Lutherjahr-Reihe: Professor Hans Otte mit einem Vortrag zu Gast bei der St.-Georg-Stiftung

Wie die Reformation nach Sottrum kam

Friederike Paar und Olaf Feuerhake (r.) von der St.-Georg-Stiftung begrüßen Professor Hans Otte in Sottrum. - Foto: Stahl

Sottrum - Für die dritte Veranstaltung der St.-Georg-Stiftung in ihrer Reihe zum Lutherjahr hatte Pastor Olaf Feuerhake den ehemaligen Leiter des landeskirchlichen Archivs, Professor Hans Otte, nach Sottrum eingeladen. Die geschichtlichen, sozialen und politischen Dimensionen der Ausbreitung der Reformation in Niedersachsen waren am Dienstagabend in der St.-Georg-Kirche sein Thema.

Vor einer Vielzahl von interessierten Zuhörern lieferte der Historiker einen klar gegliederten Abriss der historischen Umstände und Gegebenheiten in den ersten hundert Jahren nach dem Anschlag von Luthers Thesen an die Wittenberger Kirchentüren (1517). Mit vielen Bildern und Karten der damaligen politischen Land- und Machtverteilung veranschaulichte er seinen Vortrag und erklärte, wie die Reformation die niedersächsische Provinz und damit auch Sottrum erreichte. Sottrum gehörte damals zum Bistum Verden und hatte in der St.-Georg-Kirche einen sogenannten Heuer-Pfaffen, den man heute als Leiharbeiter des Verdener Bischofs bezeichnen würde. Der Buchdruck und die Übersetzung der Bibel in die deutsche Sprache waren die ausschlaggebenden Medien, die die Verbreitung von Luthers Lehren begünstigten.

Schon 1518, nur ein Jahr nach dem Anschlag der Thesen, die eigentlich nur eine wissenschaftliche Diskussion anregen sollten, erschienen in Nürnberg, Heidelberg und Basel die ersten Flugblätter mit Luthers Klerikerkritik und dem Ruf nach einer Gottesdienstordnung in deutscher Sprache, berichtete Otte. Durch Kaufleute und den aufblühenden Handel seien diese in die Hansestädte Bremen und Braunschweig gekommen und hätten sich auch von Kloster zu Kloster verbreitet. Zusätzlich habe die Musik durch die aufkommenden deutschen Kirchenlieder eine Protestbewegung gebildet, die auch die unteren Schichten erreichte. Regelrechte Lager bildeten sich, in denen die Deutsch singenden Christen sich durch Lautstärke gegen die Latein singenden Kleriker in den Gottesdiensten regelrechte Kämpfe lieferten, schilderte Otte humorvoll.

Sein Vortrag ließ bei aller historischen Akribie und Nennung vieler Namen und Jahreszahlen keinen Augenblick die Aufmerksamkeit erlahmen, so lebendig schilderte er die Ereignisse. Im anschließenden Gespräch ging er auf einen Schatz ein, den die St.-Georg-Kirche zu bieten hat, nämlich den „gemeinen Kasten“ von 1655. Solche Kästen wurden in den reformierten Kirchen aufgestellt, um die sozialen Aufgaben der Kirchen, beispielsweise die Alten-, Armen- und Siechenpflege, sicherzustellen. Verwaltet wurden sie von den reformierten Verdener Domherren.

Diese Schatztruhen hätten auch quasi als erste Banken fungiert, weil daraus auch Kredite vergeben wurden. Um persönlicher Bereicherung vorzubeugen, hatte der Kasten nicht nur viele Schlösser, sondern jeder Domherr einen eigenen Schlüssel, so Otte. - hs

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