Wie die Sottrumer Kandidaten ihren Wahlkampf führen möchten

Politik in Pixeln

Wahlkampf aus den eigenen vier Wänden: Holger Bahrenburg geht online.
+
Wahlkampf aus den eigenen vier Wänden: Holger Bahrenburg geht online.

Sottrum – So sieht Wahlkampf im Februar 2021 aus: Holger Bahrenburg sitzt in einer kleinen Bildschirm-Kachel zwischen Sperrbildschirmen und Videoübertragungen von Decken, Heizungen oder Fensterrahmen. Nicht jeder hat verstanden, wie man die Handy- oder Laptopkamera ausstellt, falls man sich nicht zeigen möchte. Vereinzelt zeigen sie dann aber doch Gesicht.

Zwischendurch hört man von irgendwo ein Baby schreien. Holger Bahrenburg, parteiloser Direktkandidat für das Bürgermeisteramt in der Samtgemeinde Sottrum, bittet darum, auch die Mikrofone auszustellen. Jetzt wolle er reden, anschließend könne man Fragen stellen.

Das ist er wohl, der Kommunalwahlkampf im Corona-Zeitalter: Facebook-Liveübertragungen statt Hausbesuche, Pixel statt Parteien-Luftballons. In sieben Monaten ist Kommunalwahl in Niedersachsen, und bis dahin müssen Bahrenburg und sein Konkurrent, der von der Sottrumer Parteienlandschaft vorgeschlagene Wolf Linne, um möglichst viele Stimmen werben. Doch wie kann das gelingen, wenn eine Pandemie bis auf Weiteres Kontakte einschränkt? Bahrenburg hat zumindest schon mal einen Plan. Er möchte diese Art der virtuellen Zusammenkunft zunächst regelmäßig durchführen, das erzählt er am Sonntagabend. Er hofft auf einen Sommer mit weniger Einschränkungen. Der Terminplan jedenfalls, erzählt er gegenüber der Kreiszeitung, ist voll.

Bahrenburg wollte mit der Liveübertragung sich und seine Ideen vorstellen. Die 40 bis 50 Facebook-Freunde von ihm, die eingeschaltet haben (von 818), werden ihn wohl schon kennen. Wie häufig im Wahlkampf (oder bei Facebook), diente der Sonntagabend also nicht wirklich dem Erkenntnisgewinn. Konkurrent Linne, selbst kein großer Freund des sozialen Netzwerks, scheint das im Vorfeld schon geahnt zu haben, und schaltete nicht ein. Er kenne Holger Bahrenburg ja schon, so der Unterstedter vergangene Woche im Gespräch mit dieser Zeitung.

Beide Kontrahenten scheinen sich ohnehin mit dem klassischen Wahlkampf auf der Straße besser anfreunden zu können. Auch wenn er für Letzteren zum jetzigen Zeitpunkt noch keine große Rolle spielt. Wahlkampf ist für den Unterstedter ein zweischneidiges Schwert. „Als Mitarbeiter des Landkreises bin ich zur Neutralität verpflichtet“, sagt er. Beruf und Persönlichkeit könne man beim Leiter des Rechnungsprüfungsamtes nur schwer trennen. Er weiß: „Das ist auf jeden Fall ein Nachteil.“ Zum Beispiel müsse er bei bestimmten Informationen immer abwägen, ob er sie überhaupt einsetzen darf.

Im Gespräch deutet sich an: Ein leidenschaftlicher Wahlkämpfer steckt nicht in Wolf Linne. Auch wenn es im Sommer möglich wäre, „jedes Wochenende nach Sottrum zu fahren, passt nicht zu meiner Persönlichkeit“, sagt er. Er setze auf die „Multiplikatoren vor Ort“, also jene, die ihn im Chefsessel des Sottrumer Rathauses sehen möchten: die Parteien und Politiker. Die will Linne auch alle besuchen. „Sie kennen die Bedürfnisse der Samtgemeinde auch besser“, sagt er. Er wolle sich lieber auf das Fachliche konzentrieren, das Dienstleistungskonzept der Samtgemeinde stärken. Da sei er Experte, und das bringe dem Bürger auch mehr.

Während Linne soziale Netzwerke zur Online-Wahlwerbung eher als Möglichkeit im Worst Case sieht, sind sie für Bahrenburg eine erste Säule. Bis Juni möchte er einmal im Monat eine Liveübertragung bei Facebook machen und erzählen, was ihn im Wahlkampf umtreibt, welche Anliegen ihn erreichen. Danach soll es nach draußen gehen. „Ab Juni habe ich jedes Wochenende Präsenztermine“, sagt Bahrenburg. Jede Ortschaft möchte er besuchen, dazu kämen Schwerpunkt-Termine, wie er sie nennt. Also Treffen zu konkreten Themen. Auch der fast schon obligatorische Stand vor dem Sottrumer Edeka ist in Planung.

Bahrenburg hat am Sonntag damit begonnen, zumindest virtuell um Stimmen zu werben. Ob mit oder ohne Einschränkungen, normal kann ein Wahlkampf in Corona-Zeiten nicht sein. Und so startet er wie so vieles von Zuhause aus und unspektakulär mit einer halben Stunde bahrenburgschen Monolog, der bei seinen Zuschauern keine Fragen aufwirft. Pünktlich zum Tatort ist die Liveübertragung schon wieder vorbei – immerhin.

Der Weg zur Wahl ist in diesem Jahr ein anderer. Symbolfoto: Menker
„Das ist auf jeden Fall ein Nachteil“, sagt Wolf Linne über die ihm gebotene Neutralität als Angestellter des Landkreises.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Ehepaar Norden gibt Lütje Isdeel in Fintel wegen benachbarten Bautätigkeiten auf

Ehepaar Norden gibt Lütje Isdeel in Fintel wegen benachbarten Bautätigkeiten auf

Ehepaar Norden gibt Lütje Isdeel in Fintel wegen benachbarten Bautätigkeiten auf
Die Kreissprecher über den Zustand der Grünen: „Das ist jetzt eine andere Partei“

Die Kreissprecher über den Zustand der Grünen: „Das ist jetzt eine andere Partei“

Die Kreissprecher über den Zustand der Grünen: „Das ist jetzt eine andere Partei“
Schlauchbootregatta auf dem Visselsee: Schlag auf Schlag

Schlauchbootregatta auf dem Visselsee: Schlag auf Schlag

Schlauchbootregatta auf dem Visselsee: Schlag auf Schlag
Sotheler Landwirt sagt Jakobskreuzkraut seit vielen Jahren schon den Kampf an

Sotheler Landwirt sagt Jakobskreuzkraut seit vielen Jahren schon den Kampf an

Sotheler Landwirt sagt Jakobskreuzkraut seit vielen Jahren schon den Kampf an

Kommentare