Sieben Handlungsfelder im Katalog

„Sottrum 2030“: Rat legt Ziele fest

Zwei weiße Häuser werden in Sottrum gebaut, es gibt Gerüste und Schutt.
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Eine Baustelle an der Straße Am Meyerhofe in Sottrum. Das Thema Innenverdichtung ist beim Entwicklungskonzept „Sottrum 2030“ groß angelegt.

Die grobe Richtung beim Konzept „Sottrum 2030“ steht fest. Der Rat hat den Zielkatalog verabschiedet. Bald will man konkrete Maßnahmen vorstellen.

Ob er nun ein Kompass ist, wie es Planer Ulrich Berding nennt, oder der im Volksmund oft bemühte rote Faden nach Lesart von Gemeindedirektor Holger Bahrenburg – in puncto Entwicklungskonzept „Sottrum 2030“ ist weiter nichts konkret beschlossen. Aber dessen Fortschritte sind unverkennbar. Der Gemeinderat hat am Montag den sogenannten Zielkatalog verabschiedet, man ist sich also einig, wie man in den kommenden zehn Jahren die Wieste-Gemeinde gestalten möchte. Der dörfliche Charakter soll erhalten bleiben, das hatte sich schon nach Abschluss der Bürgerbeteiligung herauskristallisiert, wie kreiszeitung.de im Juli berichtete. Hier ein Überblick auf den aktuellen Stand.

Wie bindend ist der Zielkatalog?
Wenn man es ganz genau nimmt, eigentlich gar nicht. Der Zielkatalog hat keine Art gesetzgeberische Kraft, wie Ulrich Berding vom Büro „Plan zwei“, das die Gemeinde im Prozess begleitet, am Montagabend nochmal betonte. Auch das Entwicklungskonzept am Ende selbst sei eher ein „internes Instrument“, eine Argumentationsgrundlage bei zukünftigen Entscheidungen des Rates.
Was passiert nach der Kommunalwahl im September 2021?
Wie so häufig bei langjährigen Prozessen, werden viele der jetzigen Ratsmitglieder und Initiatoren von „Sottrum 2030“ kaum noch mit dem Entwicklungskonzept arbeiten. Bereits im Herbst kommenden Jahres stehen die Kommunalwahlen in Niedersachsen an, es ist also wenig Zeit, nach Verabschiedung des Konzeptes noch groß Maßnahmen umzusetzen. Zukünftige Gemeinderäte, bis 2030 wird zwei Mal gewählt, sind nicht an „Sottrum 2030“ gebunden, es soll aber dennoch eine Richtschnur für sie sein, so Lühr Klee (Grüne). „Entweder wir machen es oder wir lassen es.“ Berding legt Wert auf einen möglichst großen Konsens im aktuellen Rat, ohne in der Sache zu beliebig zu werden.
Wie konkret sehen die Maßnahmen aus?
Bis zu diesem Zeitpunkt kann man noch kaum von Konkretem sprechen. Der Zielkatalog sei eher ein „ein Kompass auf dem Weg zu Maßnahmen“, so Berding. Die Verfahrensweise sieht vor, dass mit der Fertigstellung des Konzeptes entsprechende Maßnahmen einzeln vorgeschlagen werden – wie es im politischen Prozedere üblich ist. Entscheidungen soll der Zielkatalog nicht vorwegnehmen.
Welche Themen wurden berücksichtigt?
Der Zielkatalog definiert insgesamt sieben Handlungsfelder: „Wohnen“, „Arbeit und Wirtschaft“, „Verkehr und Mobilität“, „Freiraum und Umwelt“, „Klimaschutz und Klimaanpassung“, „Ortsleben, Freizeit und Kultur“ sowie „Ortskern“. In der Umsetzung kann es zum Beispiel um die Innenverdichtung gehen, mit der freie Flächen im Ort für Wohnungsbau genutzt werden, anstatt neue Baugebiete am Ortsrand zu entwickeln, oder darum, im Ortskern das Wohnen im Erdgeschoss zu erlauben. Ebenso könnte die Gemeinde die Ansiedlung von kleinen, lokalen Betrieben fördern oder versuchen, die Trennwirkung der Bundesstraße 75 zu überwinden.

Präambel: „Sottrum 2030 - nachhaltig, nachbarschaftlich, offen für alle Generationen“

Im nun verabschiedeten Zielkatalog zum Entwicklungskonzept „Sottrum 2030“ wurde auch eine Präambel formuliert. „Was als Ziel formuliert wurde, kommt aus diesem Leitbild“, so Planer Ulrich Berding vom Büro „plan zwei“. Unter der Überschrift „Sottrum 2030: nachhaltig, nachbarschaftlich, offen für alle Generationen“ soll der „heutige Charakter Sottrums erhalten und gestärkt werden“, heißt es. „Der Ort soll an die Anforderungen des demografischen Wandels angepasst und nachhaltig entwickelt werden. Die Lebensqualität Sottrums liegt im großzügigen, naturnahen Wohnumfeld und einer guten Nahversorgung hinsichtlich Handel sowie öffentlichen und privaten Dienstleistungen. Nachbarschaft und Vereinswesen sind Ausdruck der lebendigen Gemeinschaft in der Gemeinde.“

Wie wird ein Ziel zur Maßnahme?
Sicher gibt es Projekte, die sich schnell und einfach umsetzen lassen um einem Ziel zu entsprechen. In anderen Fällen muss man sozusagen Umwege gehen, um die richtige Entscheidung zu treffen. So empfiehlt „plan zwei“ auf Nachfrage von Bürgermeister Hans-Jürgen Krahn (CDU), ein Einzelhandelskonzept aufzustellen, ebenso ein Leerstandskataster wurde empfohlen, um die Innenverdichtung und das Thema „Wohnen im Bestand“ besser zu planen. Gerade dieses Thema lässt sich laut den Verfassern des Konzeptes nicht so einfach umsetzen. „Das ist eine kleinteilige Aufgabe“, so Planerin Kirsten Klein.
Welche Kritikpunkte gibt es?
In manchen Fällen widersprechen sich die einzelnen Punkte des Zielkatalogs, hieß es am Montag von einigen Ratsmitgliedern. So schlägt er zum Beispiel die Sicherung von kleinteiligen Gewerbestrukturen vor, gleichzeitig aber auch das Werben um größere Betriebe für Flächen an der Autobahn 1. Andere Angelegenheiten wie etwa der öffentliche Personennahverkehr liegen gar nicht in der Hand der Gemeinde. Der Punkt könne sich laut Berding aber auch auf Wegenetze und Sicherheit beziehen. Zudem wünschte sich der Rat eine stärkere Verankerung des Lärmschutzes im Katalog. Mike Lünsmann (SPD) zusammenfassend: „Alle Punkte sind Auslegungssache.“
Wie geht es jetzt weiter?
Zunächst tagt weiter die Arbeitsgruppe zum Entwicklungskonzept. Dieser bekommt von „plan zwei“ noch in diesem Monat erste konkrete Maßnahmen vorgeschlagen, so Planerin Kirsten Klein. Laut Gemeindedirektor Holger Bahrenburg wolle man nun zunächst eine Prioritätenliste der Maßnahmen erstellen, in der auch die jeweiligen Kosten berücksichtig werden. Diese Maßnahmen stehen dann auch als Entwurf im Abschlussbericht zu „Sottrum 2030“, der Ende des Jahres fertiggestellt werden soll.

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