Peter Freytag tritt am Montag sein Amt als Samtgemeindebürgermeister in Sottrum an

„Ich trete in keine Partei ein“

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Peter Freytag bereitet sich auf die Amtsübernahme am Montag vor.

Sottrum - Von Jessica Tisemann. Jetzt wird es ernst: Drei Monate nach seiner Wahl zum Samtgemeindebürgermeister in Sottrum tritt Peter Freytag am Montag sein Amt an. Was die Bürger von ihm erwarten können und was das größte Erbe seines Vorgängers für ihn ist, erzählt er im Interview.

Herr Freytag, sind Sie aufgeregt, jetzt wo es endlich losgeht?

Peter Freytag: Ja, die Spannung steigt natürlich. Die ersten Termine für Juni/Juli sind bereits im Kalender vermerkt und dann in der offiziellen Funktion als Samtgemeindebürgermeister.

Sind Sie in den vergangenen Monaten schon als Samtgemeindebürgermeister angesprochen wurden?

Freytag: Im Schriftverkehr ist der Titel schon das ein oder andere Mal zu lesen. Das bezieht sich dann aber auf Einladungen, ab Juni. Ansonsten vertrete ich in den einzelnen Arbeitsbereichen Markus Luckhaus ja jetzt bereits als Erster Samtgemeinderat. In der Funktion bin ich schon etwas präsenter als in der Vergangenheit.

Von den Bürgern kam aber noch nichts in die Richtung?

Freytag: Nein. Dafür bin ich in Sottrum vielleicht auch einfach zu bekannt, dass mich die meisten Menschen doch mit meinem Vornamen ansprechen.

Was können die Sottrumer als erstes von Ihnen als Samtgemeindebürgermeister erwarten?

Freytag: Eines der großen Themen für den ersten Sitzungsdurchgang im Juni wird die Diskussion um die Veränderung der Verwaltungsstrukturen sein. Aus dieser Veränderung heraus kommt dann auch die Wahl meines Vertreters. Der allgemeine Vertreter wird für die einzelnen Arbeitsabläufe benötigt. Aus dieser veränderten Arbeitsstruktur heraus gilt es, sich den Sachaufgaben zu widmen.

Was erwartet die Bürger da genau?

Freytag: Wir warten mal die politischen Diskussionen ab. Gerade da sind die politischen Mandatsträger gefordert, die Dinge für eine funktionierende Verwaltung in eine Beschlusslage zu bringen. Inhaltlich presche ich da jetzt noch nicht zu weit vor. Im Juni werden wir dann mit dem Samtgemeinderat in den Sitzungsdurchgang starten, in dem wir dann hoffentlich entsprechende Beschlussvorlagen bekommen.

Gibt es ein Projekt, dass sie als erstes angehen wollen?

Freytag: Das Thema Doppik. Das war ja auch eines der Wahlkampfthemen für alle drei Bewerber. Da sind wir mittlerweile weiter im Arbeitsablauf, aber aus der Veränderung der Verwaltungsstruktur heraus erhoffe ich mir, dass wir dieses Thema schnell abarbeiten können. Und wir werden dann, da wir ja schon Richtung Sommerpause gehen, auch sofort in die Haushaltsplanberatungen 2016 gehen müssen, weil wir nach der Sommerpause sofort in die Fachausschüsse gehen. Wir werden begleitend auch die Diskussion um das Thema Ganztagsbetreuung an unseren Grundschulen haben. Auch da werden jetzt die ersten Gespräche in der Arbeitsgruppe geführt. Im Juni ist auch der Schulausschuss terminiert, und dort werden wir sicher auch die ersten Diskussionen zu diesem Thema haben. Das ist für die kommenden Wochen ein strammes Paket.

Was ist das größte Erbe, dass Ihnen Markus Luckhaus hinterlässt?

Freytag: Das größte Erbe ist sicherlich die Doppik. Die Erwartungshaltung an den neuen Bürgermeister ist extrem hoch. Aber wir können nur einen Schritt nach dem anderen machen und müssen bestimmte Dinge nacheinander abarbeiten. Das wird für mich eine große Herausforderung sein, das auch zu vermitteln. Ich kann nicht nach vier Wochen eine Eröffnungsbilanz für alle Mitgliedsgemeinden vorlegen. Wir werden dieses Thema auch wieder beim Haushalt 2016 diskutieren. Nicht nur in der Samtgemeinde, sondern in jeder Mitgliedsgemeinde, wo viele Dinge mit einem Fragezeichen belegt sind, weil man aus der Eröffnungsbilanz heraus die Abschreibungen nicht kennt. Ich würde gerne jedem Bürgermeister sagen, das ist deine Eröffnungsbilanz und mit diesen Zahlen musst du für die Zukunft rechnen. Das ist einer der ganz großen Problembereiche, die ich übernommen habe.

Die fehlenden Eröffnungsbilanzen haben Markus Luckhaus ja ein bisschen das Genick gebrochen...

Freytag: Naja, er hat für sich selbst ein zeitliches Ziel definiert, zu dem er die Eröffnungsbilanzen vorlegen wollte. Dieses hat er für sich selbst relativ eng gesetzt und die Konsequenzen daraus gezogen, dass er dieses Ziel nicht erreicht hat. Ob er eine Wahl, wenn er denn angetreten wäre, verloren hätte und über dieses Thema in einem Wahlkampf gestolpert wäre, das mag ich nicht zu beurteilen, weil er einfach aus seiner Arbeit heraus in den acht Jahren auch viele Dinge umgesetzt hat. Nur wie immer im Leben, erinnern sich viele Menschen eher an die negativen Dinge.

Glauben Sie, dass Ihnen so etwas auch passieren könnte, dass sich die Menschen in sechs Jahren bei einer möglichen zweiten Kandidatur nur an die negativen Dinge erinnern?

Freytag: Ja. Es ist immer eine Herausforderung für jeden Amtsinhaber, wenn er sich einer Wiederwahl stellt, wenn er aktuell ein negatives Thema hat. Es gibt ja auch negative Themen, die von draußen einwirken. Die Herausforderung ist dann, im Wahlkampf die positiven Dinge, die in den Jahren zuvor gelaufen sind, darzustellen und dem Wähler das aufzuzeigen. Aber das ist für mich im Moment noch keine Diskussion. Ich starte ja jetzt erst.

Hat das Thema Schule für Sie als Familienvater und als ehemaliger Fachbereichsleiter einen besonderen Schwerpunkt?

Freytag: Schule hat in unserer Gesellschaft immer einen Schwerpunkt zu haben. Alles was sich im gesellschaftlichen Wandel befindet, spiegelt sich letztlich auch im schulischen Bereich wieder. Und von daher ist das immer ein aktuelles Thema, und ich würde mich freuen, wenn wir dieses Thema nicht immer wieder diskutieren müssten, damit die Kinder für sich selbst auch innerhalb ihres Schulalltags ihre Ruhe vor den inhaltlichen Themen haben. Wir haben jetzt zum Beispiel auch wieder den Wechsel von G8 auf G9.

Sie haben die Rückkehr zu G9 angesprochen. Was kommt da auf Sie zu?

Freytag: Die Diskussion um G9 wird auch bei uns im politischen Raum wieder starten, weil wir aus der schulischen Veränderung heraus unter Umständen auch die Diskussion führen müssen, wie es mit unseren Räumlichkeiten aussieht. Ich hab schon recht früh gesagt, wenn wir ein Betreuungsangebot im Ganztagsbereich in den Krippen und Kindergärten starten, dann kann das nicht mit einem Mal abbrechen. Die Familien müssen sich auf eine bestimmte Struktur des Alltags einstellen können. Wobei natürlich die inhaltliche Arbeit im Grundschulbereich der Schwerpunkt ist. Es geht nicht darum, Kinder zu betreuen ohne Wissen zu vermitteln. Auch dieses Thema wird spannend sein.

Und was finden Sie persönlich besser, G8 oder G9?

Freytag: Ich will das schulpädagogisch gar nicht begründen, da fehlt mir auch der Hintergrund zu. Aber aus der Erfahrung als Vater, der beide Systeme erlebt hat, bin ich absoluter Verfechter für G9, weil wir unsere Schulstruktur im Einstiegsbereich nicht angepasst haben. G8 ist eingeführt worden, ohne im unteren Bereich die Dinge anzupassen. Die Lehrpläne sind gestrafft worden, und ich kann das nur für meine Kinder sagen: Der Schulalltag hat sich extrem verändert. G8 hat für die Kinder einfach bedeutet, dass sie fast keine Freizeit mehr hatten.

Die Wahl war ja bereits am 8. März. Jetzt knapp drei Monate später treten Sie ihr Amt an. Wie war es, sich so lange darauf vorbereiten zu können?

Freytag: Für mich war die Vorbereitung sicherlich eine andere, als wäre ich von draußen in das Amt hineingewählt worden. Ich hab meinen normalen Arbeitsablauf im Rathaus, und bin an vielen Themen aus dem Tagesgeschäft schon dran. Die Einarbeitung wird, glaube ich, ab dem 1. Juni nochmal intensiver. Ein Teil der repräsentativen Aufgaben wird dann auch außerhalb des Rathauses stattfinden, die ich dann bis zum 1. Juni in dieser Form und Häufigkeit nicht hatte. Der eigentliche Ablauf im Rathaus ist für mich ja mein Beruf.

Sie haben vorhin schon die Verschlankung der Verwaltung angesprochen.

Freytag: Ja, das ist ja eine Diskussion gewesen. Ich hab zwei Funktionen im Rathaus. Ich bin allgemeiner Vertreter und Fachbereichsleiter. Ich habe bei der Verschlankung der Verwaltung immer über die Funktion des Fachbereichsleiters gesprochen, weil auch ich als Samtgemeindebürgermeister einen allgemeinen Vertreter brauche. Unstrittig. Die Position des Fachbereichsleiters ist die, die ich verändern möchte. Die Fachbereichsleiterebene sehe ich als nicht notwendig an, weil wir eine gut funktionierende Abteilungsleiterebene für diese Aufgabenstellung haben. Ich sehe einen Großteil meiner Aufgaben ja im Verwaltungsbereich, was nicht heißt, dass ich meine repräsentativen Aufgaben vernachlässige. Da ich meine Aufgabe im Rathaus definiere, sind die Fragestellungen, die ich heute aus der Abteilungsleiterebene bekomme, auch ab 1. Juni in der Beantwortung bei mir. Es heißt dann also nicht in Richtung Abteilungsleiterkollegen: Ihr habt ja einen Fachbereichsleiter, den könnt ihr fragen. Nein, ich möchte die direkte Zusammenarbeit mit meinen Kollegen auf der Abteilungsleiterebene beibehalten, weil es für mich als Amtsinhaber wichtig ist, den Tagesablauf aus der Verwaltung zu kennen und diese Dinge mit in Entscheidungen einfließen zu lassen. Ich möchte an den Themen dran sein, damit ich mich gemeinsam mit dem Samtgemeinderat in den Fachdiskussionen einbringen kann. Von daher ist die Funktion der Fachbereichsleiterebene die, die ich im politischen Raum andiskutiert habe und die hoffentlich im Juni auch eine entsprechende Beschlussfassung findet. Und wir nach dem Samtgemeinderat mit einer gestrafften Verwaltungsstruktur die Aufgaben angehen können.

Fachbereichsleiter sind aber ja nicht nur Sie. Was passiert mit den anderen Kollegen?

Freytag: Keiner der Kollegen muss um seinen Arbeitsplatz fürchten. Die Aufgaben selbst sind ja nicht weg. Im Grunde genommen lade ich mir etwas mehr Arbeit auf als mein Vorgänger vielleicht hatte, weil ich sage, diese Fachbereichsleiterebene, die vorgeschaltet ist, möchte ich nicht wahrnehmen.

Was macht den Posten des Samtgemeindebürgermeisters so interessant?

Freytag: Sich direkt mit seiner Meinung und seinem Wissen in die Diskussion einbringen zu dürfen macht für mich neben der eigentlichen Verwaltungstätigkeit, die notwendig ist, den Reiz für dieses Amt aus. Und der Kontakt zu den Bürgern.

Sie sind als parteiloser Kandidat angetreten. Ist die Arbeit eines parteilosen Bürgermeisters eine andere als mit einem Parteienkürzel dahinter?

Freytag: Das kann ich nicht beurteilen, weil ich die Position als Bürgermeister ja erst ab 1. Juni wahrnehme und keinen Vergleich habe, ob ich mich als politischer Mandatsinhaber bei Sachentscheidungen in die eine oder die andere Richtung entscheiden würde. Das will ich für mich gar nicht. Ich will mich in Sachthemen direkt einbringen und meine Meinung sagen dürfen. Ich bin ein politischer Mensch, aber ich werde kein parteipolitischer Mensch werden. Ich trete in keine Partei ein.

Was wollen Sie anders machen als ihr Vorgänger Markus Luckhaus?

Freytag: Ich werde mit Sicherheit die Verwaltung anders in die einzelnen Abläufe einbinden. Das ist einer der wesentlichen Punkte. Aus vielen Gesprächen habe ich gehört, dass es ein Wunsch der Kollegen ist, sich auch in Sachthemen mehr einbringen zu dürfen.

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