Linda Tellington-Jones dreht in Eversen eine Serie für ein Tellington-Touch-Lexikon

Die Pferdeversteherin

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Linda Tellington-Jones ist eine beeindruckende Pferdeversteherin. Auf dem Heidehof Wolfsgrund in Eversen entsteht gerade eine mehrteilige Video-Serie.

Eversen - Von Bettina Diercks. Der Schimmel schüttelt den Kopf und lässt ihn anschließend entspannt hängen. Linda Tellington-Jones spricht das Pferd erneut auf Englisch an und fragt, ob es relaxt ist – und die weiße Stute nickt. Sie wirken wie in einer eigenen Welt, die 79-jährige gebürtige Kanadierin und dieses Pferd. Dabei stehen sie im Fokus einer Kamera und von ein paar Zuschauern auf dem Heidehof Wolfsgrund in Eversen. Dennoch ist da etwas ganz Einzigartiges zu spüren und zu erleben, wer diesen Szenen nahe sein darf.

Egal, wie schwierig die Fälle sind, die ihr präsentiert werden. Innerhalb kürzester Zeit widmen die Pferde ihre volle Aufmerksamkeit dieser kleinen Frau. Es ist, als würden sich die Vierbeiner an sie anlehnen, Zwiegespräche mit ihr führen und sich seufzend sagen: „Da ist endlich jemand, der mich versteht.“ Linda Tellington-Jones ist eine wahrlich beeindruckende Pferdeversteherin. Absolut bewegende und vermutlich noch niemals zuvor dagewesene Momente voller Innigkeit, die sich auf dem Heidehof Wolfsgrund zutragen.

Sie bildet Hautfalten mit ihren Händen und rollt sie den Pferdekörper entlang, bewegt die Oberlippe mit der flachen Hand und massiert das Zahnfleisch. Immer wieder nimmt sie die Ohren und lässt sie kreisen oder greift den Schopf und zieht etwas daran, bevor sie ihn wieder behutsam auf die Stirn zurücklegt, die sie dann streichelt. Die Beine werden nacheinander angehoben und in kreisender Bewegung einmal gegen einmal mit dem Uhrzeigersinn bewegt. Wie gut es dem Pferd tut, ist an der entspannten Haltung, dem Kauen und Lippen lecken zu entnehmen. „Sie sagt, dass sie vor ihrem geistigen Auge Bilder sieht, was gleich passiert“, sagt Gudrun Braun. Sie betreut Tellington-Jones seit mehr als 20 Jahren redaktionell für den Kosmos-Verlag und Pferdia-TV Thomas Vogel (Völkersen). In Eversen entsteht gerade eine mehrteilige Video-Serie, ein Tellington-Touch-Lexikon für „Online lernen“ auf Vogels Homepage. Braun ist dankbar und begeistert, dass Volker Paetzold, dem der Heidehof gehört, seinen Betrieb zu Verfügung stellt. „Wir bekommen hier viel Unterstützung, alles ist völlig unkompliziert. Es ist eine tolle Anlage“, sagt Braun. „Die Methode von Tellington-Jones passt einfach gut zu unserem Konzept und unserer Philosophie“, sagt Paetzold.

Pferde zum Denken anregen

Mit dem „geistigen Auge“ ist die imaginäre Vorstellungskraft von Tellington-Jones gemeint, keine Hellseherei. Sie deutet kleinste Signale der Pferde, während sie mit ihnen arbeitet und reagiert prompt. Weg von Unbehagen, hin zu Vertrauen, das ist ihr Ziel. Mit ihrer Methode regt sie Pferde zum Denken und anlehnen an den Menschen an und stärkt ihr Selbstvertrauen.

Tellington-Jones fordert die Darsteller ihrer Videoreihe auf, behutsamer und langsamer mit ihren Pferden umzugehen. Ihr geht es um Respekt und Wohlgefühl und zeigt ihnen, was Pferde entspannt und sie aufmerksam auf den Menschen werden lässt. Außerdem zeigt sie ihnen weitere „Touches“, die Denkprozesse beim Pferd auslösen. Sei es mit der Hand oder der Gerte, die immer streichelnd zum Einsatz kommt. Weiter geht es mit Bodenarbeit, die ebenfalls Gehirn von Pferd und Reiter stimulieren sollen. Denn bekannt ist: Das Gehirn fixiert sich stark auf einmal Erlerntes, auch in Sachen Empfindungen und Bewegungen. Bekannt ist allerdings ebenfalls: Die Fixierung lässt sich durch neue, ungewohnte Impulse, Berührungen, Bewegungsabläufe aktivieren und darüber verändern.

Linda Tellington-Jones deutet schon kleine Signale der Pferde.

Linda Tellington-Jones prägte vielleicht wie kaum eine andere die Möglichkeit, Pferde alternativ zu erziehen: durch Berührungen. Die heute auf Hawaii lebende Pferdenärrin ist Erfinderin der Tellington-Touch-Methode und T.E.A.M.-Arbeit. Tellington-Jones revolutionierte Arbeit und Denken im Umgang mit Pferden – und Reitern, die es zuließen. All das nahm etwa in den 70er-Jahren zunehmend Formen an, nachdem sie geistig und körperlich behinderte Jugendliche und Erwachsene betreut hatte. Vielleicht lag da der Schlüssel hin zu ihrer Methode, bei Pferden behutsam und unter Zuhilfenahme von Feldenkrais Vertrauen gegenüber dem Menschen zu schulen. Lange Jahre stand ihr Ursula Bruns (Westfalen) zur Seite, die im vergangenen Jahr verstarb. Bruns war eine der ersten in Deutschland, die pferdegerechte Haltung und Ausbildung des Pferdes propagierte. Die in Eversen gedrehten Videos werden voraussichtlich im Herbst im Internet zu sehen sein.

www.pferdia.de

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