SOTTRUMER MITTELSTAND Ralf Müller ist Bestatter in vierter Generation

Arbeit mit dem Abschied

Ralf Müller vor der Kapelle des Bestattungshauses Müller in Sottrum
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Für Ralf Müller stehen die Angehörigen im Mittelpunkt.

In der Serie Sottrumer Mittelstand geht es dieses Mal um Ralf Müller und um das Bestattungsunternehmen Müller, das der Sottrumer in vierter Generation führt.

Der Tod gehört zum Leben dazu. Biologisch gesehen trifft das auf jeden Menschen zu, jedes Leben ist endlich. Für Ralf Müller und sein Team gilt dieser schlaue Satz auch in einer anderen Hinsicht – nämlich auch für den beruflichen Alltag. Müller ist Inhaber des gleichnamigen Bestattungsunternehmens in Sottrum, und das nun schon in der vierten Generation.

„Mein Urgroßvater, mein Großvater und mein Vater haben schon Beerdigungen gemacht“, sagt der Sottrumer. Dabei war das Unternehmen, das er heute führt, ursprünglich eine Tischlerei, und auch noch eine, die fest im Wiesteort verwurzelt ist. 1904 gründete sein Urgroßvater Hermann Müller den Betrieb, der neben dem Tischlereihandwerk von Anfang an auch Bestattungen anbot. „Das war damals noch so üblich“, erklärt sein Urgroßenkel. Erst Ralf Müllers Vater Günter Müller machte 1975 aus der Tischlerei ein reines Bestattungsunternehmen.

Erster Bestattermeister in der Familie

Im Gegensatz zu den Generationen vor ihm bringt Ralf Müller eine weitere Neuerung in die Firma ein: Er ist nicht Tischler-, sondern Bestattermeister. „Nicht nur in diesem Unternehmen, sondern ich gehöre auch zu den ersten Bestattermeistern im ganzen Landkreis“, sagt Müller. „Es gibt mittlerweile eine richtige Prüfung, die lediglich von zwei Handwerkskammern in Deutschland – in Düsseldorf und Würzburg – abgenommen wird.“

Der Umgang mit dem Tod ist für ihn Alltag: „Ich bin ja von klein auf an damit aufgewachsen“, erinnert er sich. Neben ihm gehören zwei Mitarbeiterinnen zu seinem Team, aber auch seine Familie greift ihm bei Bedarf unter die Arme. Die seit mehr als einem Jahr andauernde Corona-Pandemie hat auch die Arbeit des Bestattungsunternehmens verändert. „Vor allem Feuerbestattungen nehmen seit dem zu“, sagt Müller. „Allerdings gab es bis zur Pandemie im Fall einer Einäscherung zwei Termine, einen zum Abschiednehmen, einen für die Beisetzung der Urne. Jetzt gibt es nur noch eine Feier.“ Und dann sind da die immer neuen Vorschriften und Hygienemaßnahmen für Trauerfeiern, die für ihn eine Herausforderung sind. „Viele denken nicht daran, dass ich ja der Veranstalter bin. Von daher muss ich schon darauf achten, das alle Regeln eingehalten werden.“

Kein Todesfall ist wie der andere.

Ralf Müller

Zugleich geht der Trend, parallell zur Zunahme der Feuerbestattungen, zu pflegeleichten Gräbern. „Viele junge Angehörige von älteren Verstorbenen sind weggezogen und können sich nicht so intensiv um ein Grab kümmern“, erklärt er. „Und immer mehr brauchen keinen Friedhof als konkreten Ort der Trauer.“

Während viele Branchen kritisch die Konkurrenz aus dem Internet beäugen, ist Müller gelassen: „Online-Anbieter bieten geringe Leistung für auf den ersten Blick wenig Geld, schlagen dann aber bei jedem Punkt Kosten drauf. Es gibt keine persönliche Betreuung, es ist lediglich Massenabfertigung.“ Er ist sich sicher: „Hier auf dem Land ist das nicht wirklich Konkurrenz.“ Für ihn stehen die Angehörigen im Mittelpunkt, denn „sie legen ihr Vertrauen in uns. Die Beerdigung ist zwar auch eine Würdigung des Verstorbenen, aber vor allem der Augenblick, in dem sich die Angehörigen von einem geliebten Menschen verabschieden. Von daher machen wir einen Großteil unserer Arbeit für sie. Denn sie sind diejenigen, die mit all dem weiterleben müssen.“

Im Gegensatz zu Online-Anbietern seien lokale Unternehmen wie seines direkt vor Ort: „Wir nehmen uns die Zeit, allerdings ist dafür auch wichtig, dass jeder in unserem Team seinen Teil dazu beiträgt. Dabei ist kein Todesfall wie der andere, jeder ist individuell. Und genauso trauert jeder anders, jeder braucht andere Unterstützung. Und das kann man nicht einfach lernen“, betont Müller. Für ihn steht fest: „Dieser Beruf geht nicht ohne Empathie, und wer das nicht hat, darf diesen Beruf nicht machen.“

Die Serie

Der Mittelstand ist das Fundament der Wirtschaft, auch in Sottrum. Insbesondere Familien prägen das Bild der Gewerbelandschaft. In dieser Serie stellen wir einige Firmen vor. Wie sind sie zu dem geworden, was sie sind? Wie hat sich ihre Branche verändert? Welche Herausforderungen meistern sie?

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