Andrea Zachrau aus Hellwege hat sich der Pferde-Fotografie verschrieben

Pferd im Fokus

Mithilfe eines Beamers werden Motive auf die Pferde projiziert.
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Mithilfe eines Beamers werden Motive auf die Pferde projiziert.

Hellwege – Alles Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken der Pferde. Für Andrea Zachrau ist das Glück aber auch greifbar, wenn sie auf ihren eigenen Beinen steht und Pferde vor der Linse ihrer Canon-Spiegelreflexkamera hat. „Ich konnte mein Hobby zum Beruf machen und etwas schaffen, was andere begeistert“, schwärmt sie von ihrer Arbeit. Und das sind nicht wenige, denn auf Instagram, wo Andrea Zachrau regelmäßig ihre beeindruckenden Fotos und Stories postet, wächst die Anzahl ihrer Fans ständig: Inzwischen zählt sie mehr als 22 000 Abonnenten, die regelmäßig ihre Fotos bewundern.

Dabei sah es nach dem Abitur nicht nach einer Karriere als Fotografin aus. „Ich studierte drei Monate Kulturwissenschaft und Englisch, als mir von der Rotenburger Rundschau, bei der ich als freie Mitarbeiterin aktiv war, ein Volontariat angeboten wurde“, berichtet die gebürtige Oytenerin über ihren beruflichen Werdegang. Bei der Entscheidung zugunsten des Volontariats stand die Lust am Schreiben im Vordergrund, die Fotos gehörten als Nebenprodukt dazu. Im Laufe der Jahre legte Andrea Zachrau immer mehr Wert auf gute Fotos und baute die Pferdefotografie weiter aus.

Oft vor der Linse war ihre Stute „Chanti“, vielen Pferdefreunden sicherlich noch durch die Serie „Chantis Fohlentagebuch“ bekannt. Einen großen Schub gab es, als sie 2014 Jacques Toffi, einen der bekanntesten deutschen Pferdefotografen, begleiten durfte. „Von ihm habe ich sehr viel gelernt“, so die 40-Jährige. Inzwischen verfügt sie über ein mobiles Studio, zu dem unter anderem eine 24 Quadratmeter große Leinwand und vier Studioblitze gehören.

„Ich möchte immer wieder etwas Neues erschaffen“, betont Zachrau, die gerne Effekte einsetzt. Dazu gehört seit fünf Jahren die Holi-Pulver-Fotografie, bei der Pferde oder auch Hunde im bunten Farbnebel abgelichtet werden. „Eine Freundin brachte mich durch Zufall auf die Idee, als sie von einem Holi Festival für Menschen erzählte“, erinnert sich die Hellwegerin. Den ersten Gedanken, dass es kaum möglich sei, Pferde mit farbigem Pulver zu bewerfen, verwarf sie glücklicherweise, und probierte es einfach aus. „Nur wenn Pferde darauf vorbereitet werden, beworfen und angepustet zu werden, ist es möglich, Fotos aufzunehmen, ohne den Tieren Angst zu machen“, sagt Zachrau.

Daher bekommen die Besitzer, wenn ein Holi-Shooting gebucht wird, eine Übungsanleitung für die Pferde. Inzwischen wurde die Idee, die in Europa im November 2015 in der Pferdefotografie noch vollkommen unbekannt war, oft kopiert. Obwohl sie viel Lob für ihre Arbeit erhält, möchte sie sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen. „Immer, wenn ich eine neue Idee habe, probiere ich es mit Helfern und souveränen Pferden aus“, betont Zachrau, die sich weiterhin mit ihrer Arbeit abheben möchte und daher den Anspruch an sich stellt, immer wieder etwas Neues und Kreatives zu entwickeln. So sind schon zahlreiche Kunstwerke mit Gegenlicht, projizierten Bildern auf den Tieren oder mit in die Luft geworfenen Tüchern entstanden.

Zu ihren Motiven gehört natürlich auch der von ihr gezüchtete „Flannagan“, der inzwischen dreijährige Sohn von „Chanti“, die im Jahr 2017 verstarb. „Er ist mein Topmodel“, meint Andrea Zachrau schmunzelnd und fügt nicht ohne Stolz hinzu: „Seine Bilder sind die beliebtesten. Er hat schon mehr als 2 000 Fans auf seiner eigenen Instagram-Seite.“

Eine Woche im Monat reserviert Andrea Zachrau für die Fotografie. Der Aufwand für einen Shooting-Termin, für den acht bis zehn Pferde oder Hunde angemeldet werden können, ist nicht unerheblich. So ist nicht mehr viel Platz, wenn die komplette Technik im Fahrzeug verstaut ist. Ziel der Fahrt ist meistens eine Reithalle oder eine Überdachung ohne direkten Lichteinfall. Bevor es losgehen kann, sind vier Helfer, wozu oftmals auch Ehemann Sebastian gehört, mit dem Aufbau beschäftigt. Für jedes Pferd sind rund 30 Minuten im provisorischen Studio reserviert. Viel länger können sich die Tiere nicht konzentrieren.

„Für sie ist die Situation alles andere als alltäglich“, weiß Zachrau und verspricht: „Jeder bekommt aber die Zeit, die er braucht.“ Im Gegensatz zur Arbeit mit dem mobilen Studio gestalten sich die Shootings in der Sandkuhle, wo sie ebenfalls öfters fotografiert, für die Pferde deutlich entspannter. Die mit dem mobilen Studio und unter freiem Himmel entstandenen Fotos sind jeweils schon so gut, dass nur noch dezent mit Photoshop nachbereitet wird. „Mehr als zehn Minuten darf die Retusche nicht dauern“, sagt Andrea Zachrau. Für alle Fotos gilt: Der Auftraggeber erhält eine bestimmte Anzahl an bearbeiteten Dateien, die Rechte der Fotos verbleiben bei der Fotografin. Dafür wird jedes Mal ein Model Release Vertrag abgeschlossen.

Für ihre Bilder gibt es viel Lob aus berufenem Mund: „Sie ist eine hervorragende Fotografin“, schwärmt Tony O’Connor, einer der besten Pferdemaler weltweit. O’Connor-Werke, die nach Foto-Vorlagen von Andrea Zachrau entstanden sind, wurden nach Amerika verkauft oder standen bei der Dublin Horse Show in Irland im Rampenlicht. Auch bei internationalen Fotowettbewerben wurden ihre Arbeiten bereits ausgezeichnet.

Auch wenn Andrea Zachrau inzwischen von der Pferdefotografie leben könnte, ist sie froh, dass als Chefredakteurin der Zeitschrift „Reitsport Magazin“ weiterhin ihre Schreibkünste gefragt sind. „Mir liegt die kreative Arbeit, wenn ich allerdings nur fotografiere, würde mir etwas fehlen“, hebt sie hervor. Gerne möchte sie, sobald es die Zeit und Corona zulassen, eine Europatour machen, um die vielen Shooting-Anfragen aus den Nachbarländern zu erfüllen.

Einen großen Wunsch gibt es noch: „Ich habe eine Einladung nach Indien zum Holi-Festival, die ich durch die Pandemie frühestens im Frühjahr 2022 annehmen kann.“

Von Antje Holsten-Körner

Zachrau online:

Wer sich für die Arbeit von Zachrau interessiert, findet sie über Instagram (andreazachrau_photography), Facebook (Andrea Zachrau Photography) und ihre Internetseite www.az-textundbild.de. Immer wieder sind dort auch „Making-Ofs“ zu sehen.

Andrea Zachrau mit „Flannagan“, der mehr als 2 000 Fans auf seiner eigenen Instagram-Seite hat.

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