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Planungsbüro stellt Mobilitätskonzept für die Samtgemeinde Sottrum vor

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Von: Nina Baucke

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Vor der Grundschule Horstedt ist die Verkehrslage mit Parkplatz, Busverkehr, Elterntaxi und Radweg problematisch.
Vor der Grundschule Horstedt ist die Verkehrslage mit Parkplatz, Busverkehr, Elterntaxi und Radweg problematisch. © Baucke

Die Liste an Maßnahmen ist lang: Ein Planungsbüro stellt dem Ausschuss für Klimaschutz, Umwelt, Planung, Wirtschaft und Verkehr das Mobilitätskonzept für die Samtgemeinde Sottrum vor. Ein besonderer Blick liegt dabei auf dem Fahrradverkehr.

Sottrum – Erst kam eine kurze Stille, dann setzte das obligatorische Klopfen auf den Tischen ein, als Rainer Dargel von der Planungsgesellschaft Verkehr Dargel Hildebrandt aus Hannover seinen Vortrag beendete. Er und sein Kollege Marvin Uhde hatten dem Ausschuss für Klimaschutz, Umwelt, Planung, Wirtschaft und Verkehr gerade das Mobilitätskonzept für die Samtgemeinde Sottrum vorgestellt – inklusive sogenannter „Handlungsbausteine“. Und deren Liste entpuppte sich als ziemlich lang.

Fakt ist: Es wird viel gependelt – aus Sottrum raus nach Ottersberg, Rotenburg, aber vor allem nach Bremen. In den Kernort selbst geht es hauptsächlich aus den umliegenden Mitgliedsgemeinden. „Sottrum hat auf jeden Fall einen Pendlerüberschuss“, betonte Uhde. Und auch das machten die Planer klar: „Wir haben eine Autokultur, daher sollten wir das Miteinander – auch mit dem Radverkehr – mehr fördern“, sagte Dargel.

Der Bahnhof ist die Stärke der Samtgemeinde, er hat einen hohen Stellenwert. Aber sein Potenzial wird zur Zeit nicht ausgeschöpft.

Rainer Dargel

Dem tragen die vorgestellten Handlungsbausteine Rechnung, denn sie nehmen schwerpunktmäßig den Fahrradverkehr in den Fokus. Das bezieht auch den Bahnhof mit ein, der schon allein mit dem Blick Richtung Bremen ein „Pfund“ für die Samtgemeinde sei. „Der Bahnhof ist die Stärke der Samtgemeinde, er hat einen hohen Stellenwert. Aber sein Potenzial wird zur Zeit nicht ausgeschöpft.“ Er appellierte, darauf aufzubauen. Ein Schritt dahin seien die neuen Fahrradboxen, für die der Samtgemeinderat bereits in der vergangenen Woche Gelder bewilligt hatte. „Ich würde allerdings empfehlen, für mehr Akzeptanz die jährlichen Kosten für die Nutzer nicht höher als 50 Euro anzusetzen – zumal das Park-and-ride-Angebot für Autos kostenlos ist“, so Dargel.

Die Samtgemeinde verfügt zudem über ein dichtes Radverkehrsnetz, so das Urteil der Planer. „An vielen Kreisstraßen gibt es Radwege, aber es gibt auch Lücken“, sagte Dargel. Seine Empfehlung war daher zunächst eine Verkehrsschau, gefolgt von Neubau- und Sanierungsmaßnahmen. Denn selbst wo ein Radweg sei, ist er an einigen Stellen in die Jahre gekommen. Problematisch stellt sich die Situation vor allem vor der Grundschule in Horstedt dar: Schulbusverkehr, Geh- und Radweg sowie der private Hol- und Bringdienst von Eltern überlagern sich dort. „Das Parkangebot für die Lehrkräfte vor der Grundschule muss da raus und verlagert werden“, ist für Dargel neben der Sanierung des Radweges der notwendige Handlungsschritt. Dazu kommt der Neubau eines Radweges von der K 201 entlang der K 203 nach Stapel. Auch sollten Fahrradabstellplätze am Schulzentrum durch eine Überdachung aufgewertet werden – „als Wertschätzung, dass die Schüler mit dem Rad kommen“, so Dargel.

Lienworth aufwerten

Eine weitere Option wäre, den Lienworth für Radfahrer aufzuwerten: „Bei Lidl und Edeka würde es sich anbieten, anstelle von zwei oder drei Autostellflächen überdachte Abstellplätze für Fahrräder zu schaffen, möglich ist auch eine Station, an der Lastenräder zum Ausleihen bereitstehen“, so Dargel.

Aber auch im Bereich Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) sehen die Planer in der Samtgemeinde Nachholbedarf: „Grundsätzlich ist der ÖPNV flachendeckend vorhanden, allerdings hauptsächlich als Schulverkehr“, erläuterte Uhde. „Auch die Verknüpfung von Bus und Bahn ist nicht attraktiv – vor allem nicht morgens für Pendler.“ Ein weiterer Handlungsbaustein ist daher ein Shuttle-Angebot, das morgens und abends Bahnhof und Kernort verbindet, „bevor und nachdem der Bürgerbus seinen regulären Fahrplan bedient“. Das Problem: Ohnehin ist die Personalrekrutierung für den Bürgerbus aktuell eine Herausforderung, noch schwieriger dürfte es für die Randzeiten sein, die Dargel anführte. Sein Lösungsvorschlag wäre, den Bereich mit Honorarkräften abzudecken. „Es lohnt sich, da es kein neues System braucht, sondern auf einem vorhandenen aufsetzt.“ Er empfahl eine ein- bis zwei jährige Testphase. Ohnehin werde Bedarfsverkehr „on demand“ – also unter anderem Anrufsammeltaxis – die Zukunft im ländlichen Raum sein.

B75 als Knackpunkt

Knackpunkt bleibt allerdings auch die B  75 als Hauptverkehrsader, die einmal nicht nur die Samtgemeinde, sondern auch Sottrum direkt von Ost nach West zerteilt. 10 000 Fahrzeuge sind dort am Tag unterwegs, ansonsten verteilt sich die weitere Verkehrsintensität innerhalb der Samtgemeinde vor allem auf die Kreisstraßen im südlichen Teil der Kommune sowie von Sottrum nach Reeßum. Die Querung der B 75 konzentriert sich dabei vor allem auf die Kreuzung Am Eichkamp sowie Große Straße, aber auch auf Höhe Lienworth. „Hier müssen Sicherheitsdefizite abgebaut werden“, appellierte Dargel.

„Es war gut, das alles mal zu sehen, aber vieles haben wir auch schon in ,Sottrum 2023‘ aufgegriffen“, kommentierte Samtgemeindebürgermeister Holger Bahrenburg die Ausführungen. Auch die Situation in Horstedt sei nicht neu. „Aber ob wir da mit den prognostizierten 50 000 bis 100 000 Euro hinkommen, müssen wir sehen.“ Zunächst wolle man alle Maßnahmen prüfen, priorisieren und nach Fördermöglichkeiten gucken.“ Zu tun gibt es also für die Politik reichlich.

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