Landschaftswartin schlägt neue Setzung vor

180 Pfähle sorgen für Gesprächsstoff

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Die 180 Pfähle wurden größtenteils abgesägt und anschließend entfernt.

Ahausen - Von Bettina Diercks. Eigentlich sollten die Eichenpfähle an den Ausgleichsflächen am Ahauser Wiedhoop stehen bleiben. So lautete bislang die Meinung im Rat. Auch vor dem Hintergrund, dass auf dem Gemeindegrundstück nach den schweren Verbissschäden im Winter 2012/13 doch noch einmal nachgepflanzt und anschließend wieder gezäunt werden müsste.

Zur Diskussion und den Schäden war es damals gekommen, weil das zuständige Landesamt für Geoinformation und Landesvermessung (LGLN) den Zaun zur Sicherheit des Wildes entfernt hatte. Jetzt wechselten rund 180 Pfähle für 50 Euro den Besitzer und sorgen für Gesprächsstoff. Naturschützer konnten die Handlung damals nicht verstehen und befürchteten aufgrund der vielen Verbissschäden, dass die gepflanzte und geplante Hecke nicht lückenlos heranwächst. Tatsächlich haben einige Kiefern und Holunder nicht überlebt und die Fläche wird noch einiges an Zeit benötigen.

Einen Antrag auf „Wiederherstellung zerstörter Ausgleichsflächenbepflanzungen“ hatten die Grünen im Juli 2015 in die Gemeinderatssitzung eingebracht. Ratsmitglied und seit jüngster Zeit auch stellvertretender Bürgermeister Jörg Küsel (CDU) warnte damals davor, „Eigeninitiative zu entwickeln und selbst aktiv zu werden“. Er führte als Grund eine etwaige Kontrolle des Amtes an. Seine Bedenken damals: Sollte das Amt Nachpflanzungen entdecken, würden keine Gelder mehr vergeben werden. Das Thema wurde damals auf den Sommer 2016 vertagt und kehrte im Rahmen der Ratssitzungen immer wieder zurück, weil versucht wurde, offizielle Gelder für eine Aufforstung aufzutreiben.

Beim wiederkehrenden Ringen um Gelder schaffte es dann irgendwann der Naturschutzbund (Nabu), 1 500 Euro für Nachpflanzungen in Ahausen vom Niedersächsischen Landesamt für Wasser-, Küsten- und Naturschutz zu bekommen. Die reichen laut Landschaftswartin Sabine Jeske gerade mal für den Bereich zwischen Ahausen und Bockel, wo der Verein derzeit aufforstet, Pfähle ersetzt und einzäunt.

Missverständnis mit Käufer

Ende Oktober begann der Käufer die hölzernen Begrenzungspfosten der Ausgleichsflächen an der Straße „Am Felde“ und bis hinunter zum Wald zu entnehmen. Laut Bürgermeister Claus Kock (CDU) sei das so nicht geplant gewesen. „Links und rechts der Hellweger Straße“, lautete der Deal. „Da haben wir uns missverstanden“, sagt Kock. Auf die Fläche gesehen oder an der Menge der Pfähle gemessen, komme es nach seiner Prüfung aber in etwa auf dasselbe heraus. Verkauft wurden die rund 180 Pfähle für 50 Euro.

Auf Nachfrage während der Einwohnerfragestunde in der jüngsten Ratssitzung teilte Kock mit, dass die Leitungsrunde sich nach Anfrage eines örtlichen Interessenten einig gewesen sei: „Das kann man ja machen.“ So wechselten die Totholzhabitate ihren Besitzer und wurden größtenteils abgesägt. Die Stümpfe im Erdreich zeugen noch davon.

Landschaftswartin Jeske zeigt wenig Verständnis für die Aktion und hat in einem Gespräch mit dem Bürgermeister vorgeschlagen, dass alle 50 Meter wieder ein Pfahl gesetzt wird. Sie sollen klar die Grundstücksgrenzen markieren, damit die Fläche nicht von den umliegenden landwirtschaftlichen Schlägen in Mitleidenschaft gezogen wird.

Aus Jeskes Sicht hat die Landwirtschaft bislang problemlos mit den Pfählen und der Ausgleichfläche leben können. Nach Aussage von Kock werde man ihrem Vorschlag jedoch nicht folgen. Die Gemeinde ist im Zuge der Flurbereinigung Eigentümerin der Fläche geworden. „Sie ist per Gesetz dazu verpflichtet, den dauerhaften Erhalt sicherzustellen“, heißt es auf Nachfrage beim Amt für regionale Landesentwicklung Lüneburg. Zwar hat das Amt in 2013 den Zaun entfernt, damit sich kein Wild darin verfängt, die Pfähle aber sollten stehen bleiben, damit nicht die Gefahr besteht, dass die Fläche überpflügt wird. Diese klare Aussage wird weiterhin vom Amt bestätigt. Bei Ortsterminen mit der Gemeinde sei das alles besprochen worden.

Kein Einsatz von Pflanzenschutzmitteln

Auf den Stocksetzen ist bei der Ausgleichsfläche zulässig, Forstwirtschaft zu betreiben sowie der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln jedoch nicht. Das Schwengelrecht für Landwirte bleibt laut Behörde unbenommen. Das heißt, sie dürfen auf ihrer Fläche überhängende Äste entfernen. Das Amt hätte aus Naturschutzsicht begrüßt, dass die Pfähle stehen bleiben, da sie Totholzhabitate für Insekten darstellen. Die links und rechts der Hellweger Straße angelegten Ausgleichsflächen sind sogenannte Trittsteinbiotope, also Überbrückungselemente für Organismenarten. Deren Erhalt ist im Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege festgeschrieben: „Auf regionaler Ebene sind insbesondere in von der Landwirtschaft geprägten Landschaften zur Vernetzung von Biotopen erforderliche lineare und punktförmige Elemente, insbesondere Hecken und Feldraine sowie Trittsteinbiotope, zu erhalten und dort, wo sie nicht in ausreichendem Maße vorhanden sind, zu schaffen.“

Dem steht allein ein Verkauf der hölzernen Begrenzungen nichts entgegen und der Gemeinde als Eigentümerin steht frei, sie zu entnehmen oder eben zu verkaufen.

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