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Psychologin Heide Nullmeyer über Träume: Jeder hat eine wichtige Aussage

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Von: Matthias Röhrs

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Heide Nullmeyer in ihrem Garten. Sie trägt eine türkise Weste, darunter einen gelben Pullover. Um den Hals hängt ihre Brille.
„Jeder Traum hat eine wichtige Bedeutung“, sagt Heide Nullmeyer aus Hellwege. Für die Diplom-Psychologin steckt in Träumen immer ein Lösungsansatz für das Problem, das den Träumer gerade beschäftigt. © Röhrs

In Träumen verarbeiten wir Erlebtes und Probleme. Dabei kann man auch einiges über sich lernen. Klingt das nicht nach das Humbug? Nein, sagt Traumarbeiterin Heide Nullmeyer. Wie es geht, verrät sie im Interview.

Hellwege – Jede Nacht begeben wir uns auf eine Reise in unser tiefstes Innerstes – wir träumen und verarbeiten dabei, was uns gerade beschäftigt und bewegt. Was wohl wenigen dabei bewusst ist: In unseren Träumen finden sich auch Lösungswege für Probleme – zumindest sind viele Fachleute davon überzeugt.

Zu ihnen gehört auch Heide Nullmeyer aus Hellwege. Die Diplom-Psychologin und TV-Journalistin bietet in der kommenden Woche ein Seminar zur Traumarbeit in Ahausen an. Das klingt erst einmal ein wenig nach Esoterik, ist laut Nullmeyer aber fundiert. Im Interview fragen wir nach, was in unseren Träumen steckt.

Frau Nullmeyer, was haben Sie letzte Nacht geträumt? Wissen Sie das noch?

Es ging um eine Person, die ich aus einem anderen Zusammenhang kenne. Sie hatte etwas mit meinem Mann und seinen Filmen zu tun. Sie ist eine bekannte Malerin gewesen und inzwischen verstorben. Sie hat Dinge gemalt, die sehr viel mit dem Holocaust zu tun haben. Mein Mann hat zuletzt hier in Hellwege einen Film vorgeführt, der den auch zum Thema hatte und darüber haben wir uns am Abend noch unterhalten: über den Film, über die Auswirkungen und die lebhafte Diskussion mit den Zuschauern hinterher. Also der Traum hatte sehr stark zu tun mit unserem Gespräch gestern Abend.

Und was sagt Ihnen das jetzt?

Man möchte hier in Hellwege eine Filmreihe mit den Filmen meines Mannes auflegen. Es geht jetzt um die Gedanken, die ich dazu in meinen Kopf habe. Jetzt muss man natürlich auch die Person, von der ich geträumt habe, mit hinzunehmen – die bekannte Malerin. Sie ist später dement geworden. Da kann man jetzt fragen, was es bedeutet, wenn ich jetzt von ihr träume. Ist das die Angst, dass die Reihe nicht zustande kommt? Oder ob die Besucher vielleicht nicht verstehen, was gemeint ist? So tiefgehend muss man fragen.

Was fasziniert Sie persönlich an Träumen?

Dass man Antworten bekommt auf die Dinge, die gerade wichtig sind.

Traum-Seminar in Ahausen

Heide Nullmeyer bietet am Dienstag, 22. Februar, im Ahauser Gemeindehaus ein Traum-Seminar an. Es beginnt um 15 Uhr und soll vier Stunden dauern. In der Traumarbeit müsse man viele Fragen beantworten, es dauere seine Zeit, bis ein Traum entschlüsselt ist, so Nullmeyer. Gastgeberin an diesem Nachmittag ist Ahausens Pastorin Andrea Wauer-Höflich. Im Seminar wird es darum gehen, den eigenen Träumen und deren Bedeutung auf die Spur zu kommen. Grundlage ist die Methode der renommierten Traumforscherin Ortrud Grön, „die Natur als Spiegel der Seele“ zu verstehen. Bereits im Januar gab es ein ähnliches Seminar in Ahausen mit Nullmeyer. Man möchte versuchen, regelmäßig Gruppentreffen zum Thema Träumen zu organisieren. Nähere Einzelheiten zum Seminar erläutert Nullmeyer per E-Mail an info@traumerkenntnis.de oder unter 04264 / 9311.

Nun hat Traumarbeit für viele einen esoterischen Anstrich. Was ist Wahres dran an Träumen?

Es gibt unterschiedliche Schulen und die Wissenschaft, die inzwischen ganz klar sagen: Träume haben für jeden von uns eine sehr wichtige Bedeutung – egal wie man sie entschlüsselt. Jetzt muss man fragen: Wie gehe ich um mit den Träumen? Ich habe das ja bei Ortrud Grön gelernt, eine sehr bekannte und renommierte Traumtherapeutin und -forscherin, die ich 1990 durch einen Film kennengelernt habe. Damals hatte sie mir einen Traum von der Professorin Amelie Keil erzählt. Es hat mir so eingeleuchtet, wie sie den übersetzt hat, dass ich immer mehr wissen wollte.

Inwieweit ist die Traumarbeit denn eine exakte Disziplin? Und wann ist sie nur Spekulation?

Spekulation ist sie eben nicht mehr, weil auch anerkannte Wissenschaftler wie der Traumforscher Michael Schredl daran arbeiten. Die Wissenschaft ist überzeugt, dass Träume für jeden von uns eine wichtige Bedeutung haben.

Was zeichnet die Methode von Ortrud Grön aus? Was macht sie einleuchtend?

Man kommt einfach schneller auf dem Punkt.

Inwiefern?

Sie hat ein Konzept entwickelt, wonach der erste Teil eines Traumes das Problem beschreibt. Die nächsten Bilder zeigen dann die Ambivalenz auf, in der man sich befindet – also den Widerspruch, mit dem man nicht klarkommt. Der dritte Teil ist ein Lösungsansatz. Man kriegt einen Lösungsschritt vorgestellt oder man hat auch schon eine Lösung parat. In meinem Traum zum Beispiel wäre das zwar noch keine Lösung, aber als Ansatz meine Angst, dass diese Filme nicht so ankommen, wie ich es mir für meinen Mann wünsche.

Zur Person

Die TV-Journalistin, Filmemacherin und Diplom-Psychologin Heide Nullmeyer ist 1940 in Frankfurt am Main geboren. Schon in jungen Jahren heiratete sie einen Griechen und zog nach Athen, ging nach der Trennung nach Spanien, arbeitete dann als Au-pair in England, um dann in Bremen tätig zu sein – zunächst als Sekretärin im Theater am Goetheplatz, später dann bei Radio Bremen.

Im Laufe ihrer Karriere war sie an der Produktion von mehr als 120 Filmen beteiligt. Zusammen mit ihrem Ehemann, dem Kameramann Frank Günther Wedekind, lebt sie in Hellwege. In den 1990er-Jahren entdeckte Nullmeyer ihre Faszination für Traumarbeit und lies sich von der Traumforscherin Ortrud Grön darin ausbilden. Im März 2020 ist ihre Autobiografie „So wird es kommen – Höchstpersönliches aus einem Frauenleben und der Welt des Fernsehens“ erschienen. Darin lässt sich auch ihr Weg zur Traumarbeit genauer nachvollziehen. Mehr Informationen zu Nullmeyer gibt es auf ihrer Website.

Das impliziert, dass die Lösung für ein Problem schon in einem steckt.

Das ist auch oft so. Jeder Traum geht immer einer Spur nach, Stück für Stück dröselt er auf. Ich habe schon Traumarbeiten von Leuten erlebt, die zuerst gar nicht wussten, was Sache ist. Plötzlich sind sie dahinter gekommen, dass sie etwa ein Kindheitstrauma haben, das bis dahin völlig unbewusst war. Träume sind Wegweiser, und sie wollen, dass es einem gut geht. Dafür müssen aber Fühlen und Denken in Einklang gebracht werden.

In der Regel vergessen wir unsere Träume aber schnell. Wie verlässlich ist dieser Wegweiser?

Ja, man vergisst manches. Schredl sagt da zum Beispiel, dass es sonst eine Überflutung wäre, wenn wir alles behalten würden, was der Traum uns präsentieren will. Manchmal haben auch nur kleine Traumbilder eine große Aussage. Meine Erfahrung nach 30 Jahren Traumarbeit ist, dass die Leute am Anfang sehr viel und lang träumen, weil noch sehr viel verarbeitet wird und vieles unklar ist. Das wird immer weniger im Laufe der Zeit, die Träume werden kürzer.

Kann man das pauschalisieren: Je verworrener man träumt, desto schlechter geht es einem?

Das ist an sich nicht richtig, wie Sie das formulieren. Ich sage es mal so: Die Träume einer Nacht, so verworren sie auch erscheinen, gehören alle zu einem Thema. Und es bezieht sich eben in der Regel auf den Tag oder die Tage davor. Wenn ich mich zum Beispiel mit einer Kollegin fürchterlich zerstritten habe, wird mir das der Traum in irgendeiner Weise gleichnishaft aufzeigen. Das wird nicht wiederholt sozusagen, sondern der Traum wählt andere Bilder, um das Problem darzustellen. Man muss lernen, dieses Gleichnis zu übersetzen.

Der Traum ein Helfer und Wächter für unser Wohlbefinden.

Heide Nullmeyer

Was bringt es, seine Träume zu verstehen?

Dann geht es einem von Tag zu Tag besser – wirklich. Aber ich muss das vielleicht ein bisschen relativieren: Am Anfang sind Menschen, wenn sie therapeutisch noch sehr viel zu erledigen haben, vielleicht nicht so begeistert über das, was der Traum ihnen offenbart. Aber wenn sie sich dahinterklemmen und mehr darüber wissen wollen, dann ist der Traum ein Helfer und Wächter für unser Wohlbefinden.

Sie vermeiden das Wort Traumdeutung. Warum eigentlich?

Deutung ist ein ganz schlechtes Wort. Ich deute nicht, sondern ich erarbeite mit den Leuten die Bilder, die sie geträumt haben. Es gibt zwar Träumbücher, in denen steht, was was bedeutet, aber das ist zu einseitig. Das kann manchmal stimmen, muss es aber nicht.

Geraten wir da in den eingangs angesprochenen esoterischen Bereich?

Genau. „Deuten“ dürfen Sie meine Arbeit nicht nennen. Sie müssen von Traumarbeit sprechen, weil es eine Auseinandersetzung ist mit den Bildern, die der Träumer präsentiert. Das muss man auf der sachlichen Ebene sehen und gleichzeitig die Assoziationen berücksichtigen, die der Träumer dazu hat.

Lässt sich jeder Traum in diesem Sinne bearbeiten, oder träumen wir manchmal nur Quatsch?

Nein, Quatsch gibt es nicht. Jeder Traum hat eine wichtige Aussage für jeden Einzelnen.

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