„Muss man zusammen besprechen“

Ratsherr Jürgen Böschen über „Sottrum 2030“ und die Landwirtschaft

Im Baugebiet „Dannert IV“ haben die ersten mit dem Häuserbau begonnen. Die Ausdehnung bedeutet aus Sicht der Landwirte Schwierigkeiten.
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Im Baugebiet „Dannert IV“ haben die ersten mit dem Häuserbau begonnen. Die Ausdehnung bedeutet aus Sicht der Landwirte Schwierigkeiten.

Sottrum – Mit dem Entwicklungskonzept „Sottrum 2030“ möchte sich die Gemeinde selbst in eine gute Zukunft führen. Doch das scheint im Wesentlichen nur für die Gebiete mit geschlossener Bebauung zu gelten, also der Kernort selbst und seine angeschlossenen Dörfer Stuckenborstel und Everinghausen. Und außerhalb? Die Umgebung findet wenn überhaupt nur unter Klima- und Umweltaspekten Berücksichtigung.

Die Landwirtschaft findet kaum statt im Konzept, auch nicht als Teil der Gewerbebetriebe. Dennoch schaut die Branche auf die Auswirkungen.

Darunter auch Jürgen Böschen, Landwirt in Everinghausen und Mitglied der CDU-Fraktion im Gemeinderat. In den vergangenen Monaten der Vorberatungen zum Maßnahmenkatalog, der am Mittwoch, 26. Mai (19.30 Uhr, Schule an der Wieste), vom Rat beschlossen werden soll, hat er häufig auf die Belange seiner Zunft hingewiesen.

Es sei in Ordnung, dass Bauern im Entwicklungskonzept außen vor blieben, erklärt er im Gespräch mit der Kreiszeitung. „,Sottrum 2030‘ ist auch ohne Landwirte schon ein riesiges Paket.“ Dennoch hat dieses Paket auch gewisse Folgen für die Landwirte in Sottrum.

Das Thema Landwirtschaft mit ins Konzept zu holen, hätte Böschens Ansicht nach den Rahmen gesprengt, zu komplex sei es. Berührungspunkte mit den Bauern sieht der Maßnahmenkatalogentwurf aktuell nur in zwei Punkten vor: im geringeren Rahmen mit „Blühenden Feldwegen“, etwas stärker greift „Sottrum 2030“ ein, wenn es darum geht, Landwirte im Ort zur Aussiedelung zu bewegen.

Und so macht Böschen in erster Linie die Versiegelung von Flächen durch neue Wohngrundstücke Sorgen. Zumal Bürger ihre Gärten nicht immer klimafreundlich gestalteten. „Bei manchen fehlt die Eigeninitiative.“ Durch die Ausdehnung des Ortes fallen zudem immer mehr landwirtschaftliche Flächen weg.

Am Dannert meint Böschen, sei einst qualitativ hochwertiges Ackerland gewesen. Nun steht dort ein Wohngebiet. In Sottrum bliebe den Landwirten meist nur noch sogenannte Grenzertragsflächen mit denen sich kaum wirtschaftlich arbeiten lasse – sozusagen ein doppelter Verlust. „Die Gemeinde hat viele Flächen und gleichzeitig wird von uns erwartet, dass wir hochwertige Lebensmittel produzieren. Doch das geht mit diesen Böden teilweise nicht“, so der Everinghauser weiter.

Grundsätzlich wünsche er sich, dass bei manchen Themen auch mit den Landwirten gesprochen wird. Zum Beispiel, wenn es um Blühstreifen an Feldwegen geht. „Da bin ich grundsätzlich dafür“, sagt er, doch müsse man auch einiges beachten. Wenn auf engen Feldwegen etwa der Begegnungsverkehr nicht mehr möglich ist, der Bauer den Streifen dann überfahren muss und am Ende der Buhmann sei. „Das muss man zusammen besprechen.“

Sottrums Ausdehnung lässt sich mit der sogenannten Innenverdichtung abbremsen. Auch sie ist Bestandteil von „Sottrum 2030“ und besagt, dass freie Flächen im Dorf für Wohnbebauung genutzt werden sollen. Im Wieste-Ort, insbesondere südlich der Bundesstraße 75 gibt es viele solcher Flächen. Häufig wird eine Wohnbebauung allerdings direkt oder indirekt von landwirtschaftlichen Betrieben blockiert oder erschwert.

Zuletzt gab es zwei derartige Fäll auf Sottrumer Gebiet: Neben der Feuerwehr sollen unter anderem Mehrparteienhäuser entstehen, auf die ein benachbarter Bauernhof Einfluss nimmt. Prominenter ist der Plan eines Investors, im Dreieck aus Bergstraße und der Straße An der Wieste ein größeres Wohnquartier zu entwickeln. Hier steht man bereits in Verhandlungen mit einem dort ansäßigen Landwirt, den man sozusagen aus dem Gebiet rauskaufen möchte, damit er sich außerorts neu ansiedelt.

Solche Verhandlungen würde auch die Gemeinde Sottrum gerne verstärkt sehen beziehungsweise führen. Doch einfach ist das nicht. „Man braucht auch jemanden, der das bezahlt“, sagt Böschen, der glaubt, dass nur Investoren dazu das nötige Kleingeld haben.

Häufig spielen auch Emotionen mit, wenn ein seit Generationen an einer Stelle bewirtschafteter Hof auf einmal umziehen soll. „Das kann je nach Persönlichkeit auch belastend sein“, glaubt Böschen. Und die Frage, wo der neue Hof denn hinsoll, ist damit ebenfalls noch nicht einmal beantwortet.

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