ein spannendes Thema, wie sich am Samstag herausstellte: Tothölzer weisen oftmals gleich mehrfachen Pilzbefall auf. Bis zu zehn befanden sich auf dem Ast, auf dem sich auch der Zweifarbige Porling ausbreitet. Doch nicht ungehindert: Jede Pilzart verteidigt sein Revier auf dem Holz.

Mitglieder des Anglerverbandes Niedersachsen gingen mit einem ähnlichen Ergebnis wie 2016 nach Hause. 13 Arten fingen sie per Elektrofischerei, zwölf davon im Bereich der Sohlgleite, wo sich viele kleine Aale ausmachen ließen. Großfische fehlten zwar und das Ergebnis ist trotz guter Technik defizitär, dennoch bescheinigte Professor Dr. Heiko Brunken von der Hochschule Bremen wie sinnvoll die Renaturierung der Wümme ist. Ein besonderer Fund war ein Kamberkrebs, der aus Nordamerika stammt.

Der Kamberkrebs stammt ursprünglich aus Nordamerika.

Regen und Wind stellten die Vogelkundler vor erschwerte Bedingungen, um Singvögel ausfindig zu machen. Nachweise von Bekassine und Braunkehlchen gab es nicht. Der im vergangenen Jahr entdeckte Zwergschnäpper war ebenfalls nicht aufzuspüren. Den Pfiff des Eisvogels hatte die Gruppe zwar gehört, den Urheber aber nicht in Augenschein nehmen können. Dafür tauchte über der Wümmeniederung ein Wespenbussard (Rote Liste) auf. Da er gerade Brutzeit hat, gingen die Ornithologen davon aus, dass er in der Nähe ein Horst hat. Insgesamt 49 Vogelarten machten sie ausfindig, darunter häufig den Neuntöter (Rote Liste).

In der Gruppe Makrozoobenthos wurde am Samstag die FFH-Art „Grüne Keiljungfer“ als besonderes Exponat verbucht. Die restlichen Entdeckungen müssen für ihre korrekte Bestimmung aufgrund ihrer geringen Größe noch genauer unter die Lupe genommen werden.

Organisator Burghard Wittig vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) fand an der Ahauser Salzstelle die „Spießblättrige Melde“. Im weiteren Verlauf der Expedition entdeckte Wittig gleich elf Rote Listen Arten. Am Ende des Tages wurde einstimmig beschlossen, weiterhin diese Veranstaltung in Ahausen stattfinden zu lassen. „Da geht noch was“, sagte Brunken.

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